Gewalt erschüttert Weißrussland: Wütende
Proteste gegen Wahlsieger Lukaschenko

Tausende Demonstranten versammelten sich in Minsk Autoritärer Präsident von 79,7 Prozent wiedergewählt<br>Oppositioneller von Polizei zusammengeschlagen

In Weißrussland hat der seit 1994 die frühere Sowjetrepublik mit harter Hand regierende Präsident Alexander Lukaschenko nach offiziellen Angaben bei der Wahl am Sonntag 79,7 Prozent der Stimmen erhalten. Die Wahlbeteiligung lag demnach bei 90,66 Prozent. Schon vor der Wahl galt als sicher, dass der 56-jährige Lukaschenko zu einer vierten Amtszeit kommt. Keinem der neun Gegenkandidaten waren reelle Chancen eingeräumt worden.

Zwar waren aktuell erstmals Wahlbeobachter zugelassen. Allerdings konnten 40 Prozent der Wähler ihre Stimmen vorzeitig abgeben, deren Auszählung sich den Blicken der Beobachter entzieht. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat bisher keine Wahl in Weißrussland als frei und fair eingestuft. Ihre Einschätzung zum aktuellen Urnengang wird mit Spannung erwartet. Die Opposition warf der Regierung Wahlbetrug vor.

Die Polizei hatte am Sonntagabend die Demonstranten in Minsk zunächst zwei Stunden gewähren lassen, schritt dann aber mit Schlagstöcken ein. Einige Demonstranten warfen daraufhin Steine und Schneebälle auf die Polizisten. Augenzeugen beobachteten, wie Regierungsgegner in Polizeifahrzeuge gebracht wurden. Oppositionsführer Andrej Sannikow wurde Anhängern zufolge festgenommen. Auch drei andere Präsidentschaftskandidaten sollen festgenommen worden sein. Zuvor hatten mehrere Oppositionelle bei einem Demonstrationszug Augenzeugen zufolge die Glastüren eines Regierungsgebäudes eingeschlagen, wurden von anderen Protestierenden aber gezügelt.

Oppositioneller verprügelt
Der Lukaschenko-Rivale Wladimir Nekljajew wurde nach Angaben von Anhängern bei einem Polizei-Einsatz zusammengeschlagen und bewusstlos ins Krankenhaus gebracht. Die Polizei hatten nach Angaben von Augenzeugen eine Versammlung seiner Partei aufgelöst und dabei Blendgranaten eingesetzt und in die Luft geschossen. EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek nannte den Vorfall völlig inakzeptabel: "Dieser feige Angriff auf einen wehrlosen weißrussischen Präsidentschaftskandidaten ist empörend und skandalös." Bei dem Einschreiten wurden Fotografen und Kameraleute von Sicherheitskräften zu Boden gebracht, damit sie den Vorfall nicht filmen konnten.

Das weißrussische Innenministerium erklärte indes, unbewaffnete Polizisten seien auf eine wütende Menge gestoßen. "Die Menge bewegte sich mit dem Ergebnis auf die Sicherheitskräfte zu, dass einige Polizisten verletzt und ins Krankenhaus gebracht werden mussten." Die staatlichen Sicherheitskräfte hatten vor der Wahl erklärt, sie würden jegliche Versuche zur Aufstachelung unterbinden.

(apa/red)