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Von ELGA bis zur Zwei-Klassen-Medizin: 15 Facts zu unserem Gesundheitssystem

Arzt hört Patient mit Stetoskop ab © Bild: Corbis

Die Ärzte protestieren vorsorglich gegen das, was Bund und Länder derzeit ausverhandeln. NEWS befragte Experten, wie es wirklich um unser Gesundheitssystem steht.

1. Jeder von uns zahlt 3.624 Euro pro Jahr für die Gesundheit

Jedes Jahr kostet das Gesundheitssystem rund 30 Mrd. Euro. Ein Drittel davon kommt von Bund, Ländern und Gemeinden, also aus Steuern. 23 Prozent zahlen die Österreicher direkt über Privatversicherungen, Selbstbehalte und private Gesundheitsmaßnahmen. Der Rest kommt von den Krankenkassen, also aus den monatlichen Beiträgen.

2. In Österreich gibt es 20 verschiedene Krankenkassen

Jedes Bundesland hat seine eigene Gebietskrankenkasse, einige Berufsstände und sogar manche Firmen haben eigene Sozialversicherungen. Jede dieser Kassen hat ihre eigene Verwaltung, die Leistungen für die Versicherungen unterscheiden sich. Politisch wird oft der Ruf nach einer einheitlichen Kasse für alle laut.

3. Österreichs Spitäler kosten jährlich 11,5 Milliarden Euro

Österreichs Krankenhäuser sind der größte Kostenfaktor im Gesundheitswesen. Die Politik will hier Kosten einsparen. Einige Spitäler wurden bereits zusammengelegt, und es entstehen Schwerpunktkrankenhäuser. Diese Bestrebungen kollidieren allerdings mit den Vorstellungen mancher Bürgermeister und Landespolitiker.

4. Dürfen Krankenkassen Überschüsse erwirtschaften?

Sie dürfen nicht nur, sie müssen sogar. "Die Krankenkassen müssen schließlich für medizinische Ausnahmeereignisse gerüstet sein. Das Geld muss aber jedenfalls für Gesundheitsmaßnahmen reserviert
sein und effizient eingesetzt werden", sagt Gesundheitsökonom Christian Köck. Laut Hauptverband der Sozialversicherungsträger wird für heuer ein Gewinn von 100 Millionen Euro erwartet. Ungefähr so viel würde allerdings auch eine schwere Grippewelle an Zusatzkosten verursachen. Fällt diese heuer glimpflich aus, wird das Geld dazu verwendet, Schulden zu tilgen. Denn derzeit sitzen die Kassen auf einem Schuldenberg von 212 Millionen Euro. 2009 war es noch eine Milliarde Euro. Sollte es den Kassen nicht gelingen, auf Dauer Überschüsse zu erwirtschaften, wären gravierende Einschnitte im Gesundheitssystem die Folge.

5. Wie viel kostet unser Gesundheitssystem? Wie viel geben andere Länder pro Kopf aus?

Jeder Arbeitnehmer bezahlt monatlich 3,95 Prozent seines Bruttolohns (bis zu einer Höchstbeitragsgrundlage von 4.230 Euro) an die Krankenkasse, vom Dienstgeber kommen noch einmal 3,7 Prozent. Insgesamt erhalten die Sozialversicherungen so jährlich 14,7 Milliarden Euro. Das bedeutet: Wer 2.000 Euro brutto verdient, zahlt per Pflichtversicherung 79 Euro im Monat direkt ins Gesundheitssystem. Und zusätzlich berappt jeder noch sehr viel mehr über Steuern. Denn Bund, Länder und Gemeinden tragen rund zehn Milliarden Euro pro Jahr zu den Gesundheitskosten bei.

Im Europa-Vergleich liegt Österreich mit Pro-Kopf-Kosten von 3.624 Euro jährlich auf Platz 6. Spitzenreiter ist Norwegen mit 5.425 Euro, Schlusslicht Polen mit 560 Euro. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) reiht unser Gesundheitssystem übrigens weltweit auf Platz 9, gemessen an der Erfüllung der Gesundheitsziele und den verwendeten Ressourcen. Auf Platz 1 liegt Frankreich, vor Österreich liegen zudem Staaten wie San Marino, Andorra oder der Oman. Deutschland liegt in der WHOReihung deutlich hinter Österreich auf Platz 25. Den letzten Platz (191) hat Sierra Leone.

6. Warum muss man bei Kassenärzten trotz Terminvereinbarung oft stundenlang warten? Und wieso bekommt man z. B. bei Augenärzten erst nach Monaten einen Termin?

