Global einzigartiges Warnsystem in Japan:
Alarmierung Sekunden VOR schwerem Beben

Misst Schwingungen, bevor die Katastrophe eintritt Zur Vorbereitung den eigenen Tod durchspielen

Global einzigartiges Warnsystem in Japan:
Alarmierung Sekunden VOR schwerem Beben

Japans erdbebengeprüfte Bevölkerung kann nun ein wenig ruhiger leben: Dank eines neuartigen Frühwarnsystems wird sie künftig schon Sekunden vor einem schweren Beben alarmiert.

Die nun vorhandene Zeit kann dazu genutzt werden, sich aus einsturzgefährdeten Häusern zu retten oder den Gasherd auszustellen, eine der Hauptbrandursachen bei Beben. Daher werden die Informationen über bevorstehende Beben von nun an landesweit per Radio, Fernsehen sowie über Lautsprecher an öffentlichen Plätzen verbreitet.

Das über Jahre hinweg im Auftrag des japanischen Wetterdienstes entwickelte System ist weltweit einzigartig: Es misst bereits erste Erschütterungen, sogenannte P-Wellen, bevor sie von potenziell gefährlichen Beben gefolgt werden. Die Sekunden vor dem tatsächlichen Erdbeben können Leben retten und schwere Schäden verhindern: Sie reichen aus, um Atomreaktoren ab- und Baukräne auszuschalten oder Hochgeschwindigkeitszüge zu stoppen. Ein Elektronikkonzern hat bereits einen Hausalarm entwickelt, bei dem sich das Gas von allein abstellt und die Gardinen automatisch schließen, um vor zersplitternden Fensterscheiben zu schützen.

90 Prozent weniger Opfer möglich
Nach Berechnungen des Sicherheitsexperten Kimiro Meguro von der Universität in Tokio könnte die Zahl der Erdbebenopfer schon bei zehnsekündiger Vorwarnung um 90 Prozent sinken. Um aber ständige Panik in einem Land, in dem fast täglich die Erde bebt, zu vermeiden, wird die Öffentlichkeit nur bei größeren Beben alarmiert. Ausführliche Infobroschüren weisen die Menschen zudem an, wie sie sich in dem Fall verhalten sollen.

Laut Meguro ist das System nur dann wirksam, wenn die Reaktionen eingeübt wurden. "Jeder muss sich die unterschiedlichsten Situationen, in denen ihn die Warnung treffen kann, vor Augen führen - und dann überlegen, wie er die ihm verbleibenden Sekunden richtig nutzt", mahnt der Wissenschaftler. Um wirklich auf alles vorbereitet zu sein, "sollte man in der Fantasie sogar seinen eigenen Tod durchspielen", rät Meguro. (APA/red)