Psychologie von

Ghosting-Opfer? So
reagieren Sie richtig

Überraschend und effektiv: So reagieren Sie optimal auf Ghosting-Attacken

Einsame Frau © Bild: iStockphoto.com

Es war eine gute Freundschaft. Dachten Sie. Doch plötzlich ist er weg, der Freund. Sie hören nichts mehr von ihm, von Sehen ganz zu schweigen. Als hätte er sich in Luft aufgelöst. Wie ein Geist. Klare Sache: Sie sind ein Opfer von Ghosting geworden. Wie verhält man sich in solch einem Fall? Was kann man tun, um das Übel zu lindern? Die Wiener Psychologin und Psychotherapeutin Mag. Johanna Böhm-Schöller gibt Antwort.

Das ewige Ghosting-Opfer

Wer in freundschaftlichen Beziehungen wiederholt von Ghosting betroffen ist, dem sei geraten, sein eigenes Verhalten zu reflektieren. Dazu Böhm-Schöller: "Stellen Sie sich folgende Fragen: Rede ich zu viel? Lasse ich dem Gegenüber zu wenig Raum? Dreht sich immer alles nur um mich? Oder aber: Fühle ich mich einsam und habe ich darum ein ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis?"

Traurige Frau
© Shutterstock.com

Wer glaubt, er stehe im Abseits, hält besonders intensiv an Freundschaften fest. Das ist verständlich, führt aber zu einer Unausgewogenheit in Beziehungen, geprägt von Abhängigkeiten und dem viel gefürchteten Klammern. "Die offensichtliche Not des einen ist dem anderen oft unangenehm - die Ghosting-Spirale beginnt sich zu drehen", erklärt Böhm-Schöller. Letztlich kann es helfen, sein permanentes Schicksal als durch Ghosting entsorgter Freund psychotherapeutisch zu hinterfragen.

So reagieren Sie optimal auf eine Ghosting-Attacke

Werden Sie geghostet, so bewahren Sie Ruhe und belassen Sie es bei Ihrem jüngsten Versuch der Kontaktaufnahme. Jetzt gilt es, den Fokus auf sich zu richten. Die Expertin rät in solchen Situationen, sich der Verletzung des eigenen Selbstwertes klar zu werden, aber auch die Konfliktscheue des Ghosters zu erkennen: "Von einem Freund ohne Erklärung aus dessen Leben verbannt zu werden, löst eine Ohnmacht in einem aus. Man fordert Antworten ein, möchte wissen warum."

Dennoch: "Laufen Sie dem Ghoster bitte nicht nach! Er will Ihnen schlicht und einfach keine Antworten geben, weswegen Sie sich mit hilflosen Rettungsversuchen letzten Endes nur selbst schaden." Lassen Sie sich stattdessen auf neue Menschen ein, geben Sie beginnenden Freundschaften eine Chance, sprich leben Sie Ihr Leben weiter, so der Appell der Expertin. Widmen Sie Ihre wertvolle Lebenszeit jenen Menschen, die sich über Ihre Gegenwart freuen und Sie gerne in Ihrer Mitte willkommen heißen.

Die elegantere Alternative zum Ghosting

Sollten Sie sich dagegen in der Rolle desjenigen befinden, der eine Freundschaft beenden will, sei Ihnen Folgendes gesagt: Ein finales Gespräch zu führen, in dem offen und ehrlich angesprochen wird, warum diese Freundschaft hier und jetzt zu Ende ist, erfordert starke Nerven. Zumal eine solche Aussprache oft direkt in einen Streit führt: Der Verprellte ist überrascht, reagiert möglicherweise über, vielleicht sogar panisch. Die Fähigkeit, Kritik und Argumente aufzunehmen und über diese nachzudenken, liegt in diesem Moment bei null.

Freundinnen im Streit
© iStockphoto.com

Wollen Sie ein solches Gespräch aus Gründen der Fairness trotzdem wagen, bleiben Sie ruhig und freundlich, sachlich und faktenorientiert. Gestatten Sie Ihrem bald ehemaligen Freund, die Fassung zu verlieren. Schließlich fühlt er sich im Moment der Aussprache mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr verletzt. Nichtsdestotrotz: Bleiben Sie konsequent. Vermeiden Sie einen halbherzigen "Neustart", nur weil Sie das Mitleid zu übermannen droht. Ein klarer Schlussstrich ist und bleibt – wie auch in Liebesbeziehungen – die anständigste Lösung in einer Situation wie dieser.

Epilog: Der Geist ist wiederauferstanden

Wunder gibt es immer wieder ... Und so kann es durchaus passieren, dass der Ghoster von damals plötzlich wieder aktiv den Kontakt zu Ihnen sucht. In so einem Fall rät Böhm-Schöller: "Bleiben Sie bei sich! Fühlen Sie primär Freude und Glück, stehen die Chancen sehr gut für einen Neustart. Sollte dieses Ereignis jedoch Ärger oder Enttäuschung in Ihnen hervorrufen, ist nun der Moment gekommen, um eine Aussprache zu erbitten. So oder so: Schätzen Sie die Leistung Ihres Freundes, den Kontakt zu Ihnen wieder zu suchen."

Alles in allem sind wir der Expertin zufolge gut damit beraten, uns an Ghostern in unserem Umfeld nicht allzu sehr zu stören und sie - salopp formuliert - einfach machen zu lassen. Wahrhaft glücklich und frei fühlen wir uns in deren Gegenwart - soweit man von einer solchen überhaupt sprechen kann - ohnehin nicht. Anders als bei Freunden, denen es gelingt, uns innerlich zu berühren, indem Sie die Zeit mit uns wertschätzen und in vollen Zügen genießen.

Mehr zum Thema

Sechs alarmierende Anzeichen dafür, dass Sie geghostet werden