Umstritten von

Glyphosat: Verlängerung
um fünf Jahre beschlossen

Laut EU-Kommission "kein Zusammenhang zu Krebserkrankungen bei Menschen"

Traktor besprüht ein Feld mit Pestizid © Bild: iStockphoto

Die EU-Kommission hat am Dienstag die Verlängerung des umstrittenen Herbizids Glyphosat für weitere fünf Jahre verabschiedet. Nach einer gründlichen wissenschaftlichen Bewertung aller verfügbaren Daten über Glyphosat habe sich ergeben, dass es "keinen Zusammenhang zu Krebserkrankungen bei Menschen gibt", heißt es in der Begründung. Kritik an der Kommission äußerte indes die NGO Global 2000.

Die Brüsseler Behörde kündigte für die Zukunft mehr Transparenz bei wissenschaftlichen Bewertungen an. Damit reagiert die EU-Kommission auf Kritik der Europäischen Bürgerinitiative "Verbot von Glyphosat und Schutz von Menschen und Umwelt vor giftigen Pestiziden". So soll die Transparenz, Qualität und Unabhängigkeit der wissenschaftlichen Wirkstoffbewertungen verbessert werden, u.a durch den öffentlichen Zugang zu Rohdaten.

Der Vizepräsident der EU-Kommission Frans Timmermans sagte, es müsse deutlicher werden, wie Entscheidungen in diesem Bereich zustande kommen. EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis sagte, es sei aber genauso wichtig, dass die Mitgliedstaaten ihre Zuständigkeit wahrnehmen, wenn es um die Zulassung von Pestiziden für ihren Markt geht. Sie müssen auch dafür sorgen, dass Pestizide nachhaltig und entsprechend der Anweisungen auf dem Etikett verwendet werden. Transparenz, Unabhängigkeit und ein nachhaltiger Pestizideinsatz seien die Ziele.

Enttäuscht über die Antwort der Kommission auf die Europäische Bürgerinitiative (EBI) "Stopp Glyphosat" zeigte sich Global 2000. Zur Gänze abgelehnt habe die EU-Kommission die zentrale Forderung der EBI, dass die Beauftragung von Studien für das Zulassungsverfahren durch Regulierungsbehörden und nicht durch die Industrie erfolgen muss. "Die Antwort der Kommission ist ernüchternd und enttäuschend", sagte Helmut Burtscher-Schaden, Biochemiker bei Global 2000 und einer der sieben Initiatoren der Europäischen Bürgerinitiative. Nicht eine der Forderungen, die von mehr als einer Million Europäer herangetragen wurde, sei von der Kommission positiv beantwortet worden.

ÖVP, Grüne und FPÖ bringen Ausstieg in Tiroler Landtag

Eine nicht alltägliche Allianz aus ÖVP, Grünen und FPÖ wird im Dezemberlandtag gemeinsam einen Dringlichkeitsantrag einbringen, womit der Ausstieg aus der Glyphosatnutzung in Tirol eingeleitet werden soll. Unter anderem heißt es darin, dass die Landesregierung prüfen soll, ob es landesrechtliche Möglichkeiten gibt, einen vollständigen Ausstieg aus der Anwendung in Tirol zu ermöglichen.

Als erster Schritt würden deshalb neben dem Anwendungsverzicht in allen landeseigenen und landesnahen Einrichtungen die Unternehmen ÖBB und Asfinag aufgefordert, das Unkrautvernichtungsmittel künftig nicht mehr in Tirol einzusetzen, hieß es in einer Aussendung. "Auch wenn der endgültige Ausstieg nicht von heute auf morgen geht, ist das von Tiroler Volkspartei, Grüne und FPÖ gemeinsam geschnürte Maßnahmenpaket ein klares Bekenntnis, Tirol in Zukunft glyphosatfrei zu machen", meinte ÖVP-Klubobmann-Stellvertreter Hermann Kuenz.

Kommentare