Grauenhafter Fund in Mumbai: Terroristen
hinterlassen 74 Tote in gestürmten Hotels

Zwei Terroristen werden bei Polizeieinsätzen getötet Wurden Anschläge in Pakistan geplant? <b>PLUS: Bilder</b>

Grauenhafter Fund in Mumbai: Terroristen
hinterlassen 74 Tote in gestürmten Hotels © Bild: AP/Qadri

Indische Sicherheitskräfte haben das zuvor von Islamisten besetzte Hotel "Oberoi Trident" in Mumbai gesichert. Nach der Erstürmung des Luxushotels entdeckten die Sicherheitskräfte dort 24 Leichen, wie der Polizeichef Hassan Gafoor berichtete. Zusammen mit den im Hotel Taj Mahal vorgefundenen Opfern beläuft sich die Anzahl der von den Terroristen Ermordeten auf insgesamt 74. Bei der Kommandoaktion seien zumindest zwei Terroristen getötet worden. "Wir glauben, dass dort keine weiteren Terroristen sind.", sagte Gafoor.

Im Taj Mahal-Luxushotel wurden 50 Leichen entdeckt: Allein in einem Raum seien zwölf bis 15 Tote gelegen. Bei den Kommandoaktionen fanden indische Sicherheitskräfte Geld, Munition und auch einen Personalausweis aus Mauritius. Man gehe davon aus, dass er einem der Terroristen gehöre, sagte der Einsatzleiter. Bereits am Morgen waren mehr als 90 Menschen aus dem Luxushotel befreit worden, die meisten von ihnen Ausländer. Unter den Befreiten waren auch sieben Mitarbeiter der Lufthansa sowie zwei Mitarbeiter des deutschen Außenministeriums. Bewaffnete Angreifer hatten das Hotel mit zahlreichen Gästen bei der Angriffsserie in Mumbai gestürmt.

"Dinge zum Abschluss bringen"
Aus dem jüdischen Gemeindezentrum im "Nariman"-Gebäude wurden nach Angaben der israelischen Generalkonsulin Orna Sagiv bei einem Einsatz keine jüdischen Geiseln befreit. Dort seilten sich im Morgengrauen rund 100 Spezialkräfte aus Hubschraubern ab und gingen in Stellung. Die Sicherheitskräfte seien angewiesen, langsam vorzugehen, um Opfer zu vermeiden. Medienberichte, dass es vor kurzem zu neuen Schießereien im Bereich des Hauptbahnhofes von Mumbai gekommen sei, dementierten die indischen Staatsbahnen.

Pakistaner unter festgenommenen Terroristen
Die Nachrichtenagentur PTI meldete unter Berufung auf offizielle Quellen, drei Terroristen seien in der Nacht im "Taj"-Hotel festgenommen worden, darunter auch ein Pakistaner. Die Extremisten hätten angegeben, der berüchtigten muslimischen Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba (Armee der Reinen) anzugehören. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Ein Sprecher von Lashkar-e-Toiba wies nach indischen Medienberichten jede Beteiligung zurück. Nach Überzeugung der indischen Sicherheitskräfte operiert Lashkar-e-Toiba von Pakistan aus. Die Terrorgruppe ist für zahlreiche Anschläge in Indien in den vergangenen Jahren verantwortlich gemacht worden.

Offizielle Opferzahl liegt bei 130
Ein Polizeisprecher sagte, die offizielle Zahl der Todesopfer in Mumbai liege weiterhin bei 130. Die Zahl der Verletzten bezifferte er mit 252. Ursprünglich war von mehr als 320 Verletzten die Rede gewesen. Die Terroristen hatten zehn Ziele in Mumbai mit Schnellfeuergewehren und Handgranaten angegriffen. Unter den Toten ist auch mindestens ein Deutscher. Zu den Anschlägen hatte sich die bisher nicht in Erscheinung getretene muslimische Gruppe Deccan Mujaheddin bekannt.

Beziehungen zwischen Indien und Pakistan belastet
Unterdessen belastet die Situation auch die diplomatischen indisch-pakistanischen Beziehungen. Der pakistanische Verteidigungsminister Ahmed Mukhtar sagte in Islamabad, Pakistan sollte "nicht wie in der Vergangenheit" für Anschläge in Indien verantwortlich gemacht werden. Der indische Ministerpräsident Manmohan Singh hatte zwar keine direkten Vorwürfe gegen Pakistan erhoben, wohl aber erklärt, die Angriffe seien von militanten Extremisten außerhalb Indiens vorbereitet worden. Auch der indische Außenminister Pranab Mukherjee hielt an der Einschätzung fest, dass die Terroristen aus Pakistan gekommen seien. Islamabad solle seine Bemühungen verstärken, die Terror-Zellen im Land zu bekämpfen

Österreicher in Mumbai
Seit über 36 Stunden sitzt der Österreicher Herbert Koschir in Mumbai in unmittelbarer Nähe des Luxushotels Oberoi Trident fest. Wie der Vertreter der Austrian Airlines (AUA) in einem Telefonat mit dem Ö1-Morgenjournal erklärte, harre er seit dem Beginn der Terroranschläge in seiner Wohnung aus, die in Sichtweite zum Hotel liege. Er könne Scharfschützen auf dem Dach des Hotels sehen, es fielen immer wieder Schüsse. Er selbst sei unversehrt, wolle es aber zurzeit nicht riskieren, die Wohnung zu verlassen.

Während die Lage um die Orte der Terroranschläge in der Millionenmetropole weiter brisant sei, gehe das Leben im restlichen Mumbai aber unvermindert, wenngleich ruhiger weiter, berichtete Koschir. Aus Telefonaten habe er erfahren, dass das öffentliche Leben in der Stadt nach wie vor aufrecht sei.
(apa/red)