"Glaubt ihr, ihr habt es mit Kind zu tun?" Iran weist EU-Angebot im Atomstreit zurück

EU bot Land Leichtwasserreaktor statt Atom an Treffen der EU, USA, Chinas & Russland verschoben

Jüngste Überlegungen in der Europäischen Union zur Beilegung des Streits um das iranische Atomprogramm sind in Teheran auf Ablehnung gestoßen. Präsident Mahmoud Ahmadinejad sagte am Mittwoch zu europäischen Erwägungen, dem Iran als Gegenleistung für den Verzicht auf die Urananreicherung einen Leichtwasserreaktor anzubieten: "Denkt ihr, ihr habt es mit einem vierjährigen Kind zu tun, dem ihr Walnüsse und Schokolade geben könnt und dafür Gold bekommt?". Auf einer Kundgebung in der zentraliranischen Stadt Arak betonte Ahmadinejad vor Tausenden von Menschen: "Die Europäer sollten wissen, dass die Ära von Gewalt und Bedrohung vorbei ist". Auch Resolutionen des Weltsicherheitsrates würden den Iran nicht daran hindern, wissenschaftliche Fortschritte zu machen.

Das für Freitag geplante Londoner Treffen von Vertretern der EU, der USA, Chinas und Russlands zum Atomstreit mit dem Iran ist verschoben worden. Ein Sprecher des britischen Außenministeriums sagte am Mittwoch, es werde mehr Zeit für die Vorbereitung benötigt. Das EU-Angebot an den Iran solle genauer formuliert werden. Die fünf Vetomächte im UNO-Sicherheitsrat (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich) und Deutschland hatten sich in New York nicht auf einen Resolutionsentwurf verständigen können. Sie kamen stattdessen überein, dem Land wirtschaftliche Anreize für ein Einlenken im Atomstreit anzubieten. Gleichzeitig solle Teheran mit Sanktionen gedroht werden, allerdings nicht in Form einer Sicherheitsrats-Resolution. Der Westen befürchtet, dass der Iran angereichertes Uran zum Bau von Atombomben verwenden könnte.

"Wir werden keinen Stopp akzeptieren, und die Europäer sollten ihre Anreize für sich behalten", sagte Ahmadinejad. Die Europäer sollten nicht "ihre Interessen gefährden für die unrechtmäßigen Ziele anderer Länder". Richtlinie müssten die Bestimmungen des Atomwaffensperrvertrages sein. "Wir wollen lediglich unsere Rechte gemäß dem Atomwaffensperrvertrag umsetzen, nicht mehr und nicht weniger."

Die USA haben sich zurückhaltend zu dem neuen Vorschlag der Europäischen Union geäußert. Er werde das Angebot an den Iran zum Bau eines Leichtwasserreaktors nicht kommentieren, sagte der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton. Eine Offerte müsse aber neben Zuckerbrot auch eine Peitsche enthalten. Ein französischer Diplomat betonte, der Iran werde mit Sicherheit keinen kompletten Leichtwasserreaktor erhalten. Es gehe hier eher um ein Ausloten von Interessen und Möglichkeiten für eine Einigung.

Der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy rief die internationale Gemeinschaft während eines Besuchs in Israel zu einer geschlossenen Haltung gegenüber dem Iran auf. Das iranische Atomprogramm habe eine ernste Krise ausgelöst. "Wir arbeiten gegenwärtig mit zwei Schlüsselwörtern: Einigkeit und Entschlossenheit", sagte er.
(apa/red)