"Grenzfälle" von

Die Grenzgänger

NEWS: Literaturstar Menasse und Naturmensch Messner treffen für Doku aufeinander

"Grenzfälle" - Die Grenzgänger © Bild: APA, Montage: NEWS.AT

Der eine erklomm ohne Zufuhr von Sauerstoff alle Achttausender, querte zu Fuß die Antarktis und die Wüste Gobi. Der andere, jüdisch-intellektueller Stadtmensch per se, wacht am Schreibtisch in der Wiener Dichterklause als oft quälendes Gewissen über sein Land. Nun trafen Reinhold Messner und Robert Menasse für einen Aufsehen versprechenden Dokumentarfilm aufeinander

„Grenzfälle“ – so der Titel des Projekts von Kurt Langbein – gelangt 2012 zum Kino- und TV-Einsatz. Der Schriftsteller Robert Menasse, 57, untersucht da das Leben und Leiden um und an Österreichs Grenzen: „Es geht um die zum Teil absurde, brutale, oft irrationale Geschichte von Grenzziehungen. Der Film wandert Grenzen ab und erzählt von Grenzgeschichten, Grenzfällen, Grenzgängen.“ Klar, dass er da auch den Südtiroler Reinhold Messner, 67, einlud. Auf dem Similaungletscher in den Dolomiten, wo Ötzi das Licht der Welt (wieder) erblickte, suchten Natur- und Kulturmensch Gemeinsames.

„Kaffeehausjud trifft Yeti.“
Ein Aufeinandertreffen Kulturmensch und Naturbursch? „Seltsame Frage“, antwortet Menasse in witziger Verärgerung. „Klingt wie Kaffeehausjud traf Yeti.“ In Wahrheit sei doch Messner der Kulturmensch: „Derjenige, der dort, wo menschliches Wirtschaften nicht mehr möglich ist, erst recht den Triumph der menschlichen Natur, des menschlichen Willens, der menschlichen Zivilisation demonstriert. Denn es gibt die Natur für uns nur als Kunstprodukt. Die Liebe zu den Bergen z. B. ist nicht natürlich. Berge sind unwirtlich, kalt, dünn, Berge verstellen die Aussicht, sie verhindern die Kommunikation. Im Grund sind Berge ein Skandal, ein Irrtum der Schöpfung.“

Bergkameraden?
Wie definiert Messner den Bergkameraden? „Menasse ist ein Schürfer, ein Mensch, der versucht, in die Tiefe zu gehen, ein Mensch, der sehr lange an Themen forscht, bis er sie in Worte fassen kann. Ein sehr ernster, sehr hintergründiger, genauer Arbeiter.“ Genauso sieht er sich selbst auch, zumal Schlamperei und mangelnde Konzentration auf dem Berg wie beim Verfertigen von Literatur letal enden können.

Extremgänge
Ist Schreiben tatsächlich ein halsbrecherischer Extremgang? „Das klänge natürlich gut, wenn ich jetzt sagen würde: Ja, einen Roman zu schreiben entspricht der Erstbesteigung eines Achttausenders … Aber man könnte auch sagen: Messner ist an Gipfeln interessiert, ich aber an Abgründen! Man muss die metaphorische Ebene nicht bis zur Lächerlichkeit ausreizen! Natürlich gehe ich an meine Grenzen. Wenn ich schreibe, versuche ich sie zu durchbrechen.“ Und: „Der Aufstieg, die Aussicht, der Abgrund, die Kluft, der gangbare Weg, der Gipfel – das sind am Berg nicht nur natürliche Gegebenheiten, sondern auch Symbole. Messners Ruhm kommt eben auch daher: dass er nicht nur seinen Rucksack, sondern eben auch alle diese zweiten Bedeutungen mitträgt. Ich habe es sehr genossen, hinter ihm zu gehen, zu sehen, wie bedächtig, konsequent und alert er Schritt um Schritt setzt – und ich habe gedacht: So möchte ich Roman schreiben können.

Die ganze Story lesen Sie in der neuen Ausgabe des NEWS-Magazins (Nr. 42 / 2011).