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Wie mächtig ist Google wirklich?

Die Suchmaschine entscheidet über Unternehmenserfolge, Wahlen und Frisurentrends

Fakten - Wie mächtig ist Google wirklich? © Bild: Ralph Orlowksi/Getty Images

Googles ständig wechselnde Suchalgorithmen entscheiden darüber, wie wir die Welt wahrnehmen. Der Suchmaschinen-Riese kann Unternehmen zum Durchbruch verhelfen oder sie zu Fall bringen, Wahlergebnisse beeinflussen, Personen das Leben schwer machen und kulturelle Trends setzen. Doch kann der Konzern die Algorithmen überhaupt selbst kontrollieren?

Mit einem Marktanteil von über 90 Prozent kontrolliert Google das Suchmaschinengeschäft wie kein anderes Internetunternehmen seine Sparte. "Googeln" ist längst ein geläufiger Begriff und Synonym für die Internetsuche überhaupt. Gerade als "Tor zum Netz" trägt der Konzern aber auch eine besondere Verantwortung. Seine geheimen und oft wechselnden Algorithmen entscheiden darüber, was wir von der Welt mitbekommen. Hat Google also zu viel Macht?

In einem Beitrag für Radio 4 analysierte die BBC Googles Macht in ganz unterschiedlichen Gebieten. Wie entscheidend die Suchergebnisse für Unternehmen sein können, zeigte der Sender am Beispiel der Suche nach "trout fly" (ein spezieller Angelhaken zum Fliegenfischen). Im Jahr 2013 trieb Google den britischen Angelausstatter "Essential Fly" fast in den Ruin, als nach einer Veränderung im Algorithmus dessen Website bei diesem und ähnlichen Suchbegriffen nicht mehr auf der ersten Seite auftauchte.

Google "ändert einfach so die Regeln"

Heute ist der Shop wieder besser gelistet, das Geschäft hat sich erholt. Google ändert seine Algorithmen tatsächlich bis zu tausend Mal im Jahr. Andy Kitchener, Eigentümer des Anglershops, sei aber nach wie vor wütend, so die BBC: "Es ist furchterregend. Da mischt jemand in deinem Geschäft mit, den du nicht kennst, der seine eigenen Forderungen stellt und einfach so die Regeln ändert – es ist eine Achterbahn". Google versucht durch die vielen Änderungen, speziell für ein besseres Ranking designte Spam-Seiten rauszuwerfen.

Wie Google seine Macht nutzt, sieht man auch bei der Suche nach Restaurants oder Hotels in einer bestimmten Stadt. Dann wird, noch vor den eigentlichen Suchergebnissen, eine Karte des Gebiets gezeigt, auf der einzelne Anbieter verzeichnet sind. Welche das sind, ergibt sich aus ihren Bewertungen auf Googles Social-Media-Dienst Google+. Das kritisieren die Konkurrenten Yelp und Tripadvisor, deren Bewertungsseiten populärer wären als Google+, aber trotzdem hier nicht berücksichtigt werden. Die EU prüft derzeit, ob Google damit seine Marktmacht in missbräuchlicher Weise ausnutzt.

Ergebnismanipulation wie bei "House of Cards"?

Besonders heikel ist das Problem des politischen Einflusses von Google. US-Psychologe Robert Epstein vom Institut für Verhaltensforschung ist fest davon überzeugt, dass es einen solchen gibt. "Es bewegt die Meinungen von Unentschiedenen so dramatisch, dass es jemandem den Wahlsieg bringen kann, höher in den Ergebnissen gerankt zu sein", wird Epstein in dem BBC-Beitrag zitiert. Er hält es auch für möglich, dass einzelne Google-Mitarbeiter die Suche absichtlich manipulieren könnten. Google selbst hat Epsteins Thesen als "fehlerhafte Verschwörungstheorie" zurückgewiesen.

Das Thema wurde in den USA jedoch breit diskutiert und auch in der vierten Staffel des Politthrillers "House of Cards" aufgegriffen. In der Serie manipuliert der große Suchmaschinenbetreiber "Pollyhop" seine Ergebnisse, um den republikanischen Präsidentschaftskandidaten im Wahlkampf zu unterstützen. Als die Öffentlichkeit davon erfährt, ist sie aber nicht schockiert, da sie sich ohnehin nicht mehr groß um Privatsphäre sorgt.

Verfestigt die Suche Klischees?

Erst vor kurzem für große Aufregung gesorgt haben die englischsprachigen Google-Suchergebnisse zu "professionellen" und "unprofessionellen" Frisuren. Die Bilder unter "unprofessional hair" zeigen fast ausschließlich schwarze Frauen, die Suche nach einem professionellem Haarstil führt vorrangig zu weißen Frauen. Google wurde deshalb vorgeworfen, mit seiner Suche rassistische Klischees zu verfestigen. Googles Algorithmus-"Genie" Ben Gomes erklärte die Ergebnisse damit, dass das Programm Probleme damit habe, die gesamte Aussage eines Textes zu interpretieren. Viele der Bilder schwarzer Frauen würden nämlich zu Texten verlinken, die erklären, warum ihre Frisur doch "professionell" sei. Die Suche führe sie nur auf, weil das Wort "unprofessional" auch vorkomme.

Aber auch Gomes bestätigte, dass der Algorithmus grundsätzlich natürlich gesellschaftliche Wertungen und Wahrnehmungen widerspiegle – seien sie richtig oder falsch. Googles Ingenieure vertrauen der Wissenschaft hinter ihrer Suche und greifen nicht in die Ergebnisse ein. Insofern ist das, was Google "ausspuckt", zum größten Teil der Kontrolle des Konzerns entzogen.

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