Großbritannien-Wahl von

Briten wählen einen neuen Premier

Enges Rennen zwischen Cameron und Miliband - Neo-Premier braucht Steigbügelhalter

Ed Miliband © Bild: Matt Cardy/Getty Images

Wenn der Big Ben am 7. Mai 22.00 Uhr schlägt, schließen in Großbritannien die Wahllokale. Dass die Briten dann aber schon wissen, wer ihr neuer Premierminister sein wird, ist eher unwahrscheinlich. Zu eng ist das Rennen, zu verworren die politische Gemengelage.

David Cameron
© APA/EPA/STR Der amtierende Premier David Cameron auf Stimmenfang
Ed Miliband
© APA/EPA/Nigel Roddis Herausforderer Ed Miliband

Als ausgemacht gilt unter Wahlforschern, dass es weder der konservative Amtsinhaber David Cameron noch sein Labour-Herausforderer Ed Miliband ohne die zumindest passive Hilfe von Partnern in die Downing Street schaffen werden. Die wichtigsten potentiellen Partner im Überblick

Schottische Nationalpartei (SNP): Mit ihrer charismatischen Vorsitzenden Nicola Sturgeon ist die SNP die Sensation des Wahlkampfes. Die Partei, die mit ihrem Referendum zur Unabhängigkeit Schottlands im vergangenen Jahr nur knapp scheiterte, wird nach Prognosen um die 50 Abgeordnete stellen und damit ihre bisherige Fraktionsstärke in Westminster von sechs Parlamentariern vervielfachen. Die sozialdemokratische SNP ist deutlich links der Mitte angesiedelt und schließt jede Art von Bündnis mit David Cameron und seinen konservativen Tories aus. Mit der Labour-Partei könnte sich Sturgeon eine Zusammenarbeit unter bestimmten Bedingungen vorstellen.

Liberaldemokratische Partei (LibDem): Unter ihrem Vorsitzenden Nick Clegg regieren die Liberaldemokraten seit fünf Jahren in der Koalition Camerons mit. Der Erfolg ist eher bescheiden. Clegg musste mit der von Cameron erzwungenen drastischen Erhöhung der Studiengebühren eine Kröte schlucken, die ihm noch heute Stimmen kostet. Dennoch schätzen die Meinungsforscher die Partei mit einem starken sozialdemokratischen Flügel auf um die 30 Sitze. Eine klare Bündnisaussage verweigern die Parteioberen bisher, ein Pakt mit beiden sei denkbar, nicht aber mit der SNP. Klar ist: Wenden sich die Liberaldemokraten von Cameron ab, wird es der Amtsinhaber kaum noch einmal schaffen können.

Democratic Unionist Partei (DUP): Die Nordiren setzen sich strikt für die Einheit des Vereinigten Königreichs ein und vertreten im Nordirland-Konflikt die pro-britische Seite. Parteigründer war 1971 der Pfarrer und protestantische Scharfmacher Ian Paisley. Parteichef Peter Robinson verkündete im Wahlkampf, er könne sich auch ein Bündnis mit Labour vorstellen - natürlicher Partner dürften aber eher die Konservativen sein. Mit um die acht Sitzen könnte die DUP ein konservativ-liberales Bündnis etwa über die nötige Mehrheitsschwelle hieven.

Plaid Cymru: Die "Partei von Wales", wie Plaid Cymru übersetzt aus dem Walisischen heißt, hat ein starkes sozialdemokratisches Korsett. Parteichefin Leanne Wood beklagt vor allem die Situation der Arbeiter und die Gesundheitsversorgung in dem Landesteil, der ärmer ist als EU-Länder wie Portugal oder Griechenland. Plaid Cymru hatte bei der Wahl 2010 drei Sitze errungen und könnte eine Rolle spielen, sollte etwa die Duldung einer Minderheitsregierung von Labour in Betracht gezogen werden.

UK Independence Partei (UKIP): Die Partei des euroskeptischen Rechtspopulisten Nigel Farage wurde nach ihrem Sieg bei den Europawahlen hoch gehandelt. Ob sie als Königsmacher taugt, ist höchst fraglich. Zwar sehen die Meinungsforscher UKIP bei mehr als zehn Prozent der Stimmen - dies könnte aber nur zu ein bis zwei Sitzen reichen. Die Liberaldemokraten haben jede Zusammenarbeit mit UKIP ausgeschlossen. Damit sind auch Premier Cameron praktisch die Hände gebunden, weil er die Stimmen der LibDems braucht.

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