Großeinkauf in der Türkei: Verbund zahlt
1,2 Mrd. Dollar für Stromversorger Bedas

Auch Angebote zum Erwerb von Kraftwerken gelegt Stromverbrauch in Türkei steigt um 8,5 % im Jahr

Großeinkauf in der Türkei: Verbund zahlt
1,2 Mrd. Dollar für Stromversorger Bedas © Bild: APA/Fohringer

Der österreichische Verbund kauft gemeinsam mit der Sabanci Holding den türkischen Stromversorger Bedas, der rund 2,9 Millionen Menschen in der Region um die Hauptstadt Ankara mit Strom versorgt. Das Verbund-Konsortium erhielt am Dienstag bei einer Versteigerung den Zuschlag für einen Kaufpreis von 1,23 Mrd. Dollar (780 Mio. Euro).

Davon entfallen auf den Verbund und Sabanci jeweils 49 Prozent, der Rest auf das gemeinsame Joint Venture Enerjisa, wie der Verbund erklärte. In einer zweiten Versteigerung soll der Stromversorger der Region Sakarya im Nordwesten des Landes unter den Hammer kommen. Auch für diesen Stromversorger ("Sedas") hat der Verbund gemeinsam mit Sabanci ein verbindliches Angebot abgegeben.

"Das ist einer der wichtigsten Schritte zur Schaffung eines freien Strommarktes in der Türkei", sagte Enerjisa-Vorstandschef Selahattin Hakman der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Das ist notwendig, um die Versorgungsprobleme zu bewältigen, mit denen wir konfrontiert sind." Der Stromverbrauch in der Türkei steigt jährlich um 8,5 Prozent.

Die Türkei verkauft nun Stromnetze und Kraftwerke, um die Kapazitäten durch verstärkte Investitionen zu erhöhen. Außerdem braucht die Türkei dringend ausländisches Kapital um das Zahlungsbilanz-Defizit auszugleichen, das heuer auf 50 Mrd. Dollar steigen könnte.

Verbund will Kraftwerke kaufen
Enerjisa - ein Joint Venture von Verbund und Sabanci - will bei weiteren Auktionen auch Kraftwerke ersteigern, mit dem Ziel, bis 2010 einen Anteil von 10 Prozent am türkischen Strommarkt zu besitzen. Bis 2015 wolle man 6,5 Mrd. Dollar (4,12 Mrd. Euro) in die Stromerzeugung investieren, erklärte Enerjisa-Chef Hakman. Darüber hinaus sei geplant, den Stromverlust von derzeit 9 Prozent des Umsatzes deutlich zu senken.

Strompreis um 22 Prozent angestiegen
Der Strompreis in der Türkei ist heute um 22 Prozent angehoben worden. Das ist die zweite Preiserhöhung in fast sechs Jahren. Der Preis von Gas, mit dem die Hälfte der türkischen Kraftwerke betrieben wird, hat sich im gleichen Zeitraum verfünffacht.

Die Türkei hat dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zugesagt, den Anteil des Staates an der Stromerzeugung - derzeit 80 Prozent - zu reduzieren. Insgesamt sollen 20 Stromversorger verkauft werden. (apa/red)