Griechischer Beton nicht mehr zeitgemäß:
Gegen Russland mehr Offensive gefordert

Defensiv-Taktik Rehhagels gerät stärker in die Kritik Umstellung auf griechisches 4-3-3-System denkbar

Griechischer Beton nicht mehr zeitgemäß:
Gegen Russland mehr Offensive gefordert © Bild: Bild: Reuters/Ebenbichler

Trainer-Routinier Otto Rehhagel hat mit seiner optisch unattraktiven, extrem defensiven Taktik 2004 den Europameistertitel gewonnen und in der Qualifikation für die EURO 2008 die meisten Punkte aller Gruppensieger erreicht. Dennoch herrscht nach dem 0:2 gegen Schweden Katerstimmung beim Titelverteidiger aus Griechenland. Das Team Hellas steht gegen die blutjungen und offensiven Russen von Guus Hiddink mit dem Rücken zur Wand.

"Das Match am Samstag ist für uns extrem wichtig. Wie ein Finale. Das wissen alle im 23-Mann-Kader, und daher werden wir kämpfen und versuchen, die Fans glücklich zu machen", betonte Ersatz-Stürmer Dimitris Salpingidis von Panathinaikos Athen. Nur das Wie, das ist die große Frage. Gegen Schweden hat Otto Rehhagel tatsächlich wieder mit fünf Mann in der Abwehr gespielt und mit Dellas so etwas wie einen Libero hinter der Viererkette aufs Feld geschickt. Die Schweden, selbst nicht gerade in der Form ihres Lebens, haben sich aber nicht verwirren lassen und die statischen, mutlosen, unkreativen und in allen Bereichen unterlegenen Griechen im Auftaktspiel mit 2:0 abgefertigt.

Gegen Russland mit 4-3-3-System?
Was kann Rehhagel also tun? Schon in der Qualifikation hat er mit einem 4-3-3-System gespielt und Erfolg gehabt. Warum er zum EM-Auftakt wieder auf das als "Steinzeit-Fußball" kritisierte Defensiv-System gesetzt hat, bleibt sein Geheimnis. Ebenso wie seine Taktik gegen Russland, über die nur spekuliert werden kann. Es wird aber vermutet, dass er es diesmal mit einem 4-3-3-System probiert.

Vorsichtige Kritik an Rehhagels Defensiv-Taktik
Noch stehen die griechischen Fans, die meisten Medien und vor allem die Mannschaft hinter ihrem "König Rehakles". Aber einige Spieler, allen voran Eintracht-Frankfurt-Stürmer Ioannis Amanatidis, aber auch die älteren Spieler, wie Angelos Basinas, Traianos Dellas, Konstantinos Katsouranis und Georgios Karagounis - immerhin Europameister mit Rehhagel - haben den Trainer freundlich, aber doch zu mehr Offensive gedrängt. Aber der hält sich bedeckt und fordert Selbstvertrauen, Mut und Risikobereitschaft.

Die alten, jetzt pensionierten Europameister aus Griechenland formulieren ihre Kritik am "Nationalheiligen" Otto Rehhagel hingegen deutlicher: "Alle haben im Vorfeld gesagt, dass wir besser sind als 2004. Natürlich haben wir jetzt mehr Alternativen im Spiel nach vorne. Die Frage ist: Warum spielen wir nicht offensiver? Wenn wir das nicht machen, liegt das voll und ganz am Trainer", sagte Vassilios Tsiartas, der vor vier Jahren noch zu den EM-Helden gehörte und jetzt Ambitionen auf den Chefsessel beim griechischen Fußball-Verband (EPO) hat.

Ex-Bundesliga-Coach Lienen fordert mehr Offensive
Und der frühere Bundesliga-Coach Ewald Lienen, der jetzt bei Panionios Athen arbeitet und im Vorjahr trotz der erfolgreichen EM-Qualifikation unter Rehhagel in Griechenland zum Trainer des Jahres gewählt wurde, fordert ebenfalls eine offensivere Spielweise. "Ich denke, dass Otto Rehhagel gegen Schweden auf Nummer sicher gehen wollte und zu einer Aufstellung zurückgekehrt ist, die er zuletzt ganz selten hatte spielen lassen", meinte Lienen.

"Ich habe es als sehr unglücklich empfunden, Traianos Dellas wieder hinter der Abwehr einzusetzen. Dafür wurde ein Stürmer geopfert." Aber wenn Hellas wieder so spiele wie in der erfolgreichen Qualifikation - mit drei Spitzen - dann sei die Mannschaft auch gefährlich, so Lienen.

Laut Statistik Russland im Vorteil
Die Statistik jedenfalls spricht gegen den amtierenden, aber angeschlagenen Europameister. Bei der EURO 2004 in Portugal versetzte Russland den Griechen mit 2:1 die einzige Niederlage des Turniers. Griechenland ging zuletzt 1993, also vor 15 Jahren gegen die "Sbornaja" als Sieger vom Platz. Spannend wird das auch als "Spiel der Fußball-Philosophien" bezeichnete Match auf alle Fälle. Denn wer verliert, für den ist die EURO 2008 wohl bereits Geschichte.
(apa/red)

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