'Gnadenlose Schläge': Für Nordkoreas Regime sind UN-Sanktionen 'Kriegserklärung'

Satelliten registrierten Vorbereitungen zu 2. Atomtest US-Präsident Bush lehnt Direktgespräche weiter ab

Neue Drohungen Nordkoreas und angebliche Hinweise auf einen zweiten Atomwaffentest des kommunistischen Landes haben die Spannungen mit der Führung in Pjöngjang verschärft. Wenige Stunden nach einem Bericht des US-Senders NBC zu möglichen neuen Testvorbereitungen, sprach auch Japans Außenminister Taro Aso von entsprechenden "Informationen". Er könne jedoch keine Einzelheiten publik machen.

Zurückhaltender reagierte Seoul: Die jüngsten Geheimdienstdaten aus der Nähe des ersten Testortes in Nordkorea müssten erst ausgewertet werden. Pjöngjang drohte bei Verletzung seiner Souveränität mit Vergeltung. China rief zur Mäßigung auf. Der stellvertretende US-Außenminister und Sonderbeauftragte für Nordkorea, Christopher Hill, sagte: "Wir würden alle einen zweiten Test als kriegerische Antwort Nordkoreas auf die internationale Gemeinschaft betrachten". Nordkorea werde einen "sehr sehr hohen Preis für ein solch rücksichtsloses Verhalten bezahlen", hatte Hill bei seiner Ankunft in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul gesagt.

US-Satelliten registrierten 2. Atomtest-Vorbereitungen
NBC berichtete unter Berufung auf Geheimdienstkreise, Spionage-Satelliten der USA hätten in der Nähe des Testgeländes, das am 9. Oktober für eine erste Explosion genutzt wurde, Bewegungen von Menschen und Fahrzeugen registriert, die auf neuerliche Testvorbereitungen hinwiesen. Es gebe allerdings keine Beweise dafür, dass ein solcher Test "unmittelbar" bevorstehe. Eine Woche nach dem ersten Test hatte der US-Geheimdienst am Montag bestätigt, dass es sich tatsächlich um eine atomare Explosion gehandelt habe.

Aso sagte lediglich, die Regierung in Tokio habe "Informationen mit Verbündeten ausgetauscht". Der Generalsekretär der regierenden Liberal-Demokratischen Partei Japans, Hidenao Nakagawa, drohte Pjöngjang mit Strafmaßnahmen, falls sie einen weiteren Test vornehme. Nach dem Test vom 9. Oktober hatte Japan bereits einen umfassenden Importstopp für Waren aus Nordkorea verhängt.

In Seoul sagte ein Regierungsvertreter der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap, "wir rechnen zwar mit allem, sind aber aber sehr vorsichtig bei der Analyse der Nordkorea betreffenden Geheimdiensterkenntnisse". Die beobachteten Militärbewegungen müssten nicht mit Testvorbereitungen in Verbindung stehen. Ähnlich zurückhaltend äußerte sich Seouls Unterhändler bei den Sechs-Nationen-Gesprächen über Nordkoreas Atomprogramm, Chun Yung Woo, zu neuen Drohungen aus dem Norden: "Das ist keine Überraschung", sagte Chun.

Nordkorea droht mit "gnadenlosen Schlägen"
Pjöngjang drohte jedem Land, das auf der Grundlage der UN-Resolution gegen den Atomwaffentest die "Souveränität und das Überlebensrecht" Nordkoreas bedrohe, mit "gnadenlosen Schlägen". Die verabschiedete UN-Resolution 1718, die eine Serie von Sanktionsbeschlüssen beinhaltet, komme einer "Kriegserklärung" gleich, meldete die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Vor allem die US-Aktivitäten würden beobachtet. Den Atomwaffentest vom 9. Oktober bezeichnete Nordkorea erneut als legitim.

China forderte das Nachbarland daraufhin zur Zurückhaltung auf. Pjöngjang und alle anderen betroffenen Parteien sollten Zurückhaltung an den Tag legen, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums. Pjöngjang solle alles unterlassen, was "die Spannungen verschärfen" könne. Gleichzeitig bekannte sich China zu der UN-Resolution, allerdings unter Berücksichtigung der eigenen nationalen und Handelsinteressen, wie der Sprecher sagte.

US-Präsident Bush lehnt Direktgespräche weiter ab
In den Bemühungen um eine möglichst breite Durchsetzung der Sanktionen nahm der stellvertretende US-Außenminister und Sonderbeauftragte für Nordkorea, Hill, Gespräche in Seoul auf. Aus Tokio kommend sollte Hill ein geplantes Treffen von US-Außenministerin Condoleezza Rice mit dem südkoreanischen Außenminister und künftigen UN-Generalsektretär Ban Ki Moon sowie dessen japanischem Kollegen Aso vorbereiten. US-Präsident George W. Bush lehnte erneut die Aufnahme direkter Verhandlungen mit Pjöngjang ab.

Die Europäische Union will die vom UNO-Sicherheitsrat verhängten Sanktionen gegen Nordkorea "unverzüglich" umsetzen. Wie aus einem Entwurf einer Erklärung der EU-Außenminister weiter hervorgeht, verurteilt die EU den nordkoreanischen Atomtest "scharf". Es komme nun darauf an, "den Nordkoreanern klarzumachen, dass es keine weiteren Atomtests mehr geben darf", sagte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Rande eines Treffens mit seinen EU-Kollegen in Luxemburg. Ungeachtet des jüngsten Atomtests bereitet die EU weitere humanitäre Hilfe für die Bevölkerung in Nordkorea vor. Dabei gehe es um ein Hilfspaket im Umfang von acht Millionen Euro, sagte EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner: "Ich habe nicht die Absicht, unschuldige Menschen in der Zukunft noch mehr leiden zu lassen".

(APA/red)