Glawischnig zu 20 Jahren Tschernobyl:
"Noch drei Jahre bis zu neuem Supergau"

Statistisch gesehen gibt es alle 23 Jahre Kernschmelze Grüne warnen vor Renaissance der Atomindustrie

Statistisch gesehen gibt es weltweit alle 23 Jahre eine Kernschmelze im Ausmaß vom Atomkraftwerk (AKW) Tschernobyl. Das erklärte die stellvertretende Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig, anlässlich einer Veranstaltung zu "20 Jahre Tschernobyl" in Wien.

20 Jahre nach dem Atomunfall von Tschernobyl wären es also laut Statistik noch drei Jahre bis zum nächsten Supergau. "Und nirgends ist die Dichte von AKWs so hoch wie in Europa. Österreich ist von AKWs umzingelt", sagte Glawischnig. Sie betonte, eine Bilanz der Opfer von Tschernobyl könne es heute noch nicht geben, da der Unfall Auswirkungen noch auf Generationen habe. Eine halbe Million Kinder würde nach wie vor in verstrahlten Gebieten leben.

Die Fragen der Uranaufbereitung, der Endlagerung und demokratische Überlegungen im Umgang mit Atomkraft seien nach wie vor 100- prozentig unbeantwortet, so Glawischnig. Hinzu sei die Gefahr von Terroranschlägen gekommen.

Der Bundessprecher der Grünen, Van der Bellen, erklärte, 20 Jahre Tschernobyl seien Anlass, der Opfer zu gedenken, sowohl der Verstorbenen als auch jener mit lebenslänglichen Schäden. Er kritisierte den Euratomvertrag, der nach wie vor in Kraft sei, aufs Schärfste und warnte vor einem Aufwind der Atomindustrie.

Die ehemalige Klubobfrau der Grünen, Freda Meissner-Blau erklärte, die Mehrheit der europäischen Bevölkerung sei gegen die Atomkraft, in Österreich seien es gar 89 Prozent. Doch der Atomlobby sei es "schnurzegal". Sie rief in Erinnerung, dass es 300 Jahre brauche, bis sich nach dem Atomunfall von Tschernobyl die radioaktiven Werte wieder normalisieren. (apa/red)