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Unser Mann bei den Grammys

Musik - Unser Mann bei den Grammys © Bild: Privat

Der Wiener Jakob Rabitsch hofft Sonntagnacht auf einen Gewinn bei den Grammys. Seine Arbeit mit dem Rapper 6lack ist als bestes Urban-Contemporary-Album nominiert

Wenn Late-Night-Talker James Corden in New Yorks Madison Square Garden in der Nacht auf Montag Amerikas erfolgreichste Musiker zur Award-Show begrüßt: ist ein Österreicher mit dabei, der die Hoffnung auf einen Grammy-Gewinn mit ihnen teilt. Wie Ed Sheeran, Bruno Mars, Kendrik Lamar oder Favorit Jay Z könnte Jakob Rabitsch am Ende des Abends über einen Grammy jubeln. Der Musiker, Produzent und Komponist arbeitete mit dem Rapper 6lack an dessen Album "Free 6lack", das in der Kategorie "Bestes Urban-Contemporary-Album" für Amerikas wichtigsten Musikpreis nominiert ist. Gelingt ein Sieg gegen die starke Konkurrenz wie Khalid oder The Weeknd, wäre Rabitsch der erst fünfte Österreicher, der in die Nähe eines Grammy-Gewinns kommt. Bislang gewannen -als Einzelpersonen -nur Herbert von Karajan, Joe Zawinul, Peter Rauhofer und Stefan Sagmeister die Trophäe.

Eine Woche vor dem großen Abend ist Jakob Rabitsch die Ruhe selbst. Die Bekanntgabe der Nominierungen Ende November habe er gar nicht so richtig mitverfolgt, erzählt er. Zufällig habe er von der Sache erfahren. "Nach dem Aufstehen in der Früh habe ich meinen Instagram-Account gecheckt, und dort waren Posts von anderen Produzenten, die am Album gearbeitet haben: ,Die Grammy-Nominierungen sind da! Free 6lack ist nominiert!' Ich habe eine Zeit gebraucht, zu realisieren, dass das kein Traum ist", sagt er. Durchaus nachvollziehbar für einen 25-jährigen Musiker aus Wien-Ottakring, selbst wenn der Vater der erfolgreiche Produzent und Ex-Falco-Bandleader Thomas Rabitsch ist.

Das richtige Timing

Geplant oder als Ziel verfolgt war nichts an diesem außergewöhnlichen Erfolg. Eher vom Schicksal gewollt erscheint Rabitschs Weg zur Grammy-Verleihung. "Es fühlt sich so an, als wäre ich oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen", beschreibt er es selbst. Und er erkannte, was falsch für ihn wäre -ein Jazzklavierstudium etwa, das er durchaus eine Zeitlang nach der Oberstufe am Musikgymnasium Neustiftgasse absolvieren wollte. "Mit je mehr Leuten ich gesprochen habe, desto unsicherer bin ich geworden, weil ich mich nicht als Purist verstehe. Ich konnte immer neben Jazz und Klassik -auch durch das Vorbild meines Vaters -auch Popmusik schätzen, während viele Jazzmusiker dagegen eine Abneigung haben. Mir war immer wichtig, alle Genres zu respektieren", erinnert er sich an die Gedanken, die er sich mit 17,18 Jahren über die berufliche Zukunft machte. Den Berufswunsch Musiker hat er nie hinterfragt. Der war klar. "Weniger klar war, in welche Richtung das gehen wird: produzieren, komponieren, spielen? In gewissem Sinn ist es noch immer nicht klar", erklärt Rabitsch sein Selbstverständnis im Beruf.

Hauptberuflich ist er heute Creative Director bei Butter Music +Sound, wo er als Komponist für Werbemusik schon Spots für Hyundai, Cartier oder Hyatt musikalisch bestückte. Anfangs arbeitete er für die Firma in Los Angeles, war aktuell ein Jahr in Berlin, um die Dependance dort zu eröffnen, nun wechselt er wieder nach Los Angeles. Daneben arbeitet er als Musiker und Produzent mit Bands und ist gerade dabei, sein Solodebüt unter dem Namen Yakob auf den Weg zu bringen.

