Generali zieht sich 2006 von Börse zurück: Italienische Mutter will Konzern übernehmen

Italiener halten 93,7 Prozent an Österreich-Tochter Generali will nach Osteuropa und Indien expandieren

Generali zieht sich 2006 von Börse zurück: Italienische Mutter will Konzern übernehmen

Der italienische Versicherer Generali will die Tochter Generali Holding Vienna AG komplett übernehmen. Die österreichische Tochter wird sich noch in diesem Jahr von der Wiener Börse zurückziehen. Der Preis des Squeeze-Out wird von der Generali Holding Vienna AG festgelegt werden, teilte der Konzern mit. An der österreichischen Generali hält die italienische Mutter 93,7 Prozent, der Rest steht im Streubesitz.

Diese Maßnahme werde zu einem Delisting der Aktie von der Wiener Börse im Jahr 2006 führen, so die Versicherung, die am Montag ihren Entwicklungsplan bis 2008 vorgestellt hat. Der italienische Mutterkonzern Assicurazioni Generali S.p.A. hat KPMG beauftragt, eine vorläufige Bewertung der Österreich-Tochter vorzunehmen, die auf einer "Discounted Cash-Flow"-Methode basiere und im Einklang mit den in Österreich anwendbaren Bewertungsprinzipien stehe.

Die Assicurazioni Generali S.p.A. wurde von KPMG auf der Grundlage einer vorläufigen Analyse informiert, dass die Bewertung der Generali Holding Vienna AG unter dem Schlusskurs vom 3. März 2006 von 46,60 Euro liegt. Auch seine deutsche Versicherungstochter AMB Generali Holding will der italienische Finanzkonzern ganz übernehmen. Den Aktionären werden 98 Euro je Aktie geboten, wie am Montag in Deutschland mitgeteilt wurde. Der Konzern hält derzeit 70,88 Prozent an AMB. Hinzu wird Generali auch die Schweizer Tochter übernehmen: Die Aktien der Generali (Schweiz) Holding sollen für je 440 Franken (282 Euro) erworben werden, hieß es am Montag in Zürich.

Generali will auch verstärkt in Osteuropa wachsen. Wie aus dem neuen dreijährigen Entwicklungsplan bis 2008 vorgeht, der am Montag in Mailand vorgelegt wurde, ist Osteuropa ein prioritäres Wachstumsgebiet für die Gruppe. In Osteuropa werde bis 2008 mit einem 20-prozentigen Jahreswachstum gerechnet. Das stärkste Wachstum soll in der Slowakei, in Slowenien, Rumänien und Kroatien registriert werden. Das Unternehmen überprüfe auch in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion Wachstumsmöglichkeiten, teilte das Unternehmen mit. Für die CEE-Aktivitäten innerhalb des Konzerns ist seit langem die Generali Holding Vienna zuständig.

Expansionspläne für China und Indien
Zugleich stellte der Konzern Expansionspläne in China und Indien vor. "China, Indien und Osteuropa sind die Gebiete mit dem weltweit größtem Wachstumspotential für unser Unternehmen", teilte Geschäftsführer Sergio Balbinot mit. In Indien plant Generali die Gründung eines Joint Ventures mit einem Partner, dessen Namen noch nicht bekannt gegeben wurde. Das Joint Venture werde sowohl den Schadenbereich, als auch die Lebensversicherungsbranche betreffen. In China will Generali zu den drei stärksten ausländischen Versicherungen des Landes aufrücken. Geplant ist in China die Eröffnung von sechs neuen Filialen und die Erweiterung des Netzes dank 10.000 neuen Mitarbeitern.

Seinen Gewinn will der Triester Versicherer bis 2008 deutlich erhöhen. Der Überschuss solle 2008 auf 2,9 Mrd. Euro steigen, teilte das im EuroSTOXX 50 notierte Unternehmen in Mailand mit. Dies wäre ein Plus von 51 Prozent im Vergleich zu 2005. Im vergangenen Jahr stieg der Überschuss um 15 Prozent auf 1,92 Mrd. Euro. Die Dividende solle auf 54 (Vorjahr: 43) Cent erhöht werden. Bis 2008 soll sie sich verdoppeln. Zudem plant das Unternehmen den Rückkauf von eigenen Aktien im Wert von bis zu 1,8 Mrd. Euro.

Als weitere Ziele für 2008 nannte Generali eine weitere Verbesserung der Schaden-Kosten-Quote (combined ratio) im Schaden- und Unfallgeschäft. Diese solle bis 2008 auf 95,5 Prozent sinken, nachdem sie im vergangenen Jahr um einen Prozentpunkt auf 97,9 Prozent gesunken war. Je weiter dieser Wert unter 100 Prozent liegt, desto profitabler arbeitet eine Versicherung im Schaden- und Unfallbereich.

Aktien vom handel ausgesetzt
Die Prämieneinnahmen seien 2005 auf vergleichbarer Basis um 13,1 Prozent auf 62,8 Mrd. Euro gestiegen. Das Neugeschäftsvolumen solle jährlich um zehn Prozent zulegen. Generali ist nach der Allianz und der französischen AXA gemessen am Prämienvolumen der drittgrößte europäische Versicherer. Nach der Veröffentlichung des Entwicklungsplans legten die Generali-Aktien an der Mailänder Börse kräftig zu. Eine halbe Stunde nach Bekanntgabe des Plans, hatten die Aktien des Versicherers um fast fünf Prozent auf 30 Euro zugelegt.

In Wien hingegen wurde die Aktie kurzzeitig vom Handel ausgesetzt. Nach Wiederaufnahme des Handels verzeichnete die Aktien ein Minus von 3,22 Prozent auf 45,10 Euro.
(apa)