"Goldjunge" Nadal holt sich Tennis-Titel: Spanier krönt sich in Peking mit Finalsieg

Lässt Chilenen Gonzalez im Endspiel keine Chance Russin Jelena Dementjewa gewinnt bei den Damen

"Goldjunge" Nadal holt sich Tennis-Titel: Spanier krönt sich in Peking mit Finalsieg

Nervenstark und wild entschlossen hat Rafael Nadal mit dem Olympiasieg seine beste Saison gekrönt und den im Doppel von Peking triumphierenden Roger Federer als Branchenführer abgelöst. Vor den Augen von Spaniens Kronprinz Felipe und 10.000 Zuschauern siegte das Kraftpaket aus Mallorca im Finale des Tennisturniers gegen den Chilenen Fernando Gonzalez mit 6:3,7:6, 6:3 und übernahm Platz 1 der Weltrangliste, den Federer 239 Wochen ununterbrochen innehatte.

"Ich weiß auch nicht, was mich im Moment so stark macht", sagte French-Open- und Wimbledon-Sieger Nadal, der nur nach dem Matchball am Boden lag. "Es ist eine unglaubliche Saison und ich sollte einfach glücklich darüber sein." Im zweiten Satz musste er gegen Gonzalez, der vor vier Jahren Bronze im Einzel und Gold im Doppel mit seinem Landsmann Nicolas Massu geholt hatte, mächtig kämpfen. Doch im entscheidenden Moment überzeugte er und holte als Nachfolger Massus das erste Tennis-Gold für Spanien. Bronze gewann der Serbe Novak Djokovic durch ein 6:3,7:6(4) gegen James Blake aus den USA, dem der Viertelfinal-Coup gegen Federer kein Glück brachte.

"Ich brauchte keinen Trost für das Aus, obwohl es schon eine mächtige Enttäuschung war", sagte Federer und entschädigte sich mit der Goldmedaille im Doppel, die er und Stanislas Wawrinka nach einem 6:3,6:4,6:7(4),6:3 am Samstag gegen die Schweden Simon Aspelin/Thomas Johansson stolz präsentierten: "Das fühlt sich richtig gut an", meinte der eidgenössische Fahnenträger und konnte zur Freude der Zuschauer gar nicht schnell genug aufs Podest kommen. Als Dritte standen dort die US-Zwillinge Bob und Mike Bryan, die 3:6,6:3,6:4 gegen die Franzosen Arnaud Clement/Michael Llodra gewannen.

Russische Festspiele
Zu einer rein russischen Angelegenheit wurde die Siegerehrung bei den Damen. Gleiches war nur den britischen Tennisspielern um Arthur Gore 1908 in London gelungen. Ihr erstes Gold nach Silber in Sydney 2000 holte Jelena Dementjewa, die Dinara Safina mit 3:6,7:5,6:3 niederrang. "Das ist das Größte, was mir im Leben und in meiner Karriere passiert ist", sagte die 26-Jährige. Bronze ging an Wera Swonarewa, die Li Na mit 6:0,7:5 besiegte. Der chinesische Traum von einer erneuten olympischen Tennis-Medaille ging dennoch in Erfüllung, weil das Doppel Zi Yang/Jie Zheng Bronze gewann.

Ihre zweite Goldmedaille nach Sydney 2000 machte die Williams-Schwestern Venus und Serena sprachlos. "Ich kann gar nichts sagen", meinte Venus Williams nach dem lockeren 6:2,6:0 gegen die French-Open-Siegerinnen Anabel Medina Garrigues/Virginia Ruano Pascual aus Spanien, mit dem sich die Amerikanerinnen für ihr Aus im Einzel schadlos hielten. Die 34-jährige Ruano Pascual hatte schon in Athen das Finale verloren - gegen die Chinesinnen Ting Li/Tian Tian Sun.

"Rafael ist unmenschlich gut in diesem Jahr und darf Platz eins mit Recht nehmen", sagte Federer. Nach Wochen der Enttäuschung und verlorenen Dominanz selbst in Wimbledon konnte der 27-Jährige wieder herzhaft lachen. "Es ist ein Wahnsinns-Moment", meinte er und knuffte "Stan" Wawrinka am Oberarm. "Im Team mit einem Freund zu gewinnen, ist ganz speziell", so der zwölffache Grand-Slam-Sieger. Geteilte Freude ist doppelte Freude. Österreichs Tennis bilanzierte mit zwei fünften Rängen im Einzel durch Sybille Bammer bzw. Jürgen Melzer. Letzterer konnte sich damit trösten, dass er im Viertelfinale am späteren Olympiasieger gescheitert ist.

(apa/red)