Greenspan rechnet mit Rezession in USA:
Weist Mitverantwortung an Debakel zurück

"Wir erleben die Geburtswehen einer Rezession" Notenbank erwartet Abschung der US-Wirtschaft

Greenspan rechnet mit Rezession in USA:
Weist Mitverantwortung an Debakel zurück © Bild: Reuters

Die USA stecken nach den Worten ihres langjährigen früheren Notenbankchefs Alan Greenspan in einer Rezession. "Die Verbraucher beginnen sich zurückzuhalten, der Automarkt schrumpft, die Produktion fängt an nachzulassen, und wir erleben die Geburtswehen einer Rezession", sagte Greenspan dem amerikanischen Fernsehsender CNBC. Wie schwer sie ausfallen werde, könne man noch nicht sagen. Die Wirtschaft werde sich erst wieder fangen, wenn der Immobilienmarkt sich erhole.

Greenspan fand damit deutlichere Worte als die amtierenden Spitzenleute der US-Notenbank Federal Reserve. Diese rechnen zwar mit einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr, vermieden aber das Wort Rezession. Ein "längerer und starker wirtschaftlicher Abschwung kann nicht ausgeschlossen werden", hieß es in dem am Dienstagabend veröffentlichten Protokoll der März-Sitzung des Offenmarktausschusses, der über den Leitzins entscheidet. Grund sei der erschwerte Zugang zu Krediten. Auch halte die Schwäche am Immobilienmarkt an.

Im allgemeinen wird von einer Rezession gesprochen, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge schrumpft. In den USA stellt das Wirtschaftsforschungsinstitut "National Bureau of Economic Research" (NBER) fest, ob eine Rezession vorliegt oder nicht.

Aulöser Immobilienkrise
Ausgelöst wurde der Abschwung in den USA von der Immobilienkrise. Banken vergaben im Vertrauen auf weiter steigende Häuserpreise in großem Stil Immobilienkredite an Kunden mit geringem Einkommen. Diese können die Raten nun nicht zurückzahlen, während gleichzeitig die Immobilienpreise in den Keller rauschten. Da die Kreditrisiken in Form von Verbriefungen an Banken in aller Welt weitergereicht wurde, trifft die Krise auch andere Volkswirtschaften. Der Internationale Währungsfonds (IWF) befürchtet einen Schaden von bis zu 945 Milliarden Dollar.

Keine Mitschuld am Debakel
Greenspan wies erneut jede Mitschuld an dem Debakel zurück. Er bedaure nichts. Es sei unfair, die Fed für die Blase am Immobilienmarkt mitverantwortlich zu machen. Kritiker werfen Greenspan vor, mit billigem Geld auch weniger solvente Amerikaner zum Häuserkauf verleitet zu haben. Die Notenbank hatte ihren Leitzins nach den Terroranschlägen von 2001 bis auf ein Prozent gesenkt, um so günstige Kredite für Konsumenten und Unternehmen zu ermöglichen und die Wirtschaft anzukurbeln.

Auch diesmal reagiert die Federal Reserve mit massiven Zinssenkungen auf die Konjunkturschwäche. Seit Mitte September wurde der Leitzins von 5,25 auf 2,25 Prozent gesenkt. An der Wall Street wird erwartet, dass die Notenbank ihren Leitzins noch weiter senkt. (apa/red)