Geringer Glanz der ÖVP-Außenministerin:
Porträt der berdängten Kärtnerin Plassnik

Musste herbe Kritik der "Kronen Zeitung" einstecken Konnte aber international großes Ansehen gewinnen

Geringer Glanz der ÖVP-Außenministerin:
Porträt der berdängten Kärtnerin Plassnik © Bild: Reuters/Föger

Sie war bis zuletzt unbeeindruckt - nicht nur von Kritik der "Kronen Zeitung" sondern auch von der Partei-Räson. Ursula Plassnik will nicht mehr Außenministerin sein, wenn Außenpolitik in der ÖVP nicht nach ihren Vorstellungen gemacht wird. Zusätzlich dürfte der 1,90 Meter überragenden Kärntnerin nicht gepasst haben, dass künftig kein Staatssekretär an ihrer Seite gewesen wäre. Damit ist die Ära Wolfgang Schüssels in der ÖVP wohl endgültig zu Ende, nachdem auch seine engste Vertraute nicht mehr in der künftigen Regierung vertreten ist.

Dabei hatte zuletzt viel darauf hingedeutet, dass Plassnik bleibt. Nicht dass VP-Chef Josef Pröll ein so großer Fan von ihr gewesen wären, doch verlangte der Druck der "Krone" gegen die Außenministerin wegen deren EU-Politik eine Gegenreaktion der Partei. Dass sie nun geht, war ihre eigene Entscheidung, die aber so manch anderer neuer Parteigröße wohl eine ziemliche Freude gemacht hat. Statt zurück auf den Minoritenplatz dürfte es für Plassnik nun in eine exklusive Botschaft in Übersee gehen.

Internationales Ansehen
Plassnik ist international ja durchaus angesehen, auch wenn die breite Öffentlichkeit ihre Erfolge wohl nicht so leicht bemerkt hat. Immerhin holte sie zuletzt die Sahara-Geiseln nach deren monatelanger Gefangenschaft persönlich heim, einer ihrer wenigen Prestige-Erfolge. Dass Österreich wieder einmal einen Platz im UNO-Sicherheitsrat erhalten hat, ist hingegen wenig spektakulär. Die Gegenkandidaten waren die menschenrechtlich stets umstrittene Türkei und das vor dem Staatsbankrott stehende Island.

Plassnik gilt als glühende Europäerin. Sie sparte sogar nicht mit Kosten, als es darum ging, das Außenministerium in Ministerium für europäische und internationale Angelegenheiten umzubenennen. Trotzdem schaffte es auch Plassnik nicht, die EU-Begeisterung in Österreich anzufachen. Durch Kennzeichnung von durch die Union ermöglichten Projekten wollte sie zumindest Bewusstsein schaffen, dass Europa auch für die Österreicher so einiges tut.

Harte Verhandlungsführerin
Dabei scheute sich Plassnik auch auf europäischer Ebene nicht, auch mal die nationalen Interessen zu vertreten. Im Oktober 2005 hatte sie im Auftrag Schüssels gegen alle ihre EU-Kollegen die Position Österreichs zu vertreten, wonach Verhandlungen mit der Türkei nur dann zu führen seien, wenn die Aufnahmefähigkeit der EU als Bedingung für einen Beitritt zur Union festgelegt werde. Plassnik trieb damals die anderen Außenminister mit ihrer an Sturheit grenzenden Standhaftigkeit zur Weißglut. Immerhin, Anerkennung schuf sie sich über die österreichischen Grenzen hinaus.

Die Außenministerin ist in der Öffentlichkeit durchaus nicht unbeliebt, auch wenn man ihr keinesfalls vorwerfen kann, der Bevölkerung nach dem Maul zu reden. Bei politischen Mitbewerbern, Journalisten und auch ihren Untergebenen gilt die gebürtige Kärntnerin hingegen als schwierig. Plassnik tritt oft unterkühlt auf, gilt als herrisch und wie ihr Förderer Schüssel als absolut medienfeindlich. Im Ministerrat der letzten rot-schwarzen Koalition galt die ausgebildete Diplomatin als Stimmungskillerin mit Neigung zu langen belehrenden Vorträgen.

Große Herzlichkeit
Privat soll die ausgebildete Diplomatin ganz anders sein. Langjährige Freunde schreiben ihr eine besondere Herzlichkeit zu, etwa die frühere Grüne Vizechefin Madeleine Petrovic, eine alte Studienkollegin. Die Sahara-Geiseln berichteten nach ihrer Befreiung von einer vor Rührung weinenden Außenministerin. Andererseits wurde ihr unterstellt, auf die Tsunami-Katastrophe zu kühl reagiert zu haben.

Ihr Privatleben hält Plassnik diskret, Klatschspalten sind nicht das ihre. Gesehen wird sich höchstens bei Kultur-Events. Als einzige Leidenschaft gilt das Sammeln von Converse-Turnschuhen. Verheiratet war Plassnik zwei Mal, mit dem heutigen - SPÖ-nahen - Parlamentsdirektor Georg Posch und mit dem Schweizer Diplomaten Gerard Stoudmann.
(apa/red)