Gewalt an Schulen: Verbale Gewalt nimmt zu - Mobbing betrifft Mädchen und Burschen

Verstärkt Fortbildungsmaßnahmen für Lehrpersonal Gewaltausmaß insgesamt im EU-weiten Durchschnitt

Das Gewaltausmaß an österreichischen Schulen nehme nicht dramatisch zu, ist Dr. Harald Aigner von der schulpsychologischen Abteilung des Bildungsministeriums überzeugt. Vor allem die Situation der körperlichen Gewalt bleibe gleich, einen leichten Anstieg gebe es aber im verbalen Bereich.

So betreffe Mobbing an Schulen weibliche und männliche Schüler. Traditionell sei es aber eher eine Domäne der Mädchen. Konkurrenzverhalten laufe bei Burschen direkter ab, während Mädchen eher subtil vorgehen - Gerüchte verbreiten oder andere ausgrenzen. Generell gilt: "Je älter die Schüler, desto wahrscheinlicher wird so ein Vorgehen", sagte Aigner.

EU-weit im Durchschnitt
Insgesamt dürfte das Gewaltausmaß an den österreichischen Schulen dem EU-Durchschnitt entsprechen, stellte Aigner fest. Wie die Situation im Vergleich zu anderen Ländern aussehe, werde eine Untersuchung klären, die wahrscheinlich noch in diesem Jahr stattfinden werde.

Lehrer haben Schlüsselrolle
Als Präventionsmaßnahme werden in Österreich vor allem den Lehrern verstärkt Fortbildungen im Bereich Gewalt, Mobbing und Konfliktregelung angeboten, berichtete Aigner. Die Wahrnehmung der Lehrer sei von enormer Bedeutung. Sie dürften nicht wegsehen, sondern müssten Gewalthemen wahrnehmen und ansprechen.

Dialog statt Detektoren
Für wenig sinnvoll hält Aigner Metalldetektoren und Wachpersonal. Solche Maßnahmen hätten seiner Meinung nach nur Schock- und Aufmerksamkeitswirkung. Die Exekutive als Diskussionspartner, die den Schülern Grenzen aufzeigen kann, hält er hingegen für sinnvoll. Vielfach wüssten Schüler einfach nicht, was noch ein Scherz und was schon strafrechtlich relevant sei, ist Aigner überzeugt.

Zivilcourage ist gefordert!
Ein weiteres Problem sei die Zuschauerproblematik bei Gewalttaten, meinte Aigner. Schüler müssten diesbezüglich vor allem Zivilcourage lernen. Das bedeute, sich bei Konflikten auch einzumischen und nicht immer nur abseits zu stehen. (APA/red)