Als Sohn eines Musikers und Produzenten aufzuwachsen, habe ihm vor allem geholfen, seinen Weg nicht zu hinterfragen, sagt Rabitsch. Während Mitschüler oft gefragt worden seien, was sie denn "wirklich" werden wollten, weil ihr Umfeld "Musiker" nicht als Beruf ernst nahm, hatte er den Luxus, dass ihm der Beruf als machbar vorgelebt wurde. "Ich habe mich nie nach einem anderen Job umgesehen", sagt er.

Die größte Weichenstellung erfolgte, als Rabitsch mit 18 von einem fünfwöchigen Sommerprogramm des Berklee College of Music in Boston erfuhr. Quincy Jones, Al Di Meola, Melissa Etheridge oder Diana Krall zählen zu den Absolventen. "Dort wird Musik in einer Vielfalt gelehrt, die mich sofort fasziniert hat. Es gibt Ensembles für Metal, Reggae, Jazz, ein Beatles-Ensemble, genau, wie es meinem Musikverständnis entspricht", erzählt er. Er bewarb sich, bekam ein Stipendium für den Sommerkurs und absolvierte auch sein Studium dort. Zur Aufnahmeprüfung habe er überredet werden müssen, erzählt er. "Ich wollte nicht mitmachen, weil ich gedacht habe, die anderen sind alle so gut." Ähnlich selbstkritisch ist Rabitsch, wenn er meint, mehr Druck von den Eltern punkto Klavierüben hätte schon den Vorteil gehabt, dass er heute als Musiker noch besser sein könnte.

Nur kein Druck

Fragt man Anja und Thomas Rabitsch, was sie als Eltern richtig gemacht haben, meinen sie: "Wir haben schon von klein an vermittelt, dass Arbeit und Beruf etwas mit Freude, Lust und eben Kreativität zu tun haben sollte und dass ein klassischer Nineto-five-Job nicht die einzige Option im Leben sein muss. Wenn man für etwas leidenschaftlich brennt und davon besessen ist, dann fühlt sich Arbeit nie als Arbeit im Sinne von bloßer Pflichterfüllung an, sondern fordert dich ständig heraus. Das haben wir versucht, vorzuleben."

Frei von Druck konnte eine Leidenschaft für Musik wachsen, die den Weg von Rabitsch jr. ebnete. "Durch meinen Vater habe ich diesen Beruf immer als Leidenschaft begriffen. Ich habe oft am Wochenende mehr Arbeit als unter der Woche, weil ich dann meine Projekte abseits der Werbung weitertreibe. Es ist kein normaler Job. Musik machen muss mit Freude verbunden sein", sagt er.

So sagte er auch spontan zu, als ihn ein Freund aus Berklee anrief und fragte, ob er am nächsten Tag Zeit hätte, eine Keyboard-Aufnahme einzuspielen. Damals lebte Rabitsch in Los Angeles, wohin er nach dem Studium gezogen war und wo er als Komponist für Werbemusik arbeitete. Die Keyboard-Aufnahme war für 6lack und sollte nicht die einzige bleiben. "Oft habe ich Keyboard gespielt, improvisiert und bin später draufgekommen, dass die Aufnahmen als Basis von Songs, etwa ,Worst Luck', benutzt worden sind", erzählt er über das Grammy-nominierte Werk. Es sind Dinge, wie sie nur in Los Angeles passieren, wo alle fieberhaft Musik machen, nicht aufgeben und eine angenehme Art von Druck entsteht, wie Rabitsch meint. "Es gibt dieses Sprichwort:,Luck is preparation meets opportunity' - man muss sich vorbereiten und arbeiten und die Chance ergreifen, wenn sie kommt", erklärt er sein Erfolgsgeheimnis.

Seinen 26. Geburtstag feiert Rabitsch in diesen Tagen über den Wolken, auf dem Weg nach New York. Ob ein Grammy-Gewinn am Gabentisch liegt, wird sich gute dreißig Stunden später zeigen.