Großangriff auf Nespressos Kaffeekapseln:
Überläufer will dem Konzern die Stirn bieten

Deutliche Kostenersparnis für Kunden versprochen Nespresso schützt sich mit Bollwerk aus Patenten

Großangriff auf Nespressos Kaffeekapseln:
Überläufer will dem Konzern die Stirn bieten © Bild: APA/dpa/Felber

"What else?", fragt George Clooney im bekannten Werbespot Nespressos - "Ethical Coffee" könnte schon bald die Antwort lauten. Die Millionen Fans des Kaffeekapsel-Systems aus dem Hause Nespresso dürfen sich nämlich auf kräftige Kosteneinsparungen freuen: Die Firma Ethical Coffee Company arbeitet an der Entwicklung neuer Kaffeekapseln, die Kunden den gleichen Genuss bei weniger Ausgaben bescheren sollen. Einfach wird das allerdings nicht, denn Nestle hat massive Vorkehrungen getroffen, die jegliche Nachahmung verhindern sollen.

Wie bei anderen Anbietern auch passen in die Espresso-Maschinen von Nespresso bislang nur die mit 35 Cent vergleichsweise teuren Kapseln, die das Unternehmen selbst vertreibt. Nicht weniger als 1.700 angemeldete Patente sollen verhindern, dass ein anderer Anbieter in Nespressos Revier wildert.

Doch genau das will die Schweizer Firma Ethical Coffee Company wagen: Die geplanten Kapseln sollen mit Nespresso-Maschinen vollkommen kompatibel sein, dabei aber weniger als 30 Cent kosten - eine Ersparnis von 20 Prozent für den Kunden.

Überläufer am Werk
Dieser frontale Angriff auf Nespresso wird von keinem Unbekannten geführt: Ethical Coffee Company-Boss Jean-Paul Gaillard stand selbst von 1988 bis 1997 an der Spitze von Nespresso. Und nun will er im Patente-Bollwerk Nespressos eine Lücke entdeckt haben, die er für seine Company auszunutzen gedenkt. Noch in diesem Jahr sollen 450 Millionen Kaffeekapseln hergestellt werden, im kommenden Jahr sind bereits fast zwei Milliarden eingeplant - die weltweite Nachfrage bei Nespresso-Kapseln wird auf sechs bis sieben Milliarden Stück geschätzt.

Vorerst allerdings bleibt diese Segnung Kunden in Frankreich vorbehalten. Auch wenn es aus Deutschland, Österreich und Spanien bereits Anfragen potenzieller Kunden gebe, wie Gaillard beteuert, wird vorerst nur die französische Supermarktkette Casino mit den günstigeren Kapseln versorgt.

Konkurrenz schläft nicht
Bei Nespresso gibt man sich angesichts dieser Konkurrenz vorerst noch gelassen: "Wir haben die Kapseln noch nicht gesehen und können daher nicht sagen, ob Patente verletzt werden", entgegnet Nespresso-Pressesprecher Julian Liew der Basler Zeitung. Auch aus Frankreich ertönen ähnliche Worte: "Es sind nicht die Patente, die uns am meisten schützen, es ist die Qualität unserer Produkte", heißt es von Nespresso Frankreich lapidar. Dass man im Falle einer Gefährdung der Geschäftsinteressen aber auch zu härteren Geschützen greifen würde, käme nicht überraschend: Nespresso-Chef Richard Girardot kündigte an, die Interessen von Nespresso "sehr nachdrücklich" verteidigen zu wollen. Dass die Kapsel des neuen Konkurrenten keines der 1.700 Patente von Nespresso verletzen solle, erscheine den Unternehmensjuristen jedenfalls "sehr überraschend".

Kunden, die nicht auf die Einführung der Billigtabs warten wollen, können sich übrigens auch selbst helfen: Denn gebrauchte Nespresso-Kapsel lassen sich schnell neu befüllen. Anleitungen dafür gibt es im Internet: Kapsel aufschneiden, Kaffeesatz raus, neues Pulver rein, mit Alufolie verschließen - what else?
(apa/mei)

Kommentare

Nespresso Vielleicht sollte Nespresso über einen vernünftigen Entsorgungsweg der zig-Millionen Wegwerfkapseln nachdenken und sich damit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und nicht hinter Patenten verstecken, deren Streitkosten darüber letztendlich wieder dem Kunden aufgeschlagen werden.

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