Grippe-Impfung:
Das sollten Sie wissen

In jedem Jahr, in dem die Grippe zuschlägt, sterben mehr Personen an Influenza als bei Autounfällen. Sie wütet vor allem in Ballungszentren wie Wien, Graz, Linz oder der Stadt Salzburg. Wann die Grippe Saison hat, wer sich impfen lassen und was man dabei beachten sollte.

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Vor allem bei älteren Patienten bleibt es oft nicht bei einer Grippe. "Ein guter Teil der Patienten verstirbt an Folgeerkrankungen wie einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall", erklärt Prof. Martin Haditsch, Facharzt für Hygiene, Mikrobiologie, Infektiologie und Tropenmedizin im Travel Med Center Leonding. Die Gefahr, die eine Influenza-Infektion birgt, ist nicht zu unterschätzen. Woher aber weiß ich, ob es sich um einen grippalen Infekt oder die echte Grippe handelt? Haditsch beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Grippe und Grippe-Imfpung.

Grippaler Infekt oder echte Grippe?

Ein grippaler Infekt bahnt sich, begleitet etwa von Husten oder Schnupfen, meist schleichend an. Anders bei der Grippe. Sie kommt für gewöhnlich aus heiterem Himmel. "Morgens sitze ich noch mit der Liebsten am Frühstückstisch und zu Mittag liege ich schon mit Schüttelfrost im Bett", veranschaulicht Haditsch. Binnen weniger Stunden vollzieht sich demnach der Wechsel von voller Gesundheit hin zu schwerer Krankheit, bei der bis zu 41 Grad Fieber, begleitet von Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, möglich sind. Halsschmerzen, Husten und Schnupfen treten für gewöhnlich erst wenige Tage nach Ausbruch der Erkrankung auf.

Wann hat die Grippe Saison?

Die Epidemie - sofern eine solche stattfindet - wird meist zwischen Dezember und Februar ausgerufen. Dabei scheint sich, so der Experte, die Grippesaison in den letzten Jahren etwas verschoben zu haben. "Früher hieß es, die Heiligen Drei Könige bringen die Grippe." Wenngleich man auch heute noch als Caspar, Melchior und Balthasar verkleidet von Tür zu Tür geht, ist es doch eher das Ende der Urlaubszeit, sprich die Rückkehr zum Arbeitsplatz zwischen Mitte und Ende Jänner, die den Beginn der Grippewelle als epidemisches Phänomen markiert.

»Morgens sitze ich noch mit der Liebsten am Frühstückstisch und zu Mittag liege ich schon mit Schüttelfrost im Bett«

"Eine pandemische Grippe hält sich allerdings nicht an diese Regeln", erläutert der Facharzt für Hygiene, Mikrobiologie, Infektiologie und Tropenmedizin. So zum Beispiel im Jahr 2009, als die klassische Grippewelle ausgeblieben ist, dafür aber das Virus H1N1/09 - im Volksmund Schweinegrippe genannt - zugeschlagen hat. Damals warnte die Weltgesundheitsorganisation bereits Anfang April vor einer weltweiten Verbreitung. Anfang Juni wurde die Warnung auf die höchste Alarmstufe hochgestuft. Über ein Jahr später, genauer gesagt im August 2010, wurde die Pandemiephase für beendet erklärt.

Wann sollte ich mich impfen lassen?

Die Impfstoffe sind seit Anfang Oktober in den Apotheken erhältlich. Sprich: Wer sich impfen lassen will, kann dies ab sofort tun. "Am besten sollte man sich schon vor der eigentlichen Influenza-Saison impfen lassen, denn es dauert etwa zwei bis drei Wochen, bis der volle Impfschutz aufgebaut ist", rät Prof. Herwig Kollaritsch, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Tropenmedizin, Parasitologie und Migrationsmedizin. Konkret hieße das Ende Oktober oder Anfang November.

Haditsch ergänzt: Lässt sich eine Person, dessen Immunsystem intakt ist, bereits Anfang Oktober impfen, kann man davon ausgehen, dass trotz des frühen Zeitpunkts der Immunisierung bis zum Ende der Grippewelle genügend Abwehrstoffe vorhanden sind. Eine Person dagegen, deren Immunsystem nicht wie gewünscht auf die Impfung zu reagiert, rutscht vermutlich schon vor Ende der Saison unter die Schutzgrenze. Wann genau das ist, darüber kann man nur mutmaßen. Hier müsse man abwägen, ob der Schutz eher gen Anfang oder gen Ende der Grippewelle gegeben sein soll.

Wer sollte sich impfen lassen?

Offiziell empfohlen wird die Influenza-Impfung insbesondere den Risikogruppen Schwangere, Kleinkinder, Senioren und Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, COPD oder Herz-Kreislauferkrankungen. Im vom Sozialministerium herausgegebenen Impfplan 2018 wird darauf hingewiesen, dass Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen ab 65 Jahren besonders gefährdet sind, schwere Verläufe zu erleiden. In dieser Altersgruppe kämen auch die meisten grippebedingten Krankenhausaufenthalte (60 Prozent) und sogar 90 Prozent der Todesfälle vor.

