Gemischte Gefühle in Wiener Bevölkerung:
"Manche sind schon bestürzt und traurig"

Wenig offensichtliche Bestürzung in Bundeshauptstadt "Aber es geht trotz allem um ein Menschenleben"

Gemischte Gefühle in Wiener Bevölkerung:
"Manche sind schon bestürzt und traurig" © Bild: APA/Techt

Während in Kärnten nach dem unerwarteten Unfalltod von Jörg Haider kollektive Trauer herrscht, legten in der Bundeshauptstadt Wien nur wenige Menschen offensichtliche Bestürzung an den Tag. Eher "gemischte Gefühle" machten sich beim Gedanken an das Ableben des umstrittenen Politikers breit. Der Großteil der Besucher am Wiener Naschmarkt etwa zeigte sich am Todestag Haiders unbeeindruckt.

Pärchen schlenderten gegen Mittag gähnend zum späten Frühstück, die sonnigen Sitzplätze vor den Lokalen waren bis zum Bersten gefüllt. In Kleingruppen wurden Ausflugspläne für den Nachmittag und Einkäufe besprochen oder Resümees über die Arbeitswoche gezogen. Über den Tod Haiders sprach kaum jemand, einsilbige Kommentare gab es nur auf Nachfrage. Von "So einen Tod hat er nicht verdient!" bis hin zu "Jetzt ist er weg!" reichten die Kommentare.

Einigen Gästen habe er die Betroffenheit zwar angemerkt, geredet werde bisher aber tatsächlich kaum über den Unfall, meinte ein Restaurantbesitzer. "Manche Leute sind schon bestürzt und traurig, das merkt man an den Gesichtern", meinte der Mann. Seine Einschätzung: "Die Ausländer freuen sich", da Haider so "egoistisch" gegenüber Menschen aus anderen Staaten gewesen sei.

"Geht trotz allem um ein Menschenleben"
Das Haider in der Wiener Bevölkerung auch vehemente Gegner hatte, zeigte sich an einzelnen Statements deutlich. Vorhin am Flohmarkt sei völlig abwertend und abfällig über Haider geschimpft worden, kritisierte eine Frau, die mit ihrer Tochter beim Kaffee saß. "Aber es geht trotz allem um ein Menschenleben." Sie selbst habe vom Tod des BZÖ-Politikers aus dem Radio erfahren: "Natürlich hat uns das betroffen gemacht, obwohl wir keine Sympathisanten sind!"

Damit, dass über das Ableben Haiders kaum geredet werde, habe sie nicht gerechnet, meinte eine Mitarbeiterin der Info-Publikation "Nachmarkt-Magazin". Sie sei schon den ganzen Vormittag da und habe mit mehreren Menschen getratscht, die Meinungen der Menschen seien zwiespältig. Aussagen wie "Jetzt sterb'n da etwa 360 Leute jährlich bei Verkehrsunfällen und der Haider is a nur ana davon" seien in den Unterhaltungen gefallen.

Auch Trauer und Bestürzung
Neben wenig mitfühlenden Worten von Haider-Gegnern gab es auch Trauer und Bestürzung: Bei den TV-Übertragungen des ORF in einem Lokal sei es plötzlich mucksmäuschenstill geworden, schilderte der Kollege der Frau. Fassungslos sei beispielsweise ein älteres Pärchen gewesen, dass in Haider seinen einzigen politischen Ansprechpartner gesehen habe.

Ein weiteres Gesprächsthema - so die Mitarbeiter am Naschmarkt - waren bereits Stunden nach dem Tod des Kärntner Landeshauptmanns Mutmaßungen über die Zukunft der Partei und die Hintergründe des Unfalls. "Die Partei kann zusperren!", unkten demnach einige Wiener.

(apa/red)