Gianfranco Fini: Chef der Rechten wandelte sich von Faschist zu angesehenem Minister

Alleanza Nazionale-Boss gilt als gefährlichster Rivale Fini ist populärste Politiker der Mitte-Rechts-Allianz

Gianfranco Fini: Chef der Rechten wandelte sich von Faschist zu angesehenem Minister

Gianfranco Fini ist einerseits der treueste Verbündete des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi - und zugleich sein gefährlichster Konkurrent in der Mitte-Rechts-Allianz, die Italien seit 2001 führt. Der 54-Jährige, Vizepremier und seit anderthalb Jahren auch Außenminister, zählt zu den brillantesten Spitzenpolitikern Italiens. Als Chef der nach wie vor nicht unumstrittenen rechten Alleanza Nazionale (AN, zweitstärkste Regierungspartei) hat Fini eine entscheidende Rolle für die Stabilität der Regierung Berlusconi gespielt.

In wenigen Jahren gelang es ihm, die neofaschistische Sozialbewegung (Movimento Sociale Italiano, MSI), die Jahrzehnte lang am äußersten rechten Rand der italienischen Parteienlandschaft positioniert und international entsprechend isoliert war, in die moderate Rechtsbewegung Alleanza Nazionale (AN) umzuwandeln, die sich eigenen Angaben zufolge nun an den französischen Gaullisten orientiert.

Seit 1987 Chef der Neofaschisten
In Talkshows und Interviews macht Fini stets eine gute Figur: Er ist redegewandt, ironisch und schlagfertig. Bei den Wahldebatten gilt er ruhiger und selbstsicherer als der gestresst wirkende Berlusconi. Der aus Bologna stammende Doktor der Pädagogik hatte sich als Student der neofaschistischen MSI angeschlossen. Fünf Jahre lang leitete er die Jugendorganisation der MSI und schrieb gleichzeitig für das Parteiblatt "Il Secolo d'Italia". Er wurde zum Kronprinzen des Neofaschistenführers Giorgio Almirante, eines ehemaligen Mitstreiters von Benito Mussolini. 1987 trat Fini als Nachfolger Almirantes an die Spitze der Partei.

Fortan bemühte er sich, das Image der MSI zu verbessern, um sie zu einer modernen Partei zu machen, die vor allem Jugendliche anlockt. Die Wende wurde im Jahr 1994 vollzogen. Fini wandelte die MSI in die AN um und suchte den Dialog mit anderen politischen Gruppen. Fini ging zur faschistischen Vergangenheit der Partei auf Distanz, besuchte das KZ in Auschwitz und fand wachsenden Zuspruch beim Bürgertum. Danach ging er eine Wahlallianz mit Berlusconis Partei Forza Italia ein, die sich als ein solides Bündnis erwies.

Mit 13,5 Prozent der Stimmen drittstärkste Kraft
Bei den Parlamentswahlen 1994 erhielt Finis Gruppierung 13,5 Prozent der Stimmen und wuchs somit zur drittstärksten Partei in Italiens Parlament an. Trotz internationaler Proteste durfte die AN den Vizepremier stellen und besetzte fünf Ministerposten. Das EU-Parlament erhob Vorbehalte gegen römische Kabinettsmitglieder aus den Reihen der Postfaschisten. Fini verteidigte sich eloquent gegenüber den internationalen Attacken. Nur eine Minderheit in der AN sei "neofaschistisch". Nach dem Sturz der Regierung Berlusconis im Dezember 1994 begann für die AN eine schwierige Zeit in der Opposition, während der sie jedoch stets Berlusconi treu blieb.

Nach Berlusconis Wahlsieg 2001 übernahm Fini den Posten des Vizepremiers. In den letzten Jahren arbeitete er unermüdlich am Image der von ihm aufgebauten "neuen Rechten". Die AN, beteuert er, sei demokratisch, modern, gemäßigt. "Er versucht, eine Zentrumspartei aufzubauen, die nur noch gelegentlich nach rechts blickt", kritisierte die Mussolini-Enkelin Alessandra, mit der Fini 2004 in Konflikt geraten war.

Fini bereitete Israel-Reise sechs Jahre lang vor
2003 unternahm Fini eine international argwöhnisch beäugte, aber für ihn dennoch erfolgreiche Israel-Reise, um der internationalen Öffentlichkeit klar zu machen, dass seine Partei definitiv von ihrer neofaschistischen Vergangenheit Abstand genommen habe. Durch den Israel-Besuch, an dem er fast sechs Jahre lang gearbeitet hatte, konnte Fini stark an internationalem Image gewinnen.

Fini macht kein Hehl daraus, dass er gern die Führung der Mitte-Rechts-Allianz übernehmen würde. "Die Parlamentswahlen finden mit dem Verhältniswahlrecht statt. Jede Partei der Regierungskoalition wird mit eigenen Wahllisten am Wettkampf teilnehmen. Ich hoffe, genügend Stimmen zu erhalten, damit die Koalition die Möglichkeit meiner Kandidatur zum Premierminister überprüft", betonte Fini. Er versicherte, die Konkurrenz mit den Verbündeten werde loyal sein, er werde jedoch um seinen Erfolg kämpfen.

Der Außenminister hat über kurz oder lang beste Chancen, Berlusconi als Spitze des Mitte-Rechts-Blocks abzulösen. Laut Umfragen ist der AN-Chef der populärste Politiker dieses Regierungsblocks in Italien.
(apa)