Schuldenkrise von

Griechenland: Verhandlungen
über Hilfen verzögern sich

Insider: Sicherheitsfragen müssen noch geklärt werden

Griechenland-Krise © Bild: REUTERS/Yiannis Kourtoglou

Die Verhandlungen über ein drittes Hilfspaket für das pleitebedrohte Griechenland verzögern sich. Zunächst müssten organisatorische Probleme und insbesondere Sicherheitsfragen geklärt werden, verlautete am Freitag aus der EU-Kommission. Weitere Details wurden zunächst nicht bekannt.

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In den Verhandlungen der Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds mit der griechischen Regierung geht es um weitere Kredite mit einem Volumen bis zu 86 Milliarden Euro. Viele Griechen betrachten Vertreter der sogenannten Troika aber mit Argwohn, weil diese oft für die Krise des Landes und die Sparpolitik verantwortlich gemacht werden.

Spannungen seit Jänner

So hatte im Mai der damalige Finanzminister Yanis Varoufakis beklagt, die "Konvois" mit Troika-Vertretern in Athen seien erniedrigend. Die Beziehungen zwischen Griechenland und den Gläubigern sind bereits seit Jänner stark gespannt, als die linksradikale Syriza-Partei von Alexis Tsipras die Wahl gewann.

Im Moment gibt es nur Gespräche über organisatorische Fragen. Griechische Regierungsvertreter hatten in dieser Woche erklärt, die Verhandlungen würden am Freitag beginnen. Ein Athener Regierungsvertreter sagte nun, die eigentlichen Verhandlungen könnten am Samstag starten. Eine Sprecherin der EU-Kommission erklärte lediglich, Vertreter der Gläubiger sowie des Rettungsschirmes ESM würden voraussichtlich in den kommenden Tagen nach Athen reisen.

Voraussetzung für den Start der Verhandlungen waren zwei Reformpakete, die das griechische Parlament beschlossen hat. Ein den Verhandlungen nahestehender Insider sagte aber, dass von Griechenland weitere Reformen gefordert würden, bevor Vertreter der Gläubiger nach Athen kommen könnten.

Griechenland beantragt neue IWF-Hilfen

Griechenland hat indes nach offiziellen Angaben neue Hilfen beim Internationalen Währungsfonds (IWF) beantragt. Dies geht aus einem am Freitag veröffentlichten Schreiben von Finanzminister Euklid Tsakalotos an IWF-Chefin Christine Lagarde hervor. Die griechische Regierung hatte immer wieder Vorbehalte zur Beteiligung des IWF an künftigen Hilfen geäußert. Am Freitagabend veröffentlichte das griechische Finanzministerium den Brief an den IWF. Darin beantragt Athen einen neuen dreijährigen Kredit, dessen Umfang nicht genannt wurde.

Zuvor hatte das deutsche "Handelsblatt" unter Berufung auf das Umfeld der Institutionen berichtet, die Athener Regierung habe den Währungsfonds lediglich eingeladen, mit über das neue Rettungsprogramm zu verhandeln. Das Hilfsprogramm des IWF läuft noch bis März 2016. Laut Beschluss des Euro-Gipfels von Mitte Juli musste das Land aber auch darüber hinaus Hilfen beim Währungsfonds beantragen.

Rasche Stützung für Banken gefordert

Nach der Wiedereröffnung griechischer Banken wird die Frage ihrer langfristigen Stützung immer dringlicher. Führende Notenbanker sprachen sich am Freitag für schnelle Kapitalhilfen an die angeschlagenen Institute aus. Geldhäuser von Thessaloniki bis Kreta sind in einer prekären Lage, da verunsicherte Bürger zuletzt ihre Konten leergeräumt haben.

Zudem wurden wegen des Wirtschaftseinbruchs immer Kredite faul. Unterdessen sollten am Freitag in Athen Detailverhandlungen über ein weiteres Hilfspaket für Griechenland beginnen. Es soll auch Milliarden-Summen für den Bankensektor enthalten. Bisher sind die Häuser noch stark von den Notfall-Hilfen der Athener Notenbank abhängig, die die Europäische Zentralbank (EZB) genehmigt.

Frankreichs Notenbank-Gouverneur und EZB-Ratsmitglied Christian Noyer plädiert für zügige Kapitalhilfen an die Hellas-Institute. Sie sollten Kapitalspritzen noch vor dem im Herbst geplanten Bilanzcheck der Europäischen Zentralbank (EZB) erhalten, sagte Noyer der Zeitung "Le Monde". Auch der Deutsche-Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret fordert eine rasche Stabilisierung der Geldhäuser. Für sie sollen in einem neuen Hilfspaket bis zu 25 Mrd. Euro bereitstehen, um Kosten für ihre Rekapitalisierung oder Abwicklung zu decken. "Über das Wie dieser Rekapitalisierung denkt die europäische Bankenaufsicht jetzt intensiv nach", sagte Dombret dem Magazin "Focus". Das sei ein wichtiger Schritt, der rasch getan werden sollte.

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