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Gut gegen Böse

Julia Schnizlein über "Constructive Journalism"

Julia Schnizlein © Bild: News/Ian Ehm

Millionärstochter brutal entführt. Ein Riss geht durch das Land. Hirsche und Rehe ruinieren den Wald. Bombeninferno mitten in Bangkok. Ganz nach der bekannten Devise „Only bad news are good news“ waren es fast durchwegs negative Schlagzeilen, die in der Vorwoche auf den Titelseiten unserer Zeitungen prangten – nicht nur auf denen der Boulevardblätter. Mit solcher Schwarzmalerei muss Schluss sein, sagte sich jetzt „Spiegel Online“ und startete unter dem Stichwort „Constructive Journalism“ eine Gegenoffensive, bei der auch einmal die positiven Seiten des Lebens ins Rampenlicht dürfen. Wussten Sie, dass sich die Ozonschicht der Erde erholt? Dass Windows 10 besser ist als sein Ruf? Wie Familien den Spagat zwischen Beruf und Familie meistern? All das schreibt „Spiegel Online“, dort will man nun verstärkt Nachrichten bringen, „die zum Weiterdenken anregen und auch bei düsteren Themen einen Aspekt aufzeigen, der Hoffnung macht, der einen Ausweg weist“. Die Häme der Kollegenschaft ließ nicht lange auf sich warten: „Die Welt wird garantiert besser, wenn wir auch Katastrophen, Mord und Totschlag etwas Positives abgewinnen können“, heißt es auf „Meedia.de“. Das Onlinemedium sehe jetzt wohl seine Mission darin, „die Realität seinem Journalismus anzupassen und nicht umgekehrt“.

Natürlich darf konstruktiver Journalismus nicht unkritisch oder belanglos sein. Und kein ernst zu nehmendes Medium sollte seine Leserschaft einlullen, indem es die Realität mit dem Weichzeichner verfremdet. Doch Journalismus, der stur dem alten Boulevard- Motto „If it bleeds, it leads“ folgt, zeichnet bestenfalls ein eindimensionales Weltbild. Die Welt ist nicht so bösartig und gefährlich, wie sie in den Medien daherkommt. Jedenfalls nicht nur, und auch nicht immer. Dieses Bild sollten wir ein wenig korrigieren.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: schnizlein.julia@news.at

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