Gemeinderatswahl Innsbruck: Elf Listen treten an, Koalitionen werden entscheiden

Nur Landeshauptstadt ohne Bürgermeister-Direktwahl Laut Umfragen: Grüne erstmals in Großstadt vorne?

Die ungewöhnlich große Aufsplitterung von Parteien und Gruppierungen, die sich auch durch das Antreten von elf Listen bei der Gemeinderatswahl am 23. April in Innsbruck widerspiegelt, hat in den letzten Jahren letztlich zum Machterhalt geführt. Während etwa die offizielle Stadt-VP-Liste bei der letzten Wahl im Jahr 2000 auf fünf der 40 Mandate abgestürzt war, schaffte die dem bürgerlichen Lager zugerechnete Liste "Für Innsbruck" mit 16 Mandaten die relative Mehrheit und konnte mit dem späteren Landeshauptmann Herwig van Staa den Bürgermeister stellen. Bei der nun fälligen Wahl sind absolute Mehrheiten neuerlich unrealistisch. Koalitionen werden zum Regieren für die nächsten sechs Jahre notwendig sein.

Als ungeschriebenes Gesetz gilt das Bürgermeister-Vorschlagsrecht für die Gruppierung mit der relativen Mehrheit, eine Direktwahl des Gemeindeoberhauptes wie in den übrigen 278 Tiroler Gemeinden gibt es nicht. Vier der elf Listen wird dies derzeit zugetraut. Sollