Grasser will kein "Lebenskünstler" sein: Auftritte in den Klatschspalten belasten nur

Haider trotz aller Differenzen "politischer Ziehvater" In jungen Jahren "politisch immer desinteressiert"

Grasser will kein "Lebenskünstler" sein: Auftritte in den Klatschspalten belasten nur

Der ehemalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser sieht sich nicht als "Lebenskünstler", dennoch war er bei Helmut Zilks gleichnamiger Sendung zu Gast. Dort verriet er, dass er eine "glückliche Kindheit" gehabt hatte, keinerlei Sehnsucht nach der Politik mehr hat und dass er trotz aller Differenzen in Jörg Haider einen seiner politischen Ziehväter sieht. Seine oftmaligen Auftritte in den Klatschspalten gemeinsam mit seiner Frau Fiona seien eher eine Belastung, versicherte Grasser.

Zilk, der am 9. Juni seinen 80. Geburtstag feiert, lud den knapp 42 Jahre jüngeren Grasser in seine 50. Sendung ein. Der Grund dafür: Dieser habe in seinen 38 Jahren "so viel hinter sich, wie andere in einem ganzen Leben", meinte der Alt-Bürgermeister.

Gefragt, wie er denn angesprochen werden wolle, gab sich Grasser etwas ratlos: Das Du-Wort dürfe er ja nicht anbieten, "da ich der Jüngere bin". Bei so viel Charme konnte Zilk dann nicht anders und bot seinem Gegenüber an, ihn doch "Helmut" zu nennen, was Grasser freudig annahm.

Bisher habe er sich mit dem Begriff "Lebenskünstler" nicht so recht identifizieren können, sagte der Minister a.D., aber mit Zilks Definition könne er leben. Er habe jedenfalls eine "geniale" Kindheit gehabt. Entgegen der landläufigen Meinung sei er aber keinesfalls in ein reiches Elternhaus hineingeboren worden. Seine Eltern hätten sich alles selbst geschaffen, sagte er. Das elterliche Autohaus sei mittlerweile verpachtet, da es weder er noch sein 44-jähriger Bruder - der derzeit in Linz u.a. Theologie studiert - übernehmen wollten.

Früher "politisch desinteressiert"
Ursprünglich sei geplant gewesen, dass er selbst ins Unternehmen einsteigt. Daher habe er auch Angewandte Betriebswirtschaft studiert, später sei durch den Wechsel in die Politik aber alles anders gekommen. Dieser sei jedenfalls nicht abzusehen gewesen: "Ich war politisch völlig desinteressiert, habe die Zeitung immer von hinten gelesen", verriet Grasser.

Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider sei bei seiner Sponsion auf ihn aufmerksam geworden, bei der er eine Rede gehalten habe. Man könne Haider trotz aller Differenzen als einen seiner politischen Ziehväter bezeichnen, auch wenn man sich später "auseinander gelebt" habe. Der Kärntner Landeshauptmann sei für ihn jedenfalls neben den Ex-Kanzlern Bruno Kreisky und Wolfgang Schüssel "eines der großen politischen Talente der vergangenen Jahre".

Großes Vorbild Frank Stronach
In der Privatwirtschaft bewundert er seinen Ex-Arbeitgeber Frank Stronach, v.a. für dessen Schaffung "vieler Arbeitsplätze". Die Rückkehr in die Politik im Jahr 2000 habe er nie bereut, denn: "Ich habe immer eine Allianz mit der Bevölkerung gespürt". Dass er oft als neoliberal hingestellt worden sei, stört Grasser wenig. Es sei darum gegangen, Österreich "wettbewerbsfähiger" zu machen. Das politische Geschäft vermisst er seit seinem Ausstieg "keine Sekunde". Nach sieben Jahren sei es Zeit, in die Privatwirtschaft zurückzukehren.

Angesprochen auf die Liebe gab sich der Ex-Minister eher wortkarg. Nach einer frühen Ehe und mehreren Beziehungen habe er letztendlich "Fiona kennen gelernt". Die Omnipräsenz in den Medien sei ihm gar nicht so recht, versicherte Grasser.

Zum Schluss durfte sich der Ex-Minister noch über ein Geschenk freuen, Zilk überreichte seinem Gast eine Flasche Rotwein und ein Karl May-Buch: "Der Schatz im Silbersee". Der Alt-Bürgermeister gab dem leger mit offenen Hemdkragen erschienenen Grasser auch noch eine Bitte mit auf den Weg: "Das nächste Mal mit Krawatte." Und auch einen "väterlichen Rat" hatte er parat: "Mach' keine Homepages mehr".

(apa/red)