Großparteien von

Absolut
erfolgreich

Renate Kromp © Bild: Ian Ehm/News

Der Typus des pragmatischen Landesmanagers bzw. der Landesmanagerin scheint sich durchzusetzen.

Eigentlich schien die Sache für die "Großparteien" längst gelaufen. Sogar lang gediente Landeshauptmänner mussten in den letzten Jahren bei ihren Wahlen ordentlich Federn lassen. Wer noch über die 40-Prozent-Marke kletterte, konnte in seiner Partei schon auf Machtfaktor machen. Erwin Pröll mit 50,8 Prozent bei seinem letzten Antreten 2013 war eine Ausnahmeerscheinung, ansonsten waren sich Politiker und Politikexperten sicher: Die Zeit der absoluten Mehrheiten sei vorbei. Die Wählerinnen und Wähler hätten sich (endlich) vom Links-Rechts-Blockdenken verabschiedet. Kleinere, auf klarere Zielgruppen fokussierte Listen seien das Zukunftsangebot, Lebensabschnittswahlverhalten liege voll im Trend.

Als dann bei der Bundespräsidentenwahl 2016 die Kandidaten von SPÖ und ÖVP, Rudolf Hundstorfer und Andreas Khol, jeweils gerade noch etwas mehr als elf Prozent der Stimmen erreichten, meinte man, nun endgültig das verbliebene Stammwählerpotenzial der beiden Parteien zu kennen.

Und jetzt diese Landtagswahlen: Erst kratzte Johanna Mikl-Leitner in Niederösterreich an den 50 Prozent, dann legte Günther Platter in Tirol fast fünf Prozentpunkte auf 44,3 Prozent zu. Zuletzt schaffte Peter Kaiser in Kärnten einen Erdrutschsieg und 47,9 Prozent. Auch Wilfried Haslauer wird in Salzburg ein Zugewinn zugetraut.

Warum das so ist? Die Parteien der Wahlsieger (dreimal ÖVP und einmal SPÖ) sind in diesen Bundesländern perfekt organisiert, doch Wahlkämpfen konnten sie auch schon zuvor. Viel eher scheint sich da der Typus des pragmatischen Landesmanagers bzw. der Landesmanagerin durchzusetzen. Die Wählerinnen und Wähler waren - verschreckt durch den Politik-Stil der letzten Jahre -offenbar einfach nur froh, dass "die da oben" ihren Job machen: die Inszenierung ein wenig zurückschrauben, ein echtes Leben neben Facebook-Filmchen kennen, sich nicht über ständiges Schlamm-Catchen mit politischen Mitbewerbern profilieren. Solide Verwaltungsarbeit, funktionierende Bundesländer -das wurde ohne große Euphorie, aber mit Pragmatismus honoriert.

"Fad", das war gestern der Todesstoß für Spitzenkandidaten, heute zählt das - zumindest in den Ländern - zu den Pluspunkten eines Politikerprofils.

Was Bundespolitiker wohl daraus ableiten? Sebastian Kurz hat bei der Nationalratswahl eine Wendestimmung im Schatten der großen Flucht aus dem Syrienkrieg ausgenützt. Seine Wahlkampagne bestand aus Populismus, Polarisierung und türkiser Inszenierung. 31 Prozent der Wähler hat er überzeugt. Die skandalumwitterte Kampagne der SPÖ lockte 27 Prozent. Wer mehr will, egal, aus welcher Partei, muss einen anderen Ton anschlagen.

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