Griechenland von

7 Fragen zum Schuldenschnitt

Wie stark Österreich betroffen wäre und wie mögliche Alternativen aussehen würden

Griechenland Krise © Bild: REUTERS/Dado Ruvic

Mit dem klaren Nein der Griechen gegen die Sparauflagen der internationalen Gläubiger im Rücken fordert Regierungschef Alexis Tsipras nun umgehend Verhandlungen über die Schuldenlast und strebt nach bisherigen Angaben einen Schuldenerlass von 30 Prozent an. Dieser würde dieses Mal direkt die europäischen Steuerzahler treffen. Wir haben für Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zum griechischen Schuldenschnitt.

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1. Wie haben sich die griechischen Schulden entwickelt?

Griechenlands Schulden liegen inzwischen bei über 300 Mrd. Euro. Noch im Jahr 2008 betrug die Staatsverschuldung nach Angaben der Ratingagentur Standard & Poor's 109,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Für dieses Jahr rechnet S&P mit 177,7 Prozent der Wirtschaftsleistung. Grund für den Anstieg sind auch die massiven Hilfskredite der Euro-Partner.

2. Wie viel Geld haben die Euro-Staaten und Österreich Griechenland in der Krise bisher geliehen?

183,8 Mrd. Euro. Die Euro-Partner gewährten in einem ersten Hilfspaket 2010 bilateral Kredite von 52,9 Mrd. Euro, Österreich übernahm davon 1,56 Mrd. Euro. Im zweiten Hilfspaket von 2012 erfolgte die Hilfe über den Euro-Rettungsfonds EFSF, für den auch die Eurostaaten bürgen. Aus dem Fonds wurden bis zum Auslaufen des Hilfsprogramms Ende Juni 130,9 Mrd. Euro ausgezahlt. Österreich haftet für rund 3,9 Mrd. Euro.

3. Was umfasste der Schuldenschnitt von 2012?

Im März 2012 wurden Griechenland 53,5 Prozent der Schulden vor allem bei privaten Gläubigern wie Banken erlassen. Dies entsprach einer Verringerung um etwa 107 Mrd. Euro. Seitdem hat Athen Schulden vor allem gegenüber öffentlichen Geldgebern wie Staaten und internationalen Organisationen.

4. Wie sind die Euro-Länder Athen bei den Schulden bisher entgegengekommen?

Ende 2012 gestanden die Eurostaaten Athen auch deutlich bessere Kreditkonditionen zu. So wurden die Zinszahlungen auf das erste Paket deutlich gesenkt und dem Land beim zweiten Programm bis zum Jahr 2022 erlassen. Mit der Schuldenrückzahlung muss Athen beim ersten Programm zudem erst 2020 beginnen und beim zweiten Programm 2023. Gleichzeitig wurde die Laufzeit der Kredite um 15 auf durchschnittlich 30 Jahre angehoben. Letztlich hat Griechenland dadurch Milliarden gespart. Manche Experten sprechen deshalb von einem "verdeckten" Schuldenschnitt.

5. Braucht Griechenland einen weiteren Schuldenschnitt?

Die Regierung des Linkspolitikers Tsipras fordert das schon seit ihrem Amtsantritt im Jänner - stieß damit aber bei den Europartnern auf Ablehnung. Doch auch der Internationale Währungsfonds (IWF) zweifelt daran, dass Griechenland seine Schuldenlast tragen kann. Am Donnerstag erklärte der Fonds, ein Schuldenschnitt sei kaum zu vermeiden, wenn die Haushaltsziele wegen der verschlechterten Wirtschaftslage deutlich aufgeweicht werden müssten. Dann müssten die europäischen Geldgeber nach IWF-Einschätzung mehr als 53 Mrd. Euro abschreiben. Tsipras forderte am Freitag einen Schuldenerlass von 30 Prozent, das wären rund 55 Mrd. Euro.

6. Wie stark wäre Österreich betroffen?

Rechnet man beide Hilfsprogramme zusammen, ist Österreich mit 5,46 Mrd. Euro beteiligt. Nach dem IWF-Szenario und Tsipras' Plänen müsste Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) davon also rund eineinhalb Milliarden Euro abschreiben. Nicht berücksichtigt sind da Kredite der Europäischen Zentralbank (EZB), für die letzten Endes auch die Mitgliedsstaaten gerade stehen müssten. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" beliefe sich der ultimative Maximalverlust Österreichs auf 9,3 Mrd. Euro.

7. Gäbe es Alternativen zu einem Schuldenschnitt?

Möglich wäre eine "weitere Verlängerung der Laufzeiten und Absenkung beziehungsweise Stundung der Zinsen", wie der Volkswirt Nicolaus Heinen von der Deutschen Bank sagt. "Dies wäre politisch einfacher zu vermitteln." Auch der IWF schlägt vor, es zunächst mit einer weiteren Streckung der Rückzahlungsfristen zu versuchen: Nach diesem Vorschlag sollte Griechenland 20 Jahre lang gar nichts zurückzahlen und dann über 40 Jahre tilgen. Österreich und Co. bekämen ihr Geld damit erst im Jahr 2075 vollständig zurück.

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