Gräben, Barrieren und Zäune: US-Armee will 5,7 Mio-Stadt Bagdad komplett abriegeln

Auch verstärkte Kontrollen sollen Anschläge stoppen Armee gibt sich mit Wiederaufbau des Irak zufrieden

Angesichts anhaltender Gewalt mit immer neuen blutigen Anschlägen wollen die US-Armee und die irakischen Sicherheitskräfte einen Sperrgürtel um die Hauptstadt Bagdad ziehen. Dazu werde um die Stadt mit ihren mehr als 5,7 Millionen Einwohnern ein Ring gezogen, der je nach örtlicher Gegebenheit aus Gräben, Barrieren, Zäunen oder verstärkten Kontrollposten bestehen soll, berichteten die US-Tageszeitungen unter Berufung auf Armeesprecher Barry Johnson.

Die US-Armee dementierte zugleich Angaben des irakischen Innenministeriums, wonach ein mit Wasser gefüllter und Stacheldraht gesicherter Graben das gesamte Stadtgebiet einschließen solle. Die Abriegelung der Millionenstadt ist nach Angaben der US-Armee das ambitionierteste Sicherheitsvorhaben seit Beginn des Irak-Krieges vor dreieinhalb Jahren. Damit solle verhindert werden, dass Milizen, Todesschwadronen, Aufständische und Terroristen Waffen, Sprengstoff sowie Selbstmordattentäter in die Stadt schmuggeln.

Die US-Armee sieht in der Gewalt zwischen den beiden großen Religionsgruppen, den Schiiten und Sunniten, die größte Gefahr für die Zukunft des Iraks. Die so genannte Schlacht um Bagdad soll verhindern, dass das Land in einen Bürgerkrieg wie seinerzeit der Libanon versinkt. Die USA haben deshalb ihre Truppenstärke im Irak wieder auf 147.000 Soldaten erhöht.

Militärsprecher Johnson sagte nach Angaben der "Washington Post", das US-Militär wisse, dass die für die Gewalt Verantwortlichen immer wieder zwischen Bagdad und dem Umland pendelten. Die Absicht, die hinter der Abriegelungsmaßnahme stehe, sei es, die Sicherheitslage in Bagdad in den Griff zu bekommen. Die Straßensperren sollten wie auch das übrige Gelände von irakischen Sicherheitskräften kontrolliert werden. US-Truppen sollten die Iraker bei ihrer Aufgabe unterstützen, betonte Johnson.

Wie die "New York Times" schrieb, soll der Verkehr durch insgesamt 28 Kontrollpunkte geleitet werden. Kleinere Straßen würden geschlossen. Die Hindernisse wie Gräben sollten potenziellen Attentätern den Zugang zur Stadt mit Autos über landwirtschaftliche Flächen und offenes Gelände unmöglich machen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf den Sprecher des Innenministeriums, Brigadegeneral Abdul Karim Chalaf.

Aus Sicht von Anti-Terror-Experten habe die US-Armee den ersten wichtigen Schritt übersprungen, schrieb die "Washington Post". Dies sei eine Volkszählung, die Ausgabe von Ausweisen und die Pflicht aller Bürger, den Ausweis ständig bei sich zu tragen.

Nach Angaben des Sprechers der US-Streitkräfte im Irak, William Caldwell, ist die Gewalt zwischen den Religionsgruppen der Schiiten und Sunniten in Bagdad seit Beginn der Sicherheitsoperation "Gemeinsam vorwärts" Ende August zurückgegangen. Dennoch liege die Zahl von gewaltsamen Zwischenfällen noch über dem Niveau vor dem Anschlag auf die Goldene Moschee in Samarra. Diese Moschee ist eines der Heiligtümer der Muslime schiitischer Glaubensrichtung. Zuletzt wurden nach Polizeiangaben bei drei verschiedenen Anschlägen in Bagdad zwei Menschen getötet und 23 weitere verletzt.

Caldwell zog auch eine positive Bilanz des Wiederaufbaus im Irak. Danach sind 2800 der 3800 Projekte abgeschlossen worden. Weitere 600 hätten die US-Streitkräfte bereits in Angriff genommen.

(apa/red)