Gottes Strafe für Dealer: Papst Benedikt mahnt Drogenhändler bei Besuch in Brasilien

Kirchenoberhaupt in Zentrum für Drogenabhängige Papst beklagt "schwierige Zeiten für die Kirche"

Gottes Strafe für Dealer: Papst Benedikt mahnt Drogenhändler bei Besuch in Brasilien

Papst Benedikt XVI. hat beim Besuch eines Zentrums für junge Drogenabhängige in Brasilien den hohen Rauschgiftkonsum in Lateinamerika angeprangert. Die Drogenhändler müssten sich des großen Leids bewusst werden, das sie über unzählige Menschen brächten, sagte Benedikt in der von einem deutschen Franziskanerpater gegründeten "Fazenda de Esperanca" (Farm der Hoffnung).

"Ihr musst vor Gott Rechenschaft für Eure Taten ablegen", mahnte der Papst die Drogenhändler. Die menschliche Würde dürfe nicht mit Füßen getreten werden, sagte er vor rund 6.000 Gläubigen. Brasilien ist nach US-Angaben nach den Vereinigten Staaten das Land mit dem höchsten Kokain-Konsum. In den Großstädten gibt es enorme Probleme mit Drogenkriminalität. In Rio de Janeiro kommt es fast täglich zu tödlichen Schießereien in den Armenvierteln.

In dem Hilfszentrum in Guaratinguetá schaffen es nach eigenen Angaben 80 Prozent der Jugendlichen, mit einer radikalen Änderung ihres Lebensstils von ihrer Abhängigkeit loszukommen. Sie melken dort Kühe, pflegen Obstgärten und arbeiten als Imker. Die dort lebenden Drogenabhängigen begrüßten den Besuch des Papstes. "Wir sind von der Gesellschaft ausgeschlossen", sagte der 19 Jahre alte Diego Cleto, der im Alter von 13 Jahren mit dem Rauschgiftkonsum begann. "Aber wir sind die, die der Papst sehen will."

Die Einrichtung wurde 1983 vom deutschen Franziskaner-Mönch Hans Stapel ins Leben gerufen. Inzwischen gibt es landesweit 31 ähnliche Zentren, weitere zehn in Ländern wie Russland, Mexiko und Mosambik arbeiten nach ähnlichen Grundsätzen. Guaratinguetá liegt nahe der Stadt Aparecida, wo Benedikt am Sonntag eine Konferenz von Bischöfen aus Lateinamerika und der Karibik eröffnet. Dort soll nach Wegen gesucht werden, dem schwindenden Einfluss der katholischen Kirche in der Region entgegenzuwirken.

Schwierige Zeiten für die Kirche
Benedikt traf zuvor von Sao Paulo kommend in dem Wallfahrtsort Aparecida ein. Er beklagte "schwierige Zeiten für die Kirche" in Brasilien und aggressive Missionstätigkeit protestantisch-evangelikaler Freikirchen. Bezeichneten sich 1980 noch 89 Prozent der Brasilianer als Katholiken, so waren es 2000 nur mehr 74 Prozent. Im gleichen Zeitraum wuchs die Anteil derer, die sich als evangelikale Protestanten bezeichnen, von 7 auf 15 Prozent.

Der Papst hatte vor hunderttausenden Gläubigen in Sao Paulo den Medien die Förderung sexueller Unmoral vorgeworfen. Bei der Heiligsprechung eines brasilianischen Franziskaner-Mönchs rief Benedikt die Katholiken auf, sich den "Elementen der Medien zu widersetzen, die die Heiligkeit der Ehe und die Keuschheit vor der Heirat verhöhnen".

(apa/red)