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Die größten Medizin-Mythen

Alles nur gelogen! Und dennoch halten sich diese Irrtümer unglaublich hartnäckig.

Leben - Die größten Medizin-Mythen © Bild: © Corbis. All Rights Reserved.

Wie kann es sein, dass die Fingernägel bei Leichen noch weiterwachsen? Und nutzen wir tatsächlich nur einen Bruchteil unserer Hirnkapazität? Aaron Carroll von der medizinischen Fakultät der Indiana University und seine Kollegin Rachel Vreeman nahmen die häufigsten Medizin-Mythen unter die Lupe. Und räumten im medizinischen Fachblatt "British Medical Journal" ein für allemal mit ihnen auf. Wir präsentieren Ihnen die größten Irrtümer, denen den Studienautoren zufolge sogar Ärzte erliegen.

1. Rasierte Haare werden dicker

Keine Sorge, Ladys! Wer seine Beine rasiert, riskiert weder, dass die Haare dicker noch dass sie dunkler werden. Auch wachsen die eliminierten Härchen nicht schneller nach, wenn frau zum Rasierer greift. Der Irrtum beruht schlicht und einfach auf einer optischen Täuschung: Zum einen lässt eine schräge Schnittfläche das Haar dicker erscheinen. Zum anderen haben Haarstoppeln nun mal die Angewohnheit, senkrecht aufzustehen. Wodurch sie wiederum viel auffälliger sind als längere, dadurch aber flach anliegende Härchen.

2. Nägel und Haare wachsen nach dem Tod weiter

Dieser Mythos hat zwar einen hohen Gruselfaktor - an Wahrheitsgehalt mangelt es ihm aber. Die Erklärung ist eigentlich ganz einfach: Nur was lebt, kann auch wachsen. Dennoch scheinen Haare und Fingernägel bei Menschen, die schon längere Zeit tot sind, länger zu sein als bei jenen, die erst vor kurzem verstorben sind. Das liegt daran, dass sich andere Zellen als die der Nägel und der Haare schneller zersetzen und zurückziehen. Was wiederum den Anschein erweckt, dass Haare und Nägel länger geworden sind.

3. Wir nutzen nur 10 Prozent unserer Hirnkapazität

Haben Sie den Film "Lucy" gesehen, in dem die Hauptdarstellerin plötzlich ihre volle Hirnkapazität nutzen konnte und dadurch ungeahnte Fähigkeiten entwickelte? Dieser Plot beruht auf dem Irrtum, dass der Mensch nur zehn, höchstens 25 Prozent seiner kleinen grauen Zellen verwendet. Woher dieser Mythos stammt, weiß man nicht. Ebenso verwunderlich die Tatsache, dass er sich so lange hält, zeigen doch MRI- und PET-Untersuchungen ebenso wie biochemische Verfahren, dass es keinerlei inaktive Bereiche im Gehirn gibt.

4. Lesen bei schlechtem Licht schädigt die Augen

Mag schon sein, dass Junior unter der Bettdecke bei trübem Taschenlampenlicht nicht so klar sieht, die Buchstaben früher oder später durcheinander zu tanzen und möglicherweise auch der Kopf zu schmerzen beginnt. Das liegt schlicht und einfach daran, dass Lesen bei schlechten Lichtverhältnissen die Augen anstrengt und über kurz oder lang ermüdet. Was aber keineswegs heißt, dass dauerhafte Schäden entstehen.

5. Wir brauchen zwei Liter Wasser pro Tag

Den Studienautoren zufolge gibt es für diese Annahme keinerlei medizinische Beweise. Sie sehen die Wurzel des Gerüchts in einer bereits vor Jahrzehnten vom amerikanischen Nutrition Council gegebenen Empfehlung, täglich zwei Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Und genau hier liegt der Hund begraben. Denn Flüssigkeit nehmen wir nicht nur in Form von Wasser, sondern etwa auch über Äpfel, Säfte, Suppen und andere Lebensmittel zu uns. Außerdem sind, den individuellen Flüssigkeitsbedarf betreffend, Pauschalisierungen sowieso fehl am Platz, da die jeweils notwendige Flüssigkeitsmenge stets von Faktoren wie dem Alter, dem Geschlecht, der körperlichen Aktivität und der Umgebungstemperatur abhängt.

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