Die Ärztekammer rechtfertigt lange Wartezeiten trotz Termin mit Notfällen und intensiven Arzt-Patienten-Gesprächen. Fakt ist aber auch, dass manche Ärzte ihre Praxis nicht gut genug organisieren und mehr Patienten einteilen, als sie in ihrer Ordinationszeit vernünftig behandeln können. Doch das ist auch eine Geldfrage: Da das Kassenhonorar für Ärzte pro Patient wesentlich niedriger ist als jene Honorare, die Privatärzte verlangen können, macht die Masse den Gewinn aus. Bei manchen Fachgebieten gibt es zudem zu wenige Kassenstellen. In ganz Österreich ordinieren nur 600 Kassen-Augenärzte. Darum dauert es Monate, bis man einen Termin bekommt.

7. Warum gibt es kaum Praxen, die am Wochenende geöffnet haben, wenn die Ambulanzen so überlastet sind?

Auch das ist eine Geldfrage: Die Ärzte verlangen von den Sozialversicherungen ein deutlich höheres Honorar für Wochenenddienste. Diese sind allerdings nicht bereit, das zu bezahlen. Zudem ließen sich Wochenenddienste besser in Facharztzentren organisieren, wo sich die Mediziner abwechseln und die Ambulanzen entlasten könnten. Ein Gesetz für Gruppenpraxen gibt es. Die Mediziner haben aber wenig Interesse, da sie in Einzelpraxen mehr verdienen können.

8. Gibt es in Österreich eine Zwei-Klassen-Medizin?

Ja. "Dass man sich in Österreich das Abkürzen der Warteliste erkaufen kann, ist unbestritten", sagt Köck. Erlaubt ist das Ärzten in öffentlichen Spitälern freilich nicht. Die "saubere" Möglichkeit der Zwei-Klassen-Medizin ist, mit einer Zusatzversicherung in ein Privatspital zu gehen. Köck warnt allerdings: "Es ist gar nicht sicher, dass man in einem Privatspital wirklich besser versorgt ist. Denn im öffentlichen Krankenhaus ist die Infrastruktur meist besser, und Notfälle aus den Privatspitälern werden dann ja auch dorthin gebracht." Dazu kommt: "Wenn ein berühmter Chirurg einen Patienten operiert und dann über Pfingsten fünf Tage nicht erreichbar ist, traut sich keiner, seine Fälle anzugreifen."

9. Warum haben immer mehr Leute eine private Zusatzversicherung?

2,8 Millionen Österreicher haben bereits eine private Zusatzversicherung abgeschlossen. Die Gründe: Stundenlanges Warten in Kassenpraxen erzeugt bei vielen das Gefühl, dass sie es anders schneller haben könnten. Bei Wahlärzten gibt es oft schneller einen Termin, man wartet kürzer, und sie können sich aufgrund des hohen Honorars auch mehr Zeit für ihre Patienten nehmen. Zudem erhoffen sich viele über einen Privatarzt Vorteile im Krankenhaus, wenn dieser auch dort tätig ist. In Spitälern kann man in Ein- bis Zweibettzimmern komfortabler gesunden und sich den behandelnden Arzt aussuchen. Nebenwirkung: Die hohen Kosten muss man sich erst einmal leisten können und wollen. Der Politik sind die vielen privaten Krankenversicherungsverträge nur recht. Denn so wird ein erklecklicher Teil der Arztkosten privat und nicht vom öffentlichen Gesundheitssystem getragen.

10. Wäre ein privates Gesundheitssystem besser?

Nein. Das österreichische System ist ein solidarisches. Jeder erhält die gleiche Leistung im öffentlichen Gesundheitswesen, egal, wie hoch sein Einkommen ist, wie alt er ist oder wie krank er ist. Das Beispiel Deutschland zeigt: Private Krankenversicherer, die viele Leistungen bezahlen, nehmen bevorzugt Kunden mit gutem Job, ohne Grunderkrankungen – und ohne Kinder. Köck kritisiert außerdem: "In einem Wettbewerb privater Versicherer fließt ein geringerer Teil der Beiträge in die medizinische Versorgung der Kunden und mehr Geld ins Marketing und in die Werbung. Außerdem gibt es immer einen Teil der Bevölkerung, der sich die private Versicherung nicht leisten kann. Da findet dann eine Desolidarisierung statt, die weder ökonomisch noch moralisch erstrebenswert ist."

