Gepflegte Prämien: Diskussion um illegale Pfleger bringt Versicherungen neue Verträge

Bisher war Pflegeversicherung nur ein Randthema FORMAT: So sorgen Sie für den Pflegefall richtig vor

Die Telefonapparate der Versicherungskonzerne klingeln derzeit pausenlos. Einen derartigen Anfrageansturm wie in den letzten Tagen gab es sonst nur bei veritablen Naturkatastrophen. Elisabeth Stadler, Vorstandsdirektorin der Uniqa Versicherung: "Seit zwei Wochen haben wir täglich mehrere hundert Anrufe. Um die Gespräche zu bewältigen, haben wir eine eigene Hotline eingerichtet."

Ursache ist das rasant gestiegene Interesse für ein bisher eher mäßig nachgefragtes Vorsorgeprodukt: die private Pflegeversicherung. Pate für diesen Hype stand ausgerechnet die Politik. Die Parteien haben die Meldungen über illegales Pflegepersonal zum Wahlthema Nummer eins erkoren. Die dadurch alarmierte Bevölkerung sucht jetzt nach Lösungen.

3.000 Abschlüsse in 14 Tagen
Mit der Einführung des staatlichen Pflegegeldes im Jahr 1993 und der Erkenntnis, dass dieser Zuschuss für die meisten Pflegefälle nicht ausreichen werde, haben einige Versicherungen mit der privaten Pflegevorsorge ein gewinnbringendes Geschäft gewittert. Bis vor kurzem gab es aber nur vier Anbieter von reinen Pflegeprodukten (Wiener Städtische, Uniqa, Generali und Oberösterreichische Versicherung). Und die haben bis Mitte 2006 gerade einmal 25.000 solcher Polizzen generieren können. Allein in den vergangenen zwei Wochen wurden aber laut Branchenkennern 3.000 neue Kontrakte unterzeichnet.

Auf den anrollenden Verkaufsexpress sind jetzt zwei weitere Anbieter aufgesprungen: die Quelle-Versicherung sowie die s-Versicherung, die am 11. September startet.

Schutz ab 12 Euro im Monat
Je früher man eine private Pflegeversicherung abschließt, desto günstiger wird es. Ein 20-jähriger Mann bekommt etwa bei der Generali für 12 Euro monatliche Prämie bis zu 1.500 Euro Monatszuschuss im Pflegefall. Bei einem Startalter von 40 Jahren steigt die Prämie bereits auf 42 Euro. Die Höhe der Leistungen orientiert sich an der staatlich festgestellten Pflegestufe.

Die Angebote der Versicherungen unterscheiden sich in den einzelnen Tarifmerkmalen beträchtlich und sind daher nicht direkt vergleichbar. FORMAT analysiert, worauf Sie beim Abschluss einer Versicherungspolizze achten sollten:

  • Wer schon für leichte Fälle versichert sein möchte, bezahlt höhere Prämien. Ein kompletter Schutz ab der gesetzlichen Pflegestufe 1 kostet etwa bei der Wiener Städtischen für einen 40-jährigen Mann 58 Euro/Monat. Bei einem Versicherungsschutz erst ab der Stufe 4 sind nur 28 Euro fällig. Noch günstiger ist die Prämie mit 19 Euro pro Monat bei der Quelle-Versicherung, wo überhaupt erst ab Stufe 5 gezahlt wird.
  • Frauen zahlen mehr als Männer. Allerdings sind die Aufschläge je nach Versicherung sehr unterschiedlich. Frauen bezahlen bei der Oberösterreichischen Versicherung 50 Prozent mehr als Männer. Bei der Quelle liegt hingegen der Unterschied nur bei zwei bis acht Prozent; bei den anderen Assekuranzen (Generali, Uniqa, Städtische) bei 20 bis 35 Prozent.
  • Bei Tarifen, die sich eins zu eins an den staatlichen Pflegegeldkriterien orientieren, gibt es im Versicherungsfall keine Streitigkeiten. Uniqa und Oberösterreichische sind mit eigener Einteilung am Markt.
  • Achten Sie auf eine Prämienfreistellung bei Pflegebedürftigkeit. Nur bei der Generali ist diese Klausel nicht vorgesehen, aber verhandelbar.
  • Während die meisten Versicherungen die Leistung nach Pflegestufe staffeln oder die tatsächlichen Pflegekosten bis zu einem Maximalbetrag ersetzen (Uniqa), zahlt die Oberösterreichische Versicherung als einzige pauschal 1.000 Euro - unabhängig davon, in welcher Pflegestufe man sich befindet.

In den nächsten Monaten dürften noch weitere Anbieter auf den Markt kommen. Deshalb ist es zu überlegen, erst diese Tarife abzuwarten, bevor man eine Versicherung abschließt. Günther Nanke vom Maklerbüro Nanke & Partner: "Eine Pflegeversicherung, egal von welcher Assekuranz, kann ich derzeit nicht empfehlen. Sie sind noch zu teuer, weil es viel zu wenige Verträge gibt."

Alle Infos zu privaten Pflegeversicherungen finden Sie im aktuellen FORMAT!