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Getreideernte 2017:
Deutliches Minus in Österreich

Weltweite Unterdeckung, aber Silos aus Vorjahren noch gut gefüllt

Die Getreideernte 2017 in Österreich wird ein deutliches Minus aufweisen: Nahezu 25 Prozent weniger als 2016, aber auch 13 Prozent unter dem 5-jährigen Durchschnitt. Das gab der Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich Franz Reisecker in einer Pressekonferenz am Dienstag in Linz bekannt.

Auch weltweit werde die Getreide- und Maisernte heuer erstmals seit 4 Jahren den globalen Bedarf nicht decken, stellte Reisecker fest. Momentan gehe man von einer Unterdeckung von etwa 30 Mio. Tonnen - vor allem durch eine geringere Maisernte - aus. Aber die Silos seien aus den Vorjahren noch gut gefüllt. Ob in Anbetracht der immer schwieriger werdenden Produktionsbedingungen die Zuwächse der vergangenen beiden Dekaden weiterhin realisiert werden können, sei mehr als ungewiss: "Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass der Klimawandel - auch wenn er noch immer von Manchen in Abrede gestellt wird - Realität ist."

In Österreich haben Hitze und Trockenheit dem Getreide zugesetzt. Die Ernteergebnisse zeigen laut Reisecker ein deutliches Ost-West-Gefälle. Vor allem die traditionellen Trockengebiete wie das nördliche Weinviertel oder auch das Nordburgenland haben demnach eine sehr schlechte Ernte eingebracht. Insgesamt wird für heuer mit 2,7 Mio. Tonnen statt 3,1 Mio. Tonnen im 5-jährigen Durchschnitt gerechnet.

Bei Weizen werden 1,4 Mio. Tonnen erwartet - um 15 Prozent weniger als im Durchschnitt der vergangenen 5 Jahre. Bei Gerste bedeuten heuer 720.000 Tonnen ein Minus von 9 Prozent. Zum Thema Braugerste meinte der Chef der Landwirtschaftskammer OÖ.: "Das Bier wird nicht ausgehen, aber die Versorgung könnte sich problematisch darstellen, da die Qualitätsparameter wie Eiweißgehalt oder Korngröße oft nicht erreicht werden."

Bei Triticale - eine Kreuzung aus Weizen und Roggen - wird die heurige Ernte auf 170.000 Tonnen geschätzt - das bedeutet einen Minderertrag von 19 Prozent. Bei Roggen werden mit 150.000 Tonnen gleich um 26 Prozent, bei Hafer mit 85.000 Tonnen um 11 Prozent weniger befürchtet

Bei der Prognose für Mais ist Reisecker noch vorsichtig. Sollte die Trockenheit weiter anhalten, würde dies die Maisernte im Herbst stark treffen. In den südlichen Bundesländern Kärnten und Steiermark dürfte - da die Niederschlagsversorgung dort deutlich besser war - mit einer Normalernte zu rechnen sein. Aber in Niederösterreich, im Burgenland und in Oberösterreich werde es wohl Ertragseinbußen geben. Das Vorjahresergebnis von insgesamt 2,1 Mio. Tonnen werde heuer deutlich verfehlt werden. In der Pressekonferenz wurden zur Veranschaulichung Pflanzen mit nicht mehr aufholbaren Rückständen bei Wuchshöhe und Größe der Kolben gezeigt.

Im Grünland und Futteranbau in Oberösterreich - dem Rinderland Nummer 1 in Österreich - waren die Erträge trotz Kälteeinbruch mit Frost und Schnee im April mit Schäden oder zumindest Stopp des Wachstums beim ersten Schnitt gut, beim zweiten zufriedenstellend. Aber die unterdurchschnittlichen Niederschläge im Juni und Juli brachten in vielen Regionen einen Totalausfall beim dritten Aufwuchs. Das könnte noch zu einem Futterengpass führen. Das aktuelle Regenwetter wird dabei als Segen empfunden: In Enns hat es in den vergangenen 4 Tagen mehr Niederschlag gegeben, als in den gesamten davorliegenden 4 Wochen.

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