Weltreise von

Genossen, zerflossen

Weltreise - Genossen, zerflossen © Bild: Ian Ehm

Wenn die ersten Kameras schon abgebaut werden, bevor der Spitzenkandidat überhaupt das Wort ergriffen hat, ist das ein untrügliches Zeichen für das drohende Ende einer Partei. Geschehen ist das am letzten Sonntag in Frankreich. Dort ist Benoît Hamon zum unglücklichen Totengräber der Sozialisten geworden. Das Herz Frankreichs wolle er wieder zum Schlagen bringen, ließ er erst landesweit plakatieren. Und führte dann seine Genossen mit knapp sechs Prozent der Stimmen zum Infarkt.

Dabei hatten die Sozialisten in den Vorwahlen noch geglaubt, die Zeichen der Zeit richtig zu lesen. Sie hoben einen Vertreter der reinen Lehre auf den Schild, nachdem ihr Präsident François Hollande zuvor die reine Leere zurückgelassen hatte. Gegen gefräßige Banken wollte er hart vorgehen, hatte der einst versprochen, Reiche zur Kassa bitten und Armen unter die Arme greifen. Eingelöst hat er davon nichts. 83 Prozent der Franzosen sagten kurz vor der Wahl, ihr Land sei auf dem falschen Weg. Doch was ist der richtige?

Jean-Luc Mélenchon ist so etwas wie das Fossil unter Frankreichs Linken. Ein alter Trotzkist, seit Jahren Teil des Politsystems und dort lange knapp über der Wahrnehmungsschwelle. Heuer aber schien seine Zeit gekommen. Mit linkem Brachialpopulismus ging er mit seiner Bewegung der "Aufsässigen" ins Rennen. Und forderte die Verstaatlichung von Infrastruktur, verrückt hohe Mindestlöhne und Lohnsteuern von 90 Prozent ab 400.000 Euro Einkommen. Nicht umsonst sah er sich in der Tradition von Venezuelas Revolutionsführer Hugo Chávez, dessen Nachfolger das einst reichste Land Südamerikas gerade in den Staatsbankrott getrieben haben. Egal, für Mélenchon sollte die rote Radikalität für 19 Prozent der Stimmen reichen. Ein wenig mehr, und er stünde nun anstatt von Le Pen in der Stichwahl. Gerade unter Jungen reüssierte Mélenchon. Er, der alte Trotzkist, als Held einer Generation von Getriebenen, die in die Speichen eines Systems geraten sind, das längst nicht mehr funktioniert.

Und daran trägt die Sozialdemokratie Mitschuld. Egal, ob nun in Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden oder Spanien. Überall haben die Roten in der Regierung ihre Werte und damit auch ihre Wähler verraten. Sie gaben sich als Erfüllungsgehilfen eines außer Kontrolle geratenen Marktes. Bankenrettung mit Steuermilliarden? Kein Problem. Steuerflucht für Multis? Wir sind dabei. Sinkende Realeinkommen im Niedriglohnbereich durch den verstärkt unkontrollierten Zuzug von Unqualifizierten? Wird schon klappen.

Das Volksheim, wie Schwedens Sozialdemokraten einst ihren Wohlfahrtsstaat nannten, steht nun lichterloh in Flammen. Und die Sozialisten stehen unter dem Verdacht der Beihilfe zur Brandstiftung.