Wiener Staatsoper von

Walzerseligkeit und
Jazz im Wienerwald

Susanne Zobl über HK Gruber Horvaths-Vertonung „Geschichten aus dem Wienerwald“

Geschichten aus dem Wienerwald © Bild: Theater an der Wien

Horvaths Stücktexte sind wie Partituren, musikalische Sprachkunstwerke. Wie aufregend es sein kann, sie trotzdem zu vertonen, hat der österreichische Komponist Gerhard Schedl Anfang der Neunzigerjahre mit „Glaube Liebe Hoffnung“ gezeigt. Nun verarbeitete HK Gruber „Geschichten aus dem Wienerwald“ zur Oper.

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Horvath hat ein abgründiges, alptraumhaftes Seelendrama geschaffen. Ein Text, voller Schärfe und Bitterkeit erzählt die Geschichte von Marianne, Tochter eines Spielwarenhändlers, die den Nachbarsohn, einen grobschlächtigen Fleischhauer, heiraten soll, sich aber in den Strizzi Alfred verliebt, ein Kind in die Welt setzt und am Leben scheitert. Michael Sturminger hat das Libretto aus Horvaths Text gefertigt und Regie geführt. Die Handlung versetzt er in die Gegenwart. Auf Renate Martins und Andreas Donhausers düstere Bühne werden je nach Bedarf Aulandschaften, eine Wiener Gasse oder die Alte Donau projiziert, sogar der Donauturm ist zu sehen.

Geschichten aus dem Wienerwald
© Theater an der Wien

Das ist so gefällig wie Grubers Musik, ein Amalgam aus diversen Stilrichtungen, ein tonales Geflirre aus Strawinskyartigen Versatzstücken, Walzerklängen und verjazzten Wiener Liedern. Das klingt, hat Rhythmus, wie man es von Gruber kennt. Der Klangkünstler bleibt seiner Musiksprache treu, er tut niemandem weh, so wie Horvath. Einen der zentralen Sätze des Stücks spricht Oskar zu Marianne: „Du wirst meiner Liebe nicht entgehen“. Weshalb ausgerechnet dieser Satz im Duett mit Marianne verblasst, ist nicht nachzuvollziehen.

Geschichten aus dem Wienerwald
© Theater an der Wien

Dass Horvaths Schärfe aber nicht ganz in der Klangseligkeit aufgeht, ist vor allem Anja Silja und Daniel Schmutzhard zu verdanken. Silja, ein Ereignis, personifiziert als dämonische kindstötende Großmutter das Böse: Schrill, grell, kraftvoll tritt sie ihrem Enkel Alfred gegenüber. Und den zeigt Daniel Schmutzhard als öligen, abgründigen Hallodri. Mit seinem wohlklingenden Bariton steht ihm ein breites Klangspektrum zur Verfügung und das nützt er in jeder Nuance.

Angelika Kirchschlager logiert als Trafikantin Valerie unter dem, was man eine Luxusbesetzung nennt. Ilse Eerens,eine fragile Marianne, meistert klar und schön extreme Höhen der anspruchsvollen Partie. Jörg Schneider ist ein Oskar von sparsamer Schärfe.
Alfred Pesendorfer, Alexander Kaimbacher, Anke Vondung, Michael Laurenz und Markus Butter stellen den Rest des achtbaren Ensemble.
Und die Wiener Symphoniker musizieren formidabel unter dem Dirigat von KH Gruber.
Weitere Vorstellungen am: 16., 18., 21., 23. März.

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