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Lässt Gelähmte gehen

Intelligenter Roboter zum Umschnallen ermöglicht Gehbehinderten erste eigene Schritte

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    Gehen mittels Roboter

    Testpilotin Amanda Boxtel lacht, während sie ihre ersten Schritte seit 20 Jahren macht.

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    Gehen mittels Roboter

    Damals fesselten sie die Folgen eines Skiunfalls an den Rollstuhl.

Amanda Boxtel ist die Erste, die "Ekso" offiziell testen darf. Die Premiere zaubert der querschnittsgelähmten Testpilotin ein breites Lachen aufs Gesicht. Sie sitzt auf einem Stuhl, um sie herum das Gerät. Der Ingenieur Thomas Dwyer hilft ihr beim Anlegen. Und dann macht sie ihren ersten Schritt seit 20 Jahren.

Amanda Boxtel hatte als junge Frau einen Skiunfall und ist seitdem querschnittgelähmt. Für sie wird, so wie für alle, die an den Rollstuhl gefesselt sind, mit dieser Erfindung ein Traum wahr: ein intelligenter Roboter, mit dem gehbehinderte Personen gehen können.

Erkennt Bewegungsabsichten des Trägers
Entwickelt wurde der batteriebetriebene Roboter laut "grenzecho.net" ursprünglich fürs Militär. Studenten der Universität von Berkeley wollten eine Gehilfe schaffen, mittels der Soldaten rund 100 Kilo Last tragen könnten, ohne gesundheitliche Schäden zu riskieren. Das Gerät wird wie ein äußeres Skelett - ein sogenanntes Exoskelett - auf den Körper angelegt. Gesteuert wird es über Handbewegungen, die von Sensoren wahrgenommen werden. Ein Computer sorgt dafür, dass der Roboter die Bewegungsabsichten seines Trägers in Echtzeit erkennt.

In Rehakliniken getestet und weiterentwickelt
Die US-Firma Ekso Bionics hat die Idee aufgegriffen und den "Ekso" für Patienten mit Gehbehinderungen entwickelt. In amerikanischen Rehakliniken soll die neue Technologie nun u.a. an Querschnittgelähmten, Schlaganfall- und Multiple-Sklerose-Patienten getestet und für den heimischen Gebrauch weiterentwickelt werden, so der Geschäftsführer Eythor Bender. Dabei soll untersucht werden, ob die Geräte einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben. So könnten etwa Wundstellen vermieden, die Durchblutung gefördert, Osteoporose eingedämmt und Gelenke flexibel gehalten werden.

Ab 2013 zu haben
Bereits im Frühjahr könnten auch in Europa die ersten Roboter zum Einsatz kommen. Die Verwendung im heimischen Gebrauch sei ab 2013 denkbar. Der Roboter soll auch Treppen steigen können. Kostenpunkt: 50.000 bis 60.000 Euro. In der Zwischenzeit haben die Wissenschafter aber noch einiges zu tun: Das Hauptproblem ist die Batterie. Sie hält nur vier Stunden. Zudem sei die Technik, so Rüdiger Rupp vom Universitätsklinikum Heidelberg gegenüber "grenzecho.net", nur bei bestimmten Patienten anwendbar. Voraussetzung sei beispielsweise, dass der Brust- und der Lendenwirbelbereich ausreichend stabil und die Gelenke beweglich sind.

Konkurrenten bereits im Handel
Der Ekso ist nicht das erste Gerät dieser Art. Weltweit gibt es rund vier Systeme, die ähnlich funktionieren. Eines davon ist bereits im Handel.