»Jeder soll sich impfen lassen«

Neben den genannten Risikogruppen sollten sich Haditsch zufolge auch all jene impfen lassen, die aus beruflichen Gründen häufigen oder engen Kontakt zu anderen Menschen - vor allem zu solchen, deren Immunsystem nicht intakt ist - pflegen. Darunter etwa Mitarbeiter des Gesundheitswesens oder der Kinderbetreuung. Ebenso wie Reisende, die mitunter zur Verbreitung des Virus über Kontinente beitragen, oder Personen, bei denen ein Arbeitsausfall schwere organisatorische Konsequenzen hätte. So gesehen beträfe die Impf-Empfehlung rund 80 Prozent der Bevölkerung. Tatsächlich rät der Experte aber: "Jeder soll sich impfen lassen."

Ab welchem Alter kann man Grippe impfen?

Einige Impfstoffe sind laut Information des Gesundheitsministeriums für Kinder ab sechs Monaten zugelassen. Für Kinder ab zwei Jahren gibt es auch die Variante einer Impfung mittels Nasenspray. Er trägt den Namen Fluenz Tetra, ist ein Vierfachimpfstoff und darf in Österreich bis zum 17. Lebensjahr angewendet werden. Weil es sich hier um einen Lebendimpfstoff handelt, darf er allerdings nur dann verabreicht werden, wenn weder das Kind selbst noch jene Personen, die mit ihm in einem Haushalt leben, an einer Immunschwäche leiden. Ansonsten besteht die Gefahr einer Infektion.

Wie viele lassen sich jährlich impfen?

Die Zahl jener, die sich impfen lassen sollten, und derer, die sich tatsächlich impfen lassen, klafft weit auseinander. Jährlich lassen sich rund acht bis zehn Prozent eine Influenza-Impfung verabreichen. Während der letzten Grippewelle waren es gar nur sechs bis sieben Prozent. "Das ist eine Schande", mahnt Haditsch, dem zufolge die Durchimpfungsrate auf mehr als 50 Prozent gehoben werden sollte. Ein Grund dafür, dass die Akzeptanz der Grippeimpfung so gering ist, dürfte ihr im Vergleich zu anderen Impfungen relativ niedriger Effizienzgrad sein.

Wie gut wirkt die Grippeimpfung?

Eine Influenza-Impfung ist keine Garantie dafür, dass man nicht erkrankt. Zum Vergleich: Die FSME-Impfung schützt zu rund 99 Prozent, die gegen Hepatitis A zu nahezu 100 Prozent. "Das ist das, was die Bevölkerung unter einem guten Impfstoff versteht", erklärt Haditsch. Dagegen lag die Schutzrate der Grippeimpfung während der Saison 2016/17 bei gerade einmal 23 Prozent. Zu diesem Zeitpunkt stand der Vierfachimpfstoff noch nicht zur Verfügung, der immerhin zu knapp 70 Prozent schützt. Dass die Schutzrate dennoch nicht höher ist, hat allerdings seine Gründe.

Zum einen durchläuft das ursprüngliche Virus auf seinem Weg in das Serum eine Reihe an Prozessen, die zwangsläufig zu dessen Veränderung führen. Zum anderen unterliegt das Virus, das für die Herstellung des Impfstoffs herangezogen wurde, auch einer natürlichen Mutation. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Grippewelle ausbricht, hat sich folglich auch dieses verändert. Damit ist jenes Virus, das injiziert wird, nur mehr ein Abbild desjenigen, das später zirkuliert. Wenn überhaupt. Denn bereits mehrere Monate vor dem Ausbruch der Grippewelle muss darüber entschieden werden, welches Virus bzw. welche Stämme in das Serum aufgenommen werden. "In Anbetracht all dieser Aspekte ist schon eine Schutzrate von rund 50 Prozent beachtlich."

Was sollte man vor der Impfung beachten?

Liegt eine akute fieberhafte Erkrankung vor, sollte man sich nicht impfen lassen. "Die Impfung ist in dieser Phase zwar nicht gefährlich, schlägt unter Umständen aber nicht in dem Maß an, wie man es sich wünschen würde", erklärt Haditsch. So auch, wenn der Geimpfte an einer starken Abwehrschwäche leidet. Doch auch wenn sich der Effekt möglicherweise nicht erwartungsgemäß einstellt, empfiehlt der Experte in diesem Fall sehr wohl eine Impfung. Liegt eine Allergie gegen Hühnereiweiß vor, ist es ratsam, die Impfung unter stationären Bedingungen durchführen lassen.

»Die Liste der Gründe, sich nicht impfen zu lassen, ist sehr kurz«

Der Grund: Im Impfstoff können sich Spuren von Hühnereiweiß befinden. "Theoretisch ist dann eine allergische Reaktion möglich", erklärt der Experte. Die Faustregel lautet jedoch: "Wer Eier essen kann, kann auch geimpft werden." Zudem ist das Potenzial der Verunreinigung mit Hühnereiweiß so gering, dass die Gefahr eines allergischen Schocks minimal ist. "Die Liste der Gründe, sich nicht impfen zu lassen, ist sehr kurz", folgert Haditsch. Und "auf den Todimpfstoff verzichten muss eigentlich niemand". Das österreichische Impfgremium empfiehlt heuer übrigens sowohl Kindern als auch Erwachsenen den Vierfachimpfstoff.