Größter US-Luftangriff im Irak seit 2003: Militär-Offensive im sunnitischen Dreieck

Nach erster Nacht über 50 Verdächtige in Haft Kaum Widerstand gegen Anti-Terror-Operation

Größter US-Luftangriff im Irak seit 2003: Militär-Offensive im sunnitischen Dreieck

Am zweiten Tag ihrer jüngsten Großoffensive "Operation Schwärmer" gegen Rebellen im Irak sind die US-Streitkräfte und ihre Verbündeten auf keinen nennenswerten Widerstand gestoßen. Es habe "keinen Kontakt mit den Aufständischen" gegeben, sagte der an dem Einsatz beteiligte US-Major John Callahan am Freitag. Die Zahl der Soldaten sei von zunächst 1.500 bereits wieder auf 900 verringert worden, der Einsatz werde voraussichtlich schon am Wochenende enden.

Bei der Großoffensive irakischer und US-Truppen gegen Aufständische im Irak wurden bisher über 50 Verdächtige festgenommen. Zudem seien in der Nähe der Stadt Samarra mehrere Waffenverstecke entdeckt worden. Dort sollen sich Anhänger des Terrornetzwerks Al-Kaida verstecken. In der Region war vor drei Wochen die Reporterin Atwar Bahgad ermordet worden, die für den Nachrichtensender Al-Arabiya arbeitete.

Zuvor war am Donnerstag drei Monate nach der Wahl im Irak das Parlament zu seiner ersten Sitzung zusammengekommen. Die konstituierende Sitzung, die in der streng abgeriegelten "Grünen Zone" von Bagdad stattfand, blieb jedoch ein rein symbolischer Akt. Da sich die Parteien noch nicht über die Verteilung der Schlüsselpositionen in der Regierung einig sind, wählten die 275 Abgeordneten auch keinen Parlamentspräsidenten. Lediglich die Abgeordneten wurden vereidigt.

Der umstrittene designierte Ministerpräsident Ibrahim al-Jaafari erklärte, die Bildung der neuen Regierung könne noch einen Monat in Anspruch nehmen. Er deutete erstmals an, dass er eventuell auf das Amt des Regierungschefs verzichten würde. Übergangspräsident Jalal Talabani sagte, er hoffe, die Verhandlungen über die Regierung könnten bis Ende März abgeschlossen werden.

Der Nachrichtensender Al-Arabiya meldete, in Bagdad seien seit Mittwochabend 25 Leichen von Mordopfern entdeckt worden, darunter mehrere Polizisten. Nach Polizeiangaben wurden unter anderem zwischen Feldern in Jarf al-Sahr südlich von Bagdad die Leichen von sieben Irakern gefunden, unter ihnen drei Polizisten. Unbekannten erschossen bei Mossul sechs Studenten in einem Bus. Fünf weitere Insassen des Busses wurden entführt.

Unterdessen leitete das US-Militär wegen des Todes von 15 irakischen Zivilisten strafrechtliche Ermittlungen ein. Wie ein Militärvertreter mitteilte, geht es um einen Vorfall vom 19. November vergangenen Jahres nahe der Stadt Haditha. Es werde geprüft, ob daran beteiligte Marineinfanteristen "angemessen" vorgegangen seien. Aufständische hatten am Straßenrand einen Sprengsatz gezündet, als ein US-Konvoi die Stelle passierte. Anschließend wurden die US-Soldaten den Angaben zufolge unter Beschuss genommen. Bei dem Schusswechsel seien acht Aufständische und 15 Zivilisten getötet worden.

Das US-Repräsentantenhaus verabschiedete am Donnerstag (Ortszeit) ein Sondergesetz zur weiteren Finanzierung der Kriege im Irak und in Afghanistan. Außerdem sollen mit dem Gesetz Gelder für den Wiederaufbau in den Hurrikan-Gebieten im Süden der USA zur Verfügung gestellt werden. Insgesamt geht es um 91,9 Milliarden Dollar (76,1 Mrd. Euro). Davon sind 67 Milliarden Dollar für die Militäreinsätze vorgesehen. Die Kriegskosten im Irak und Afghanistan steigen damit auf fast 400 Milliarden Dollar. Mit weiteren 19 Milliarden Dollar soll die Hurrikan-Hilfe auf dann rund 90 Milliarden aufgestockt werden. 4,1 Milliarden sind für zusätzliche Nothilfe in Entwicklungsländern vorgesehen. Nach dem Repräsentantenhaus muss sich noch der Senat mit den von Präsident George W. Bush beantragten zusätzlichen Ausgaben befassen. Bush appellierte an die Senatoren, möglichst schnell darüber zu entscheiden.
(apa/red)