Syrien von

Golan: Terrorgruppe für
Blauhelme-Entführung verantwortlich

Al-Nusra-Front verschleppte 44 UN-Soldaten - USA fordert "sofortige Freilassung"

UN-Blauhelm auf dem Golan. © Bild: APA/EPA/Atef Safadi

Nach der Entführung von 44 UN-Soldaten auf den Golanhöhen haben die USA die islamistische Al-Nusra-Front für die Tat verantwortlich gemacht. Washington verlange die "bedingungslose und sofortige Freilassung" der Blauhelme, erklärte am Donnerstag das Außenministerium in Washington. Indes wird die Lage der Flüchtlinge immer dramatischer. Nach Angaben der UNO ist fast die Hälfte aller Syrer wegen der Gewalt auf der Flucht oder aus den Heimatorten vertrieben worden.

Keine Entwarnung gab es am Freitag für die auf dem Golan eingekesselten philippinischen Blauhelme. Sie wollen sich gegen radikale Milizen verteidigen. Die Soldaten hätten sich geweigert, ihre Waffen abzugeben, erklärte ein Sprecher der philippinischen Armee am Freitag in Manila. Sie seien darauf vorbereitet, mit solchen Situationen umzugehen. Die Soldaten würden das Risiko auf sich nehmen, um die internationale Stabilität und den Frieden zu sichern.

81 Blauhelmsoldaten eingekesselt

Syrische Regimegegner hatten am Mittwoch in Quneitra den Übergang zu den von Israel besetzten Golanhöhen von der syrischen Armee erobert. Die radikal-islamische Al-Nusra-Front kesselte dort am Donnerstag 81 philippinische Blauhelmsoldaten ein und brachte 44 Mitglieder der UN-Beobachtermission in ihre Gewalt. Die Blauhelmen wurde nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium in Wien an der sogenannten "Position 27" festgesetzt, die bis Juni 2013 von Blauhelmen aus Österreich gehalten wurde. Bereits im Juni 2013 hatten syrische Rebellen die Kontrolle über den dortigen Grenzübergang übernommen, Österreich zog seine Beobachter in der Folge, unmittelbar vor den Nationalratswahlen, ab.

Bei den 44 entführten Blauhelm-Soldaten handelt es sich nach Angaben der Vereinten Nationen um Soldaten von den Fidschi-Inseln. Die UN-Mission UNDOF beobachtet dort den Waffenstillstand zwischen Israel und Syrien. Hubschrauber der syrischen Armee warfen über einem Ort in der Nähe von Quneitra Fassbomben ab. Informationen über mögliche Opfer wären zunächst nicht vorgelegen, teilte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag mit. Nach der Niederlage in Quneitra hatte die syrische Armee die Region bereits am Donnerstag angegriffen.

Blauhelme hatten syrischen Soldaten Schutz gewährt

Die UN-Blauhelme auf den Golanhöhen sollen angeblich gefangen genommen worden sein, weil sich syrische Soldaten bei Kämpfen mit Rebellen auf eine UN-Basis geflüchtet hatten. Das meldete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag. Ein Aktivist aus der Region berichtete unter Berufung auf die radikal-islamische Al-Nusra-Front, die UN-Blauhelme hätten den syrischen Soldaten Schutz gewährt und sie medizinisch versorgt.

Nach Angaben des Ministerpräsidenten der Fidschi-Inseln, Voreqe Bainimarama, laufen bereits Verhandlungen für die Freilassung der entführten Blauhelme. "Ich möchte den Familien der Soldaten versichern, dass wir alles tun, was möglich ist, um ihre sichere Rückkehr zu gewährleisten", erklärte er. Der UN-Sicherheitsrat forderte die "bedingungslose und sofortige Freilassung" der Blauhelmsoldaten.

Nach UN-Angaben ist bisher unklar, wer hinter der Entführung steckt. Der UN-Sicherheitsrat erklärte lediglich, es handle sich um "Terrorgruppen und Mitglieder nichtstaatlicher bewaffneter Gruppen". Einige Gruppen hätten erklärt, zur Al-Nusra-Front zu gehören, dies könne aber nicht bestätigt werden. Die USA hatten zuvor die islamistische Al-Nusra-Front für die Tat verantwortlich gemacht. Diese wird vom UN-Sicherheitsrat als Terrorgruppe eingestuft und ist der syrische Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

UNO spricht "mit allen Seiten" wegen Freilassung

Nach der Gefangennahme von Blauhelmsoldaten durch radikale Islamisten arbeiten die Vereinten Nationen nach eigenen Angaben mit Hochdruck an deren Freilassung. "Wir sprechen dazu mit allen Seiten", sagte UNO-Sprecher Stephane Dujarric am Freitag in New York. "Unser erstes Ziel ist das Wohlergehen der Männer." Er forderte im Namen der Vereinten Nationen erneut die Freilassung der UN-Soldaten.

Dujarric korrigierte zugleich die bisherigen Zahlen. Demnach sind 44 und nicht 43 Soldaten von den Fidschi-Inseln in den Händen der Islamisten. 72 philippinische Soldaten, neun weniger als zunächst angenommen, seien eingekesselt. Weitere Informationen wollte er nicht geben, weil es um eine laufende Operation gehe.

Fast die Hälfte der Syrer auf der Flucht

Unterdessen schlagen die Vereinten Nationen angesichts der immer dramatischeren Situation der Flüchtlinge in Syrien Alarm. Das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR geht nach neuesten Zahlen von drei Millionen Flüchtlingen aus. 6,5 Millionen Menschen seien innerhalb Syriens auf der Suche nach Sicherheit. Das UNHCR teilte am Freitag in Genf mit, unter den entwurzelten Menschen seien ganz viele Kinder.

"Die Krise in Syrien ist zum größten humanitären Notfall unserer Zeit geworden, aber die Welt versagt dabei, den Menschen und den Ländern, in die sie flüchten, zu helfen", sagte UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres. Selbst großzügige Angebote reichten nicht aus. "Die bittere Wahrheit ist, es ist zu wenig", sagte Guterres. Zu den bisher gespendeten 3,1 Milliarden Euro würden bis zum Jahresende noch einmal 1,5 Milliarden Euro gebraucht, um die Flüchtlinge über den Winter zu bringen.

Laut UNHCR passieren die Menschen die Grenzen immer öfter total erschöpft, im Schockzustand, völlig verängstigt und ohne Ersparnisse. Die meisten seien seit mindestens einem Jahr auf einer Odyssee von Dorf zu Dorf gewesen, bevor sie sich endgültig zur Flucht entschlossen. Die Flucht selbst werde immer schwieriger. Die Familien würden gezwungen, die Grenzposten zu bestechen oder Menschenschmuggler zu bezahlen.

Kommentare

Was ist doch diese UNO für ein zahnloser Verein? Gott sei Dank, ist Österreich dort nicht mehr vertreten! Wie kann man nur UNO-Soldaten verschleppen? Sind die nicht bewaffnet? Können die sich nicht wehren? Oder hatten sie nicht die richtigen Waffen dazu? Warum sind sie dann dort? Eine einzige Augenauswischerei, dieser Verein! Kostet jede Menge, nützt aber nix!

Seite 1 von 1