Gewinnen in der Krise: Derzeit sind gute
Renditen mit Risiko-Anleihen zu erzielen

FORMAT: Anleger können US-Bankenkrise nützen Risikoprämien bei schlecht eingestuften Anleihen

Gewinnen in der Krise: Derzeit sind gute
Renditen mit Risiko-Anleihen zu erzielen © Bild: Reuters/Stringer

Der US-Bank Goldman Sachs ist gerade das gelungen, wovon viele andere Finanzinstitute derzeit nur träumen: Mit einem Gewinn von 2,05 Milliarden US-Dollar für das zweite Geschäftsquartal zwischen März und Mai 2008 kommt die weltweite Nummer 1 unter den Investmentbanken fast ungeschoren durch die Bankenkrise. Viele Mitbewerber haben es deutlich schwerer, Morgan Stanleys Quartalsgewinn brach um 57 Prozent ein, Lehman Brothers hatte für das erste Quartal sogar einen Verlust von 2,8 Milliarden Dollar zu rapportieren. Doch ganz gleich, wie die Ergebnisse im Einzelnen ausfallen, das Misstrauen zwischen den Banken ist ungebrochen. Die US-Hypothekenkrise hat auch ihr Gutes, denn Anleger können jetzt von den gestiegenen Risikoprämien bei schlecht eingestuften Anleihen profitieren.

Wegen der durch die US-Hypothekenkrise ausgelösten Geldverknappung suchen Banken intensiv nach frischer Liquidität und zahlen entsprechend hohe Zinsen, was sowohl Sparern als auch Käufern von Bankanleihen zugute kommt. Die Risikoaufschläge, die Anleihenschuldner aus dem Unternehmensbereich zusätzlich zu den Zinsen sicherer Staatsanleihen zu zahlen haben, liegen ebenfalls weit über dem Normalbereich.

Extreme Risikoprämien
Ein Indikator, wie verunsichert die Finanzmärkte sind, ist der Unternehmensanleihenindex von Merrill Lynch. Laut diesem Seismografen erreichte der Aufschlag bei europäischen Bankanleihen gegenüber sicheren Staatspapieren im März 210 Basispunkte, also 2,1 Prozent, jetzt liegt die Risikoprämie bei 1,75 Prozent. Unternehmensanleihen aus dem Nichtbankensektor verzeichnen aktuell einen Aufschlag von 1,3 Prozent.

Angesichts solch unüblich hoher Sätze, die die Chance auf einen Zusatzertrag gegenüber sicheren Staatsanleihen bieten, stellt sich für Anleger die Frage, ob man jetzt bereits wieder bei Unternehmens- und Hochzinsanleihen einsteigen soll.

Tatsache ist, dass bei der einen oder anderen Bank noch unliebsame Überraschungen möglich sind, so dass bei einem Kauf von einzelnen Anleihen immer ein - wenn auch kleines - Restrisiko herber Verluste besteht. Johann Strobl, Risikovorstand der Raiffeisen Zentralbank: "Es gibt keine Garantie, dass wirklich jede Bank gerettet wird." Trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass eine Großbank tatsächlich insolvent wird. Und bei den meisten Firmenanleihen ist die Entwicklung der Gewinne weit entfernt von jeder Alarmzone. Das heißt: Wer jetzt via Fonds einen Mix aus Bank- oder Unternehmensanleihen kauft, dürfte mittelfristig besser als mit Staatsanleihen verdienen.

Zwei Prozent Ausfallsrisiko
Schließlich ist das Risiko einer nicht ordnungsgemäßen Tilgung letztlich doch gering. Hans Köck, Produktstratege bei Pioneer Austria: "Selbst bei spekulativen Hochzinsanleihen kalkuliert die Ratingagentur Moody's jetzt nur mit zwei Prozent Ausfallsrisiko und in zwölf Monaten mit einem Anstieg auf 6,3 Prozent." Zum Vergleich: In der Rezessionsphase von Anfang 1990 wurde ein Wert von zwölf Prozent erreicht und im Jahr 2001 immerhin noch zehn Prozent.

Die komplette Geschichte finden Sie im FORMAT Nr. 25/08!