Gesundes Empfinden

Markus R. Leeb über die schon vergessene Gier Schreiben Sie uns Ihre MEINUNG zu diesem Thema

Die Inhaftierung von Julius Meinl V., vielfach als Tiefstpunkt der ehemals stolzen Unternehmerdynastie kommentiert, stellt gleichsam den – vorläufigen – Höhepunkt der österreichischen Aufarbeitung der kapitalistischen Turbo-Periode dar. Das „gesunde Volksempfinden“ wäre an sich befriedigt, hätte der Banker nicht für eine unglaubliche Kaution die Freiheit wiedererlangt. Die Unschuldsvermutung lassen wir gelten, am liebsten hinter Gittern.

Genaue Umstände vergessen wir. Wie diese Begebenheit: Anfang April 2007 sprach ich mit einem Vorstand einer heimischen Bank. Dieser Finanzexperte erklärte mir, dass der bevorstehende Börsengang von Meinl Airports International (MAI) sensationell werde. Warum er diese Papiere seinen besten Kunden wärmstens empfehlen wolle: „Wissen Sie, die Meinl-Gesellschaften sind in Jersey beheimatet, und das hat einen großen Vorteil. Meinl kann jederzeit ohne Meldung Aktien zurückkaufen und den Kurs stützen. Das klappt bei der Meinl European Land (MEL) hervorragend. Der Kursverlauf geht immer nach oben“, raunte mir der Banker zu. Das Meinl-System, übrigens nicht das einzige seiner Art, hatte einen Motor: Gier. Auch die Gier der Anleger.