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Goldenes Brett:
Preis für esoterischen Unsinn

In Wien wurde Preis für den pseudowissenschaftlichen Nonsense des Jahres vergeben

Fakten - Goldenes Brett:
Preis für esoterischen Unsinn © Bild: Goldenes Brett

Über eine Ehrung freuen sich Preisträger fast immer. Im Regelfall ist es auch nicht schwer dafür zu sorgen, dass die Preisträger persönlich bei der Laudatio anwesend sind und erklären, warum gerade sie und niemand anderer den Preis verdient haben. Es gibt aber auch Ausnahmen: Filmschaffende, die statt eines Oscars eine Goldene Himbeere für die schlechteste filmische Leistung des Jahres „gewinnen“, haben meist wenig Freude über ihren Antipreis. Was die Goldene Himbeere im Filmbusiness, ist das Goldene Brett im Bereich der Wissenschaft. Heuer wurde die Auszeichnung zum fünften Mal in Wien vergeben und war ein voller Erfolg. Obwohl oder gerade weil die Ausgezeichneten außer mittels Klagsdrohung auf den Preis kaum jemals reagieren.

Seit 2011 wird in Wien das Goldene Brett für den größten pseudowissenschaftlichen Nonsense des Jahres verliehen. Vergeben wird es von Initiator Michael Horak und der Gesellschaft für Kritisches Denken GKD, die sich die Bekämpfung von Pseudowissenschaft und Scharlatanerie zur Aufgabe gemacht hat. Neben dem Sieger des Jahres wird seit geraumer Zeit auch ein Preis für das Lebenswerk verliehen. Oder auch „Lifetime Achievement Award für Bullshit“, wie den Preis der Moderator und ATV-Redakteur Martin Thür nannte.

Gleich zu Beginn ging es bei der heurigen Preisverleihung um all diejenigen, die sich zwar redlich darum bemühten, ausgezeichnet zu werden, bei denen es aber leider knapp nicht reichte. Vermisstensuche durch Hellsehen war dabei ebenso Thema wie ein Bund Katholischer Ärzte, der es sich zur Aufgabe macht Homosexualität mittels Homöopathie zu heilen. Die Homöopathie hat es der Jury des Goldenen Brettes überhaupt speziell angetan. 2013 wurden bereits die „Homöopathen ohne Grenzen“ ausgezeichnet – eine Art Ärzte ohne Grenzen für Homöopathie - und auch heuer hat diese Heilkunde ohne wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung für viele Lacher gesorgt.

© Goldenes Brett

Susanne Winter nominiert

Besonders der deutsche Comedian Bernhard Hoëcker, der Stargast des Abends, beschäftigte sich in seiner Kabaretteinlage intensiv mit dem Thema Homöopathie. „Homöopathie ist so wie wenn man in Brasilien einen Zuckerwürfel ins Wasser wirft und in Irland bekommt ein diabetetskranker Schwimmer einen Zuckerschock“, sagte er beispielsweise. Aber auch Mondkalender und anderer pseudowissenschaftlicher Unfug wurde zum Ziel seines Spottes.

In der bis zum bersten gefüllten Wiener Urania wurde das Publikum über zwei Stunden durch Hoëcker aber auch durch die Laudatoren gut unterhalten. Auf jeden der drei Nominierten wurde durch einen bekannten Wissenschaftler eine Rede gehalten, warum gerade die jeweilige Person den Preis besonders verdient. Eine Jury hatte zuvor drei Personen bestimmt, die aus einer Vielzahl von Publikumsaussendungen ausgewählt wurden. Die hierzulande prominenteste potentielle Preisträgerin war die FPÖ-Abgeordnete Susanne Winter. Sie wurde für die Leugnung des Klimawandels nominiert. Ihre Konkurrenz war einerseits der US-Amerikaner Jim Humble, der ein Wundermittelchen vertreibt, das angeblich von Krebs bis HIV beinahe jede Krankheit zu heilen vermag. Beim Wundermittel handelt es sich um giftige Chlorbleiche. Humble gründete außerdem sogar eine eigene Kirche, die „Genesis II Church of Health & Healin“, die sich ebenfalls dem Vertrieb seiner Mittelchen widmet.

© Goldenes Brett

Unsinn kann teuer werden

Der dritte Nominierte war Stefan Lanka. Der deutsche Biologe behauptet, dass krankmachende Viren gar nicht existieren würden. Die Therapie gegen sie sei vielmehr die eigentliche Krankheit. Er geht davon aus, dass Aids und andere Viruserkrankungen gar nicht wirklich existieren würden, sondern eine Erfindung der Pharmalobby seien. Dumm nur, dass sich Lanka seiner Sache wohl zu sicher war. 2011 lobte er ein Preisgeld von 100.000 Euro aus, falls es jemand gelingen würde, die Existenz des Masernvirus nachzuweisen. Ein Mediziner nahm die Herausforderung an und ließ Lanka mehrere Fachartikel zukommen, die den Beweis für die Existenz des Masernartikels selbstverständlich erbrachten. Lanka zahlte nicht und die Sache landete vor Gericht. In erster Instanz hat der Mediziner 2014 nun bereits recht erhalten und das Preisgeld wurde ihm zugesprochen. Lanka ging in Berufung.

Aber auch den Veranstaltern des „Goldenen Brettes“ drohte Lanka mit Klage. Sogar während der Preisverleihung meldete er sich bei den Veranstaltern und verlangte, dass ein Statement von ihm nicht nur auszugsweise sondern zur Gänze im Saal verlesen wurde. Wenig überraschend erhielt Lanka für seinen besonderen Einsatz das Goldene Brett dann auch verliehen. Die Preisverleihung wurde vom Neos-Abgeordneten Niko Alm vorgenommen, der sicherheitshalber auch gleich verlautbarte, die Verleihung im Rahmen seiner parlamentarischen Tätigkeit und somit im Schutz der Immunität vorzunehmen. Lanka teilte dem Organisationskomitee im Verlauf des Abends dann nach dessen Angaben noch mit, dass er den Preis entgegen nehmen wolle, wenn man ihn ihm auf eigene Kosten zukommen lassen würde.

Den Preis für das „Lebenswerk“ erhielt der Aidsleugner Matthias Rath, der insbesondere durch seinen Einsatz, im von Aids besonders betroffenen Südafrika, gegen die anerkannten Therapien traurige Berühmtheit erlangte. Hier zeigte sich besonders deutlich der ernste Hintergrund des Kampfes gegen die Pseudowissenschaften. Laut Schätzungen sind nämlich insgesamt bis zu 300.0000 Menschen in Südafrika vermeidbar an Aids gestorben, weil sie nicht an die gängige Therapie glaubten. Rath war, wie auch die übrigen Preisträger wenig überraschend nicht persönlich anwesend, um den Preis entgegen zu nehmen. Wer den Schmähpreis bekommt, will wohl meist nicht noch selbst für den Spott sorgen.

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