Geplante Obsoleszenz von

Wie Hersteller kaputt machen...

Erstmals widmet sich eine Studie dem bewussten und vorzeitigen Geräte-Verschleiß

Elektroschrott Wien. © Bild: Corbis.

Immer mehr Elektroschrott sammelt sich in den Haushalten an. Mehr und mehr Konsumenten kommt es deshalb spanisch vor, weshalb die Produkte scheinbar immer rascher den Geist aufgeben. Einer den das schon lange stört, ist Stefan Schridde. Er wurde bekannt durch den Kampf gegen die Hersteller von Geräten, die vorzeitig den Geist aufgeben, dem Kampf gegen die sogenannte „geplante Obsoleszenz“. Auf der Plattform „Murks? Nein Danke!“ sammelt er gemeinsam mit einer wachsenden Community Belege für diesen Vorgang. Nun hat er, im Auftrag der deutschen Grünen, gemeinsam mit dem Professor für Volkswirtschaftslehre, Christian Kreiß, die erste Studie zu diesem Thema erstellt.


Die Autoren zeichnen zunächst die Geschichte der geplanten Obsoleszenz nach. Erstmalig angewendet wurde diese Technik, Produkte vorzeitig veralten zu lassen in den 1920er Jahren vom Automobilproduzenten General Motors. Die Strategie war erfolgreich, da es gelang einerseits die Lebenszyklen der Automobile zu verkürzen und andererseits das Auto vom Gebrauchsgegenstand zu einem Lifestyle-Produkt zu machen. Die langlebigen Produkte des Konkurrenten Ford verloren so rasch die marktbeherrschende Stellung und General Motors eroberte diese Marktanteile.

Als Hauptursache für das Zunehmen der „geplanten Obsoleszenz“ nennen die Autoren gesättigte Märkte. Beispielsweise haben schon nahezu alle Haushalte eine Waschmaschine. Will ein Waschmaschinenproduzent dennoch weiter steigende Gewinne erzielen, muss er sich etwas einfallen lassen. Eine Möglichkeit ist, dafür zu sorgen, dass die Produkte rascher ersetzt werden. Das habe für Firmen zwei Vorteile: Einerseits sparen sie durch billigere Materialien, die rascher veralten, Kosten ein und andererseits erhöht das den Absatz.

Schleichende Verschlechterung

Da alle Anbieter gezwungen sind, bei diesem Spiel mitzumachen, um Wettbewerbsnachteile zu vermeiden, werden im Laufe der Zeit die Lebenszyklen der Produkte immer kürzer. Da dieser Prozess schleichend erfolgt, gewöhnen sich die Konsumenten daran. Doch was für die Produzenten ein Vorteil ist, bezahlen die Konsumenten klarerweise durch höhere Kosten und schlechtere Produkte.

Helfen, um die geplante Osoleszenz aufzudecken, würde es, wenn Verbraucherschutzverbände nicht mehr nur aktuelle Produkte miteinander vergleichen, sondern beispielsweise auch den Vergleich mit Produkten aus vergangenen Jahrzehnten suchen, um die reduzierte Haltbarkeit sichtbarer zu machen.

Absichtliche Verschlechterung

In weiterer Folge zeigen die Autoren der Studie berühmte Fälle der geplanten Obsoleszenz auf. Vom Glühbirnen-Kartell der 1920er Jahre, das sich auf reduzierte Lebensdauer der Birnen einigte, bis zum Konzern Du Pont, der Nylonstrumpfhosen in den 1940er Jahren weniger haltbar machte, oder Apple, das Anfang der 2000er Jahre in iPods festverbaute Akkus einbaute, laut Meinung der Autoren, mit vorsätzlich begrenzter Lebensdauer von 18 Monaten. Nach einer Sammelklage kam es zu einer außergerichtlichen Einigung, die mit dem Gratis-Austausch der Akkus endete.

