Granatenmord auf Wiener Höhenstraße: Verurteilter will Prozess jetzt neu aufrollen

40-Jähriger streitet schuld an Tod von Sekretärin ab Anwalt sieht "viele Ungereimtheiten" in Gerichtsakt

Der spektakuläre "Granatenmord" auf der Wiener Höhenstraße soll nach dem Willen des 40-Jährigen Täters neu aufgerollt werden: Der Mann ist seit dem Erstprozess im Oktober 2005 zwar von allen Instanzen schuldig gesprochen worden, streitet aber nach wie vor ab, seine Sekretärin mit einer aus einer Handgrante gebastelten Sprengfalle getötet zu haben.

Beschäftigt mit der Causa hat der 40-Jährige Unternehmer aus dem Raum Wien den Linzer Rechtsanwalt Christian Hadeyer, der laut "Standard" "viele Ungereimtheiten" in dem Gerichtsakt sieht. Der Unternehmer selbst hat unter anderem Zweifel an der Unbefangenheit des Gutachters, der festgestellt hatte, dass eine aus einer Handgranate gebauten Sprengfalle benutzt worden war, um die Sekretärin zu töten. Der Waffentechniker wohne laut Gerichtssachverständigenliste im gleichen Haus wie der Gatte der getöteten Frau. Außerdem stamme die verwendete Handgranate nicht von ihm, behauptet der Mann. Voraussetzung für einen neuen Prozess ist laut Justizministerium, dass es neue Beweismittel gebe, die eine Strafminderung oder einen Freispruch möglich erscheinen ließen.

Der Mordfall war Aufsehen erregend: Der Verurteilte hatte sich zunächst gegenüber einem Journalisten als Waffenschieber ausgegeben, der sein Depot den Behörden übergeben wolle. Nach einer ersten Übergabe an Beamte des Bundesamtes für Verfassungsschutz im Wienerwald folgte ein zweites Treffen. Dabei kam es zu einer Explosion durch eine Handgranate, die der Sekretärin des Unternehmers das Leben kostete. Die Gerichte nahmen es als erwiesen an, dass der hochverschuldete Betreiber einer Schuldnerberatung seiner Sekretärin eine Sprengfalle gestellt hatte, nachdem ihm diese ihr Haus und eine Lebensversicherung überschrieben hatte. (apa/red)