11. Ab wann ist man zu alt für eine Operation?

Es gibt kein Alterslimit für Operationen in Österreich. Künstliche Gelenke werden auch im hohen Alter noch eingesetzt. Voraussetzung: Die Patienten sind noch fit genug, um eine mehrstündige Operation zu überstehen. Die Gefahr, dass in Österreich sogenannte "britische Verhältnisse" entstehen können, also dass aus finanziellen Gründen nicht mehr jeder Patient jede Operation bekommen kann, sieht Köck nicht. "Allerdings muss man auch in Österreich das Geld wirklich sinnvoll einsetzen und Ineffizienzen in der Verwaltung verhindern."

12. Wieso sind so viele Ärzte überlastet und haben ein Burnout?

Ärzte haben einen schweren, verantwortungsvollen Beruf und arbeiten oft am Limit. In den Spitälern sind Arbeitszeiten von mehr als 72 Wochenstunden keine Seltenheit. Die Folge: Bereits 54 Prozent der Mediziner sind gefährdet, an einem Burnout zu erkranken. Abhilfe könnten mehr Planstellen an den Spitälern schaffen. Doch da ist man wieder einmal bei der Kostenfrage. Fertig ausgebildete Ärzte würde es genügend geben. Derzeit arbeiten allein in Deutschland mehr als 2.000 österreichische Ärzte.

13. Jammern wir über unser Gesundheitssystem auf hohem Niveau?

Jein. Das Jammern ist insofern berechtigt, meint Köck, als man "mit demselben Geld das Gesundheitssystem auch besser gestalten könnte". Das sei auch das Ziel der aktuellen Gesundheitsreform und könne gelingen, "wenn sich die Politik nicht von der Ärztekammer einschüchtern lässt". Jammern sei berechtigt, wenn es "Sinnlosleistungen und lange Wartezeiten für Patienten gibt und man für eine Diagnose fünfmal im Kreis geschickt wird". "Jammern auf hohem Niveau" ist es allerdings, weil jeder Mensch in Österreich für vergleichsweise moderate Beiträge medizinische Spitzenleistungen erhält.

14. Was genau will die Ärztekammer?

Warum blockiert sie jede Reform, und schadet sie damit dem Ruf der Ärzte? "Es wäre ein Kollateralnutzen der jetzigen Protestaktionen der Ärztekammer, wenn die Politik diesmal nicht nachgibt", sagt Köck. "Damit wäre ein Damm gebrochen. Denn es hat nie gestimmt, dass sich die Ärztekammer um die Patienten sorgt, ihr geht es um die Interessen ihrer Mitglieder, der Mediziner." Die Kammer warnt hingegen vor der Gesundheitsreform als "größtes Sparpaket, das Österreichs Gesundheitswesen je gesehen hat". Sie fordert 1.000 zusätzliche Arztstellen, eine Entlastung der Ambulanzen, eine Stärkung des Hausarztes und den Ausbau der Gesundheitsvorsorge.

Doch der eigentliche Auslöser für ihren Unmut ist, dass Gesundheitsminister Alois Stöger die Standesvertreter nicht an den Verhandlungstisch lässt. Er berät derzeit nur mit jenen, die das Gesundheitssystem auch finanzieren: Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen. Vielleicht auch deshalb, weil die Ärztekammer in den letzten Jahren zu jeder Neuerung erst einmal lauthals Njet sagte. Was heute Standard ist, musste ihr mühsam abgerungen werden, etwa die E-Card, die Rufbereitschaft der Ärzte in den Spitälern oder zuletzt in 18 Monaten Verhandlung die elektronische Gesundheitsakte, ELGA.

Ihrem Ruf schadet die Ärztekammer bisher vor allem bei den eigenen Mitgliedern. Viele stehen den Reformen eigentlich aufgeschlossen gegenuber und argern sich uber die starre Blockadehaltung der Kammerspitze. In der Bevolkerung allerdings geniesen die Arzte nach wie vor groses Vertrauen. Und die aktuellen Plakate, die das Verschwinden von Spitalern, Rettungswagen oder Arzten suggerieren, machen vielen Menschen doch Sorgen. Das ist mit ein Grund, warum die Politik der Kammer gegenuber derzeit auf stur schaltet.

15. Erfahrt mein Arbeitgeber uber ELGA, was ich habe?

Die elektronische Gesundheitsakte wird ab Janner 2013 stufenweise eingefuhrt, ab 2016 sollen flachendeckend alle Arztpraxen, Spitaler und Apotheken damit arbeiten. Gespeichert werden Entlassungsbriefe aus dem Spital, Labor- und Radiologiebefunde sowie verordnete Medikamente. In einem weiteren Schritt sollen auch der Impfpass, Notfalldaten und Patientenverfugungen abrufbar werden. Die Arztevertreter furchten mehr Aufwand durch die vielen Informationen, mehr Burokratie und sorgen sich um die Datensicherheit.

Die Befurworter von ELGA sagen allerdings, das Gesundheitssystem werde transparenter, Mehrfachbefunde und -verschreibungen wurden vermieden, was Kosten spare. Deswegen furchteten die Arzte um ihre Einkommen. Spitaler, Arzte und Apotheker hatten den gleichen Wissensstand, mussten sich nicht muhsam auf die Suche nach Vorbefunden machen. Die Nachbehandlung von Spitalspatienten bei niedergelassenen Arzten wurde besser funktionieren.

Fur die Patienten heist es: Nicht jeder muss bei ELGA mitmachen. Wer verhindern will, dass seine Gesundheitsdaten gespeichert werden, oder einzelne Diagnosen nicht in seiner elektronischen Krankenakte aufscheinen lassen will, muss das allerdings schriftlich bei einer ab 2013 geplanten Ombudsstelle bekannt geben. Mittels E-Card lesen konnen die elektronische Gesundheitsakte nur Arzte, Apotheken und Spitaler. Der Chef kann nicht in die Krankenakte schauen. Zumindest diese Sorge um das Gesundheitssystem scheint unberechtigt.

Noch mehr wichtige Facts über unser Gesundheitssystem lesen Sie im aktuellen NEWS 49/12!

Kommentare

Laserstrahl

wier haben schon lange eine 3 klassen medizin www.aerztepfusch.at

derpradler

Zwei Klassen Medizin, das war einmal! Inzwischen haben wir schon lange eine Mehrklassen Medizin! Sämtliche Strukturänderungen, die uns als Fortschritt verkauft wurden, haben für die Patienten nur Nachteile gebracht. Die Selbstbehalte sind für VIELE schon nicht mehr bezahlbar und die freie Wahl der ÄRZTE wird permanent eingeschränkt.Chronisch Kranke werden schamlos abkassiert, ......

wie bei anderen *dienstleistern* muss man sich auch einen passenden arzt suchen-wir hatten in 13 jahre wien nach etwas suchen glück bei den hausärzten-warten musste man mit termin nie länger als 20 min, bei überweisung zum facharzt wurde ein termin von der ordinationshilfe gemacht und als ich feuchtblattern hatte, ka der täglich vorbei-ohne privatanteil. das vertauen war da und wir fühlten uns in guten händen-als die doks begannen zu demonstrieren, bat er dass die patienten mitmarschieren. schaut euch mal die auszüge der kassen an-ein hausarzt bekommt ca 35€ pro besuch, ein pathologe €90.....(zumindest war dem bei meinem letzten auszug so) - 1 mal musste ich zu nem privatdok und es kostete mich 90€ - wenn man auf privat inly umsteigt, würden die *krankfeier* patienten sicher dramatisch runtergehen und die wartezeiten würden sich verkürzen

Seit 2004 beschäftige ich mich mit dem Umbau des Steuersystems. Nicht mehr Arbeit sonder Resourcen besteuern.

Dabei fällt auf, es gibt Energieintensive und Arbeitsintensive Firmen.
Wer beim Umbau des Steuersystem verliert ist eine energieintensive Firma. Wer beim Umbau des Steuersystem gewinnt ist eine arbeitsintensive Firma.

Überraschung dabei, sogar ein Taxiunternehmen ist eine arbeitsintesive Frima, weil diese von höheren Steuern auf fossile Energie und niederen Belastungen auf Arbeit profitiert.

Das Gesundheitswesen ist dabei natürlich eine extem arbeitsintensive Unternhemung.

Das bedeutet geringere Gesundheitskosten, weil die eben derzeit steuerlich sehr hoch belastet sind.

Laserstrahl
Laserstrahl melden

www.aerztepfusch.at Die Spital Mafia - Das Geschäft mit der Lüge

freud0815 melden

hört sich interssanht an-ein zahnarzt in wien zog mir mal einen zahn, obwohl ich ihn darauf hinwies, dass die spritze nicht wirkte-die wurzel brach auch nich ab und schaffte sich nachts den weh in die kieferhöhle inkl abgebrochener bohrerspitze-der typ hatte auch noch den nerv mir eine mahnung zu schicken wegen einem *desinfektionsstreifen*-tun konnt man nix dagegen....

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