Geprügelte Schweden denken an 2010:
Vorher genaue Analyse des Russlandspiels

Lagerbäck-Team anerkennt Russlands Topleistung Batterien für kommende WM-Qualifikation aufladen

Geprügelte Schweden denken an 2010:
Vorher genaue Analyse des Russlandspiels © Bild: Reuters/Ordonez

Von der Papierform her war Schweden für das Entscheidungsspiel der Gruppe D gegen Russland als Favorit gehandelt worden. Im Vorfeld zeigten sich die Skandinavier auch zuversichtlich, die Hürde Russland zu nehmen, schon ein Remis hätte für den Aufstieg genügt. Doch die Spieler um Superstar Zlatan Ibrahimovic wurden von den jungen Wilden aus Russland brutal aus ihren Viertelfinal-Träumen gerissen. Der 0:2-Endstand spiegelte nicht wider, wie chancenlos die Schweden tatsächlich waren.

"Gratulation an Russland, sie waren klar besser als wir", musste Schwedens Langzeit-Trainer Lars Lagerbäck, der aber nicht von einem "Kollaps" seines Teams sprechen wollte, anerkennen. "Wir waren einfach zu passiv und haben uns viel zu sehr zurückgezogen."

Als Roman Pawljutschenko vom Stranzl-Club Spartak Moskau in der 24. Minute Russland in Führung geschossen hatte, durfte Schweden noch hoffen, zumindest ein Unentschieden zu schaffen. Altstar Henrik Larsson köpfelte bereits drei Minuten später an die Querlatte, vor dem Pausenpfiff hatten noch Fredrik Ljungberg und Johan Elmander große Chancen. Doch das 2:0 für Russland durch Superstar Andrej Arschawin in der 50. Minute brach den skandinavischen Widerstand, das Lagerbäck-Team musste sich am Ende bei Torhüter Andreas Isaksson bedanken, dass es kein Debakel gab.

"Das war heute nicht unser Tag"
"Das zweite Tor hat uns aus dem Rhythmus gebracht. Das war heute nicht unser Tag", bekannte Lagerbäck, der daran erinnerte, dass er zuletzt drei Mal en suite mit dem Nationalteam in die "K.o.-Phase" einer WM (2002 und 2006) bzw. EM (2004) eingezogen war. "Jetzt bin ich sehr enttäuscht, denn ein Aus nach der Gruppenphase haben wir zuletzt bei der EM 2000 in Belgien und den Niederlanden erlebt."

Für den nach Knieproblemen nicht topfiten Stürmer Zlatan Ibrahimovic, der die 90 Minuten im Innsbrucker Tivolistadion durchspielte, lag der Ursache für die vorzeitige Heimreise auch in der Schlussszene des zweiten Gruppenspiels vier Tage zuvor begründet. "Das späte Gegentor in der Nachspielzeit, das Spanien den 2:1-Sieg gesichert hat, hat uns mental gebrochen und uns nur Probleme gebracht", erklärte der Inter-Mailand-Torjäger.

Goldgriff Hiddink
Die schwedische Mannschaft, die nach Spielschluss noch in der Nacht zurück nach Lugano flog und danach in die Heimat zurückkehrte, war aber derselben Meinung wie ihr Trainer: Russland war klar besser. Man sei auch nicht von der Stärke überrascht gewesen, weil man aus den Videoanalysen den Gegner genau kannte, meinte Ibrahimovic, der den Aufstieg Russlands zu einer neuen Macht im europäischen Fußball sah. "Mit dem niederländischen Trainer Guus Hiddink hat Russland einen Goldgriff getan", betonte "Ibra".

"Russland ist ein sehr gutes Team. Das Resultat im Spiel gegen Spanien war kein Gradmesser", pflichtete Trainer Lagerbäck seinem Superstar bei. Der Langzeit-Coach traut Hiddinks Jungteam nun sogar den ganz großen Wurf zu. "Jedes Team, das im Viertelfinale steht, hat jetzt die Chance auf den Titel."

Batterien für 2010 aufladen
Für Lagerbäck ist die EURO 2008 dagegen bereits Geschichte, sein Fokus richtet sich nun auf die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. "Wir werden dieses Spiel genau analysieren", sagte der bald 60-Jährige, der schon vor der EM in Österreich und der Schweiz seinen Vertrag mit dem schwedischen Verband bis 2010 verlängert hatte. "Danach werden wir unsere Batterien aufladen, um in der Qualifikation zu bestehen."

Mit welcher Mannschaft, der Sprung zur ersten WM auf afrikanischem Boden gelingen soll, ließ Lagerbäck jedoch offen. "Es wird eine neue Generation kommen. Aber wir werden immer die besten Spieler nominieren, egal wie alt sie sind." Vielleicht ein Indiz, dass Lagerbäck versuchen wird, seinen legendären Stürmer Henrik Larsson, inzwischen 36 Jahre alt, auch zum Weitermachen in der WM-Qualifikation zu überreden. Es wäre Larssons bereits dritter Rücktritt vom Rücktritt im Nationalteam.

(apa/red)

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