United Airlines von

Brutaler Rauswurf des
Passagiers zieht weite Kreise

Imageschaden für United Airlines enorm - Fluglinie erntet massenweise Spott

Protest gegen United Airlines nach brutalem Übergriff gegen den Fluggast David Dao © Bild: APA/AFP/Joshua Lott

Der brutale Rauswurf des Passagier David Dao aus einer Maschine der United Airlines zieht weite Kreise. Der 69-jährige Arzt will die US-Fluggesellschaft verklagen. Und das ist noch lange nicht alles. Der Imageschaden ist enorm. Die Netzgemeinde ruft zum Boykott der United Airlines auf und verhöhnt die Fluggesellschaft mit auf den Vorfall adaptierten vermeintlichen neuen Werbeslogans. Auch US-Comedians sparen nicht an Spott.

Der Image-Schaden für United Airlines ist immens. Daos Herkunft schürte Vermutungen, hinter seiner Behandlung steckten rassistische Motive. Das Unternehmen kündigte an, allen Passagieren eine Entschädigung zu zahlen, die an Bord der Maschine gewesen waren. Die Aktie von United Airlines rutschte unterdessen ab.

Fluggesellschaft ernet Spott und Hohn

Wie zu erwarten dauerte es auch nicht lange, bis sich die Netzgemeinde gegen den brutalen Rauswurf stark machte. Unter #Boycotunited wird zum Boykott der Fluglinie aufgerufen. Darüber hinaus reagieren die User unter #newunitedairlinesmottos mit einer gehörigen Portion Spott. Veröffentlicht wurden etwa neue vermeintliche "Werbeslogans" für die United Airlines, die da lauten: "Unsere Preise sind unschlagbar. Unsere Passagiere nicht." Oder: "Hier warten Sie eine geschlagene Viertelstunde bis zum Start."

Unter anderem machten sich die User auch Gedanken darüber, wie die Fluglinie ihre Mitarbeiter künftig ausstatten könnte.

Auch der US-Comedian Jimmy Kimmel reagierte auf den Vorfall. Und zwar mit einem Video in der Machart eines United-Werbespots. Zu sehen ist eine Flugbegleiterin, die lächelnd sagt: "Sie fliegen, wenn wir es sagen. Wenn nicht - Pech gehabt". Dann zeigt sie ihre zwei mit Schlagringen bestückten Fäuste.

Andere Fluggesellschaften wiederum nutzen den dramatischen Vorfall für humorvolle Aktionen auf Twitter. Ryanair etwa spottet über sämtliche "Verlierer der Woche": "Pepsi? Spicer? United? Are you having the week from hell too? Tell us why you need a break & win free flights. Worst story wins #GimmeABreak".

David Dao will United Airlines verklagen

Der 69-jährige Arzt, der gewaltsam aus einer überbuchten Maschine gezerrt worden war, will die US-Fluggesellschaft nun verklagen. Das kündigten seine Anwälte am Donnerstag an.

David Dao
© Jayse D. Anspach via Reuters David Dao wird brutal aus dem Flieger gezerrt

Der Vorfall am Sonntag in Chicago hatte weltweit für Empörung gesorgt. Dao erlitt nach Angaben seines Anwalts Thomas Demetrio eine Gehirnerschütterung. Außerdem seien ihm die Nase gebrochen und die Nebenhöhlen verletzt worden. Auch habe sein Mandant zwei Vorderzähne verloren. Der aus Vietnam stammende Dao habe ihm gesagt, der Rauswurf sei für ihn "entsetzlicher und grauenhafter" gewesen als vor mehr als 40 Jahren seine Flucht im Boot aus seinem Heimatland.

David Daos Tochter
© Reuters/Kamil Krzaczynski David Daos Tochter Crystal Dao Pepper

Dao wurde am Mittwochabend (Ortszeit) aus dem Krankenhaus entlassen, trat aber nicht zusammen mit seinen Anwälten bei einer Pressekonferenz in Chicago auf. Der Mediziner, der seit Jahren in den USA lebt, wurde durch eines seiner fünf Kinder vertreten, die 33-jährige Crystal Dao Pepper.

»Seit langem behandeln uns die Fluggesellschaft und United im Besonderen schlecht«

Daos Anwälte beantragten bei einem Gericht in Chicago die Herausgabe der Aufzeichnungen durch die Überwachungskameras aus dem Flugzeug, die Listen der Passagiere und Besatzung sowie von weiterem Beweismaterial. Die geplante Klage solle eine internationale Debatte darüber anstoßen, wie Flugpassagiere behandelt würden, sagte Demetrio. "Seit langem behandeln uns die Fluggesellschaft und United (Airlines) im Besonderen schlecht", beklagte er.

Blutend und schreiend aus dem Flieger gezerrt

Dao habe am Sonntag normal eingecheckt, und ein Crewmitglied habe ihm seinen Platz im Flugzeug gezeigt, heißt es in dem Schreiben der Anwälte. Danach sei er von Beamten der Stadt Chicago gewaltsam aus der Maschine geschleift worden, wobei er verletzt worden sei.

Auf im Internet kursierenden Handyvideos von Mitreisenden ist zu sehen, dass Dao mit dem Kopf gegen eine Sitzlehne stößt, als ein Polizist ihn von seinem Sitz zerrt. Der blutende und schreiende Mann wird dann durch den Gang zum Ausstieg geschleift. Die anderen Insassen reagieren schockiert.

David Dao
© Jayse D. Anspach via Reuters

Derweil mussten sich Vertreter von United Airlines einer Befragung im Stadtrat von Chicago stellen. Die für Unternehmensangelegenheiten verantwortliche United-Managerin Margaret Smith versicherte, es werde "diese Art von Situation wird nie wieder an Bord einer unserer Maschinen" geben. Es sei ein Fehler gewesen, dass die Fluglinie so lange mit einer Entschuldigung gebraucht habe.

Rauswurf nicht aufgrund von Überbuchung

United-Chef Oscar Munoz veröffentlichte erst am Dienstag - fast 48 Stunden nach dem Rauswurf Daos - eine offizielle Entschuldigung. "Niemand sollte so behandelt werden", betonte Munoz. Der Vorfall sei "wirklich schrecklich". United Airlines übernehme die Verantwortung dafür.

Protest gegen United Airlines nach brutalem Übergriff gegen den Fluggast David Dao
© Reuters/Kamil Krzaczynski/File Photo

Bei der Befragung im Stadtrat stellte zudem der für den Flughafen O'Hare zuständige United-Manager John Slater klar, dass der Rauswurf Daos nicht aufgrund einer Überbuchung der Maschine erfolgt sei, wie von der Fluggesellschaft zunächst angegeben. Vielmehr hätten vier Passagiere den Flieger wieder verlassen sollen, um Platz für United-Angestellte zu machen, damit diese auf einem anderen Flug am nächsten Morgen arbeiten konnten.

Protest gegen United Airlines nach brutalem Übergriff gegen den Fluggast David Dao
© APA/AFP/Joshua Lott

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