Die Autoren unterscheiden diese Form des bewusst geplanten vorzeitigen Verschleißes von anderen Formen der geplanten Obsoleszenz, da diese Form ohne Firmeninsider kaum aufdeckbar ist. Diese Fälle seien zwar besonders spektakulär, aber eher die Ausnahme.

Das Antifeature

Eine mildere Form sei der sogenannte „gewollte vorzeitige Verschleiß“, bei dem versucht wird, den Kunden mit Mode- und Produktzyklen dazu zu motivieren, seine Produkte möglichst oft auszutauschen. Eine weitere Form sei es, den vorzeitigen Verschleiß billigend in Kauf zu nehmen, indem besonders minderwertige Materialien verwendet werden. Auch durch sogenannte „Antifeatures“ - also technische Funktionen die verhindern, dass ein Gerät optimal nutzbar ist - kann die Haltbarkeit reduziert werden. Außerdem werden Technologiesprünge oft nur Scheibchenweise in neue Produkte eingebaut, obwohl größere Sprünge möglich wären, um die Kunden zum häufigeren Nachkauf zu motivieren.

Die Studienautoren kommen zum Schluss, dass vorsätzliche Verschlechterung von Produkten eine Ausnahme sei. Der weitaus häufigere Grund für geplante Obsoleszenz sei der hohe Preis- und Termindruck, der zum Einbau minderwertiger Komponenten verführe.

Obsoleszenz bringt Wirtschaft nichts

Keinesfalls würde der Verzicht von geplanter Obsoleszenz nach Meinung der Autoren zu einer Verringerung des Wirtschaftswachstums führen. Vielmehr hätten die Konsumenten durch langlebigere Produkte mehr frei verfügbares Kapital und könnten damit Geld für andere Dinge aufwenden. Zudem werde menschliches Potential vergeudet, wenn Intelligenz und Know-how in die Austüftelung möglichst „schlechter“ Produkte fließe.

Um ihre Thesen zu stützen, führen die Autoren zahlreiche Beispiele von geplanter Obsoleszenz an. Beispielsweise Drahtanschlüsse von Kopfhörern, die selbst bei normaler Nutzung rasch zum Kabelbruch führen. Die Folge sei ein Neukauf, der mit 50 bis 80 Euro zu Buche schlage. Oder Schuhsohlen, die frühzeitig verschleißen und durch eine Verklebung eine Reparatur unmöglich machen.

Längere Garantie gefordert

Die Autoren nennen auch Kugellager in Waschmaschinen, die zu schwach gedämpft sind und leichter kaputt werden, Stuhllehnenhalterschalen, die versteckte Schwachstellen aufweisen, Laptops, deren Gehäuse verklebt sei, um den Austausch von Komponenten zu verunmöglichen, oder Tintenstrahldrucker, deren Tonerkartuschen mit einem Zähler versehen seien, der eine vollständige Nutzung der Tinte verhindere, als Beispiele der dreisten Vorgangsweise mancher Hersteller.

Die hohe Anzahl an Fällen zeigt schon, dass geplante Obsoleszenz fast überall vorkommt. Das ist ethisch bedenklich, schadet der Umwelt und den Konsumenten. Gegenüber „golem.de“ sprach die Grün-Politikerin Dorothea Steiner sogar von einer „Schweinerei die enorme Müllberge“ verursache.

Eine Möglichkeit, die geplante Obsoleszenz zu erschweren, wäre, die Gewährleistungspflicht auszudehnen. Die deutschen Grünen haben deshalb die Studie von Schridde und Kreiß bereits zum Anlass genommen, einen entsprechenden Antrag einzubringen. In diesem fordern sie, eine Ausdehnung der Gewährleistungs- und Garantiezeiten auf fünf Jahre.

Die "Geplante Obsoleszenz"-Studie

Kommentare

Wolfgang 69

Es ist schwierig, für ein Gerät welches aus sehr verschiedenen Komponenten besteht eine gesamtheitliche Lebensdauer zu ermitteln, deshalb wird dies auch nicht gemacht schätze ich. Es wäre aber im Sinne des Kunden wenn die Hersteller verpflichtet wären, die geschätzte Lebensdauer einzeln aufzulisten (die ist denen sehr wohl bekannt!) Beispiel Taste 200.000 Betätigungen, Display 50.000 Std. etc

Andreas Gloistein

Die Idee mit den längeren Gewährleistungs- und Garantiezeiten hat freilich einen Haken: Bei der Garantie handelt es sich um ein freiwilliges Mängelbehebungsversprechen - tatsächlich MUSS der Hersteller gar nichts garantieren. Und die Gewährleistung trifft am Ende nur den Händler, der nicht Schuld an der Obsoleszenz ist.

Mein Beispiel dazu: 2 gleiche NAS-Systeme im Abstand von 5 Monaten gekauft - und nach 4 Jahren sind sie im Abstand von einem halben Jahr mit dem selben Netzteilfehler defekt geworden.

Was will man da mit einer längeren Garantie erschlagen? Die sollen auf den Geräten eine Haltbarkeitsdauer angeben und dafür auch mit einer kostenlosen Reparatur geradestehen!

tja, wenn man zu viel kohle hat und diese mit aller unvernunft rausschmeisst wird der elektromüll stets mehr. es sollte alles wieder so teuer werden wie es war und dann wird so manch einer wieder zu denken beginnen und die dinger reparieren. das wären auch wieder arbeitsplätze und die umwelt würde es danken.

Ivoir
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Es ist ein Teufelskreis, in dem aber auch Arbeitsplätze geschaffen werden, soweit es sich noch um mechanische Teile handelt. Geplante Obsoleszenz ist nicht einfach nachweisbar, zum anderem müssten auch Langzeittests gemacht werden, um wirklich eine klare Definition zu schaffen.
Wenn natürlich das, wie @founder schreibt, Schule macht können wir uns gratulieren und nur hoffen, dass auch bei diesen Delikten via Cyberkriminalität Gegenmaßnahmen getroffen werden können.
Mein persönlicher Elektromüll vermehrt sich eigentlich nur, weil die Technik sich selbst überholt ich auf den Luxus der weiter entwickelten Geräte nicht verzichten will. Versucht doch einmal einen 5jahre alten Computer, TV-Gerät oder gar Waschmaschine zu verkaufen, Ihr könnt von Glück reden, wenn Ihr diese Teile noch verschenken könnt. Darum gehört mein Herz jenen Unternehmen, die auch mein Altgerät zurücknehmen.

simm1111
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Wobei das mit den PC nicht nötig wäre das du dir einen neuen Rechner anschaffst, RAM Speicher vergrößern, vielleicht mal eine neue Grafikkarte und für den Normalverbraucher ist der PC gut genug.
Und wenn in dem Artikel steht, das die Toner ein Zählwerk haben, das stimmt, man kann es aber umgehen und das Zählwerk zählt nun mal die gedruckten Seiten, wenn du aber nur 3 Wörter pro Seite schreibst @

simm1111
simm1111 melden

@ dann ist halt der Toner noch halb voll ist ja klar, aber wie gesagt kann man das übergehen!!

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Auf der letzten eCarTec hatte ich ein Gespräch belauscht. Bauteile müssen über das Internet frei geschaltet werden

"Und wenn dann einer nach 5 Jahren zum Service kommt und immer noch den gleichen Akku hat, dann kann die Firma einen Akkudefekt als Simulation schalten"

Solche Vorgangsweisen gehören ebenso als kriminelles Delikt verurteild wie jeder andere Betrug ebenfalls

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Würde sich nur eine Handvoll Betriebswirte deswegen im Bau wiederfinden, würde der Spuk relativ schnell aufhören. Und nicht unten ansetzen, oben!

Man muss sich nur mehr billige Geräte kaufen, die Garantie ist gleich lang wie bei Teuren, und Beide geben zur gleichen Zeit den Geist auf.

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