Schock von

Graz nach Amokfahrt mit
drei Toten in Trauer

Tausende gedachten der Opfer der Wahnsinnstat am Abend mit Kerzen

Kerzen in Graz © Bild: APA/EPA/ELMAR GUBISCH

Graz steht nach der Amokfahrt von Samstagmittag, die drei Todesopfer gefordert hatte, weiter unter Schock. Mehrere Tausend Menschen folgten am Samstagabend dem Facebook-Aufruf eines Grazers, der zum "Kerzenmeer" aufgerufen hatte. Mit unzähligen Lichtern, die vor allem vor der Stadtpfarrkirche in der Herrengasse abgestellt wurden, drückten die Teilnehmer Trauer und Beileid aus. Unter ihnen waren auch Angehörige eines Opfers der Amokfahrt von Samstagmittag.

Der 28-jährige Adis war gegen Mittag zusammen mit seiner offenbar frisch angetrauten Frau in Graz spazieren und beide wurden vom Täter niedergefahren. Der Mann starb noch an der Unfallstelle, seine Frau liege im Koma: "So endet das junge Glück", sagte eine der Angehörigen zu Journalisten. Sie zeigten Hochzeitsfotos des jungen Paares, das erst vor zwei Wochen geheiratet habe.

Die meisten anderen Teilnehmer stellten sich schweigend um die Kerzen auf, bis die Herrengasse zu einem Gutteil gefüllt war. Die Straßenbahnen mussten daher zum zweiten Mal an diesem Tag ihre Fahrten unterbrechen und warten. Auch am Hauptplatz wurden Kerzen aufgestellt und den Opfern gedacht.

Kerzen in Graz
© APA/EPA/ELMAR GUBISCH Sechs Verletzte schweben weiter in Lebensgefahr

Für alle, die nicht selbst nach Graz kommen konnten, um vor Ort eine Kerze als Zeichen des Mitgefühls anzuzünden, hat die Stadt ein digitales Kondolenzbuch auf ihrer Website eingerichtet. In dieses hatten sich innerhalb von Minuten Hunderte Menschen mit ihren Trauerbekundungen eingetragen. Es ist unter www.graz.at zu finden. Die Hotline für Betroffene ist weiter unter der Nummer 14844 erreichbar.

Gedenkfeier in der Stadtpfarrkirche

Bereits vor dem Kerzenmeer war in der Stadtpfarrkirche in Graz eine Gedenkfeier abgehalten worden. Rund 500 Menschen waren der Einladung von Stadtpfarrpropst Christian Leibnitz gefolgt. Gekommen war auch die politische Landesspitze, der Grazer Bürgermeister und Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl. "Bleiben wir zusammen in unserer Stärke, lassen wir uns nicht so einschüchtern, dass der Zusammenhalt in unserem Land gestört wird", gab Probst Leibnitz den zur Gedenkfeier gekommenen Menschen mit.

In der Schmiedgasse vor der Polizeiinspektion wurde der Geländewagen des Täters bereits weggebracht. Auch in den umliegenden Gassen rückt das große Polizeiaufgebot ab. Neongrüne Markierungen der Polizei an jenen Stellen in der Herrengasse, am Hauptplatz und in der Schmiedgasse, wo Menschen verletzt bzw. getötet wurden, künden von der Erhebungen der Kriminalisten und der Spurensicherer. Überall in der Innenstadt stehen Menschen beisammen, oft einander Fremde, und sprechen über das Unfassbare.

Grazer Amokfahrzeug
© APA/Elmar Gubisch Der Wagen des Täters wurde bereits untersucht

Am Sparkasseneck des Rathauses am Hauptplatz und an allen anderen Ecken dieses zentralen Grazer Platzes haben Menschen Blumen und Kerzen niedergelegt, auch Stofftiere und Sonnenblumen - "als Symbol des Lebens", so eine Frau am Beginn der Schmiedgasse, die sich dann abwendet und ein Taschentuch hervorholt.

Wahnsinn begann um 12.15 Uhr

Laut Stadtpolizeikommandant Kurt Kemeter hatte die Amokfahrt am Samstag gegen 12.15 Uhr in der Zweiglgasse begonnen: "Er beschleunigte bis zur Kreuzung mit der Lagergasse, fuhr auf den Gehsteig und rammte zwei Personen, wobei eine davon getötet wurde." Anschließend fuhr der Täter Richtung Augartenbrücke und wollte auf Höhe der dortigen Synagoge einen weiteren Fußgänger anfahren. Die Person konnte sich aber hinter einer Säule in Sicherheit bringen und wurde nur leicht verletzt. Danach raste der Lenker weiter in die Grazbachgasse, wo ein Paar aus einem Geschäft nahe einer Grünanlage kam. Er hielt an, sprang aus dem Auto und attackierte beide mit einem Messer. Dabei wurde der Mann schwer, seinen Freundin leicht verletzt.

Nach dieser Attacke ging der Kraftfahrer zurück zu seinem Auto und fuhr weiter in der Grazbachgasse bis zur Schönaugasse. An der dortigen Fußgängerampel soll er zwei Radfahrer erfasst haben, sagte Kemeter. Dann setzte er seine Amokfahrt Richtung Dietrichsteinplatz fort, fuhr dann weiter bis in die Girardigasse und zum Eisernen Tor am Opernring. Er lenkte in die Herrengasse ein und fuhr diese "mit hohem Tempo" hindurch, erfasste dabei mehrere Personen, wobei zwei getötet wurden.

Rettung in Graz
© APA/Elmar Gubisch Vier Hubschrauber und Dutzende Ambulanzen waren im Einsatz

Zudem krachte der Lenker in einen Schanigarten, wo er acht Menschen verletzte. Nach der Fahrt in Richtung Murgasse, schwenkte er offenbar um und wählte die Route Richtung Schmiedgasse. Auf Höhe der Albrechtgasse kam es neuerlich zu einer Kollision mit Passanten, erklärte Kemeter. In der Schmiedgasse schließlich hielt der Täter nahe der Polizeiinspektion an und gestand eine "Auseinandersetzung mit einem Messer", er habe gesagt, er möchte sich stellen.

Kein extremistischer Hintergrund

Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen 26-jähriger Kraftfahrer mit österreichischer Staatsbürgerschaft und "bosnischem Bezug" aus dem Bezirk Graz-Umgebung, der bereits zuvor "als gewaltbereit in Erscheinung getreten" sei, sagte Landespolizeidirektor Josef Klamminger bei einer Pressekonferenz am späten Nachmittag. Der Mann ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er wurde nach häuslicher Gewalt am 28. Mai von seinem Wohnsitz weggewiesen.

Blumen in Graz
© APA/Elmar Gubisch Bereits unmittelbar nach der Tat legten die Menschen in der Herrengasse erste Blumen nieder

Die Opfer dürfte der Mann alle nicht gekannt haben. Laut Polizei wurden bisher politische, religiöse oder extremistische Motive aufgrund seiner Vorgeschichte ausgeschlossen. Es handelte sich um einen Einzeltäter, wobei nun ein psychologisches Gutachten eingeholt werde, sagte Klamminger.

Ablauf der Grazer Amokfahrt
© APA/Martin Hirsch

Kommentare

Rastislav Reznicky

Hat er zuviel GTA gespielt?

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