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Gefährliche Medikamente
aus dem Internet

Gefälschte Arzneien können Staub, Dreck und Gift enthalten - Aufklärungskampagne

Pillen © Bild: iStock

Wer rezeptpflichtige Medikamente im Internet ersteht, macht sich zwar nicht strafbar. Er geht aber das Risiko ein, ein gefälschtes Mittel zu kaufen, das im besten Fall wirkungslos und im schlimmsten Fall gesundheitsschädlich ist. Aus diesem Grund haben Behörden und Apothekerkammer eine Aufklärungskampagne unter dem Titel "Auf der sicheren Seite" gestartet, die in Wien präsentiert wurde.

Dass Information nottut, zeigt eine Umfrage unter Internet-Usern im Alter von 18 bis 70 Jahren, laut der praktisch jeder Zweite nicht wusste, dass der Verkauf rezeptpflichtiger Medikamente über das Internet in Österreich verboten ist. Auch die Rezeptpflicht wird vielfach falsch eingeschätzt: 60 Prozent der Kenner eines Produkt glauben, dass testosteronhältige Medikamente - hormonelle Präparate zum Muskelaufbau - rezeptfrei im Internet erhältlich sind. 31 Prozent meinen, dass Potenzmittel wie Viagra rezeptfrei zu bekommen sind, wie Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) bei einer Pressekonferenz sagte. "Die AGES Medizinmarktaufsicht hat in den letzten Jahren mehr als 4.000 Verdachtsproben analysiert. 95 Prozent aller dieser getesteten Proben waren gefälschte oder illegale Produkte", berichtete Oberhauser.

Dimensionen wie bei Drogenhandel

"Das Internet ist zu einem Umschlagplatz für gefälschte Medikamente geworden", warnte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). Und die enthalten im schlimmsten Fall Staub, Dreck und Gift, von Produktion und Handel profitiert die Organisierte Kriminalität in Dimensionen, die bereits mit denen des Drogenhandels verglichen werden. Hergestellt wird ein Gutteil der Fälschungen in Indien, China und Südostasien, wie Apothekerkammer-Präsident Max Wellan erläuterte. Erst jüngst sei eine Schiffsladung Schmerzmittel im französischen Hafen Le Havre abgefangen worden. Die WHO schätzt den Jahresumsatz auf 100 Milliarden US-Dollar.

Welche Medikamente sind betroffen? Sabine Oberhauser klärt auf:

Aufklärungskampagne

Die Aufklärungskampagne der Ministerien und der Kammer besteht aus fünf Elementen: Zum ersten ist ab heute eine Interseite (www.auf-der-sicheren-seite.at)abrufbar – über diese Internetseite kann man sich informieren: Wie kommt man an sichere Medikamente heran? Was tun, wenn ich bereits ein gefälschtes Medikament konsumiert habe? Das heißt eine Internetplattform, auf der ich aktiv Informationen abrufen kann. Zum zweiten gibt es ab sofort Warnhinweise auf Google , das heißt, wenn man nach Medikamenten sucht, gibt es hier Warnungen. Zum dritten wird es Werbebanner auf den großen Internetseiten geben. Zum vierten wird es ein Youtube-Video geben, mit dem Inhalt, wie gefährlich gefälschte Medikamente sein können und zum fünften wird es eine großangelegte Postkartenaktion für die Apotheken und die Sportvereine geben, wie "o-ton.at" berichtet. Der Österreichische Apothekerverband informiert über das Soziale Netzwerk Facebook (www.facebook.com/fakesdontcare) über aktuelle Fälle und gesundheitliche Folgen von Arzneimittelfälschungen und über Aufgriffe Krimineller.

Die Umfrage im Auftrag der Apothekerkammer brachte auch zutage, dass 47 Prozent Medikamente in einem Online-Shop bestellen würden, wenn dieser seriös und professionell gestaltet ist. "Das wissen auch die Kriminellen", sagte Wellan. Unseriöse Anbieter im Internet zu erkennen, ist also nicht unbedingt einfach. "Dass gewisse Medikamente rezeptpflichtig sind, hat seinen guten Grund", sagte der Apothekerkammer-Präsident. Und der liegt in der Regel darin, dass eine Grunderkrankung abzuklären ist. Also ist auch ein Mann mit Viagra-Bedarf und damit verbundener Peinlichkeit gut beraten, zu einem Arzt zu gehen.


Die heimischen Apotheker starten zudem am 25. Juni selbst einen Versandhandel - allerdings ausschließlich für rezeptfreie Arzneimittel.

Zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen

Die Pharmig kündigte zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen der Pharma-Industrie an, die das Einschleusen von Fälschungen in die legale Lieferkette verhindern sollen. Jede rezeptpflichtige Arzneimittelpackung wird mit einer Seriennummer ausgestattet, die mit Chargennummer und Ablaufdatum des Medikaments in einen zweidimensionalen Barcode verschlüsselt wird. So kann in Zukunft jede Arzneimittelpackung identifiziert werden. Die pharmazeutische Industrie investiere auf europäischer Ebene bis zu elf Milliarden Euro in diese Sicherheitsmaßnahme, erklärte Generalsekretär Jan Oliver Huber in einer Aussendung. Die neuen Maßnahmen sollen voraussichtlich Ende 2018 umgesetzt sein.

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