Grazer Bürgermeister für Zwang: Bald "Pflichttherapie" für Drogensüchtige?

Substitol-Ersatz für Nagl nur "Übergangslösung" Momentan noch zu wenige Therapieplätze in Graz

Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl will eine "verpflichtende" Therapie für Drogensüchtige. Die Ersatzdroge Substitol solle nur mehr als "Übergangslösung" bis zum Freiwerden einer Therapiestelle dienen. Wer die Therapie nicht in Anspruch nehme oder abbreche, dürfe auch kein Substitol mehr bekommen.

Nagl hatte in einem ORF-Bericht noch von einer "Zwangstherapie" für Drogenabhängige gesprochen. Später relativierte er jedoch seine Aussage und sprach von einer "verpflichtenden" Therapie. Sowohl minderjährige als auch erwachsene Suchtgiftabhängige sollen zwar in ein Drogenersatzprogramm kommen, jedoch müssten sie "eine freie Therapiestelle auch annehmen und nicht jahrelang Substitol beziehen".

Jene, die eine Therapie verweigern oder diese mehrmals abbrächen, sollten seiner Meinung nach auch kein Substitol mehr erhalten, meinte der Grazer Bürgermeister. Momentan stünden zwar noch zu wenige Behandlungsplätze in Graz zur Verfügung, doch das wolle er ändern. Details zu seinem Vorschlag könne er erst nach der Ende November stattfindenden Anti-Drogen-Enquete bekannt geben.

Der steirische SPÖ-Jugendsprecher Hannes Schwarz reagierte auf Nagls Vorschlag mit Kritik: Eine Zwangstherapie löse nicht die Drogen-Problematik. Er bezeichnete die Forderung als "verfassungswidrig" und den Grundrechten widersprechend. Auch die Grazer KPÖ-Stadträtin Wilfriede Monogioudis ist gegen Zwangsmaßnahmen. Zwang bei Therapien bringe keinen Erfolg, mehr Personal und Geld zur Betreuung der Süchtigen wären zielführender, so die Stadträtin in einem Radiointerview. (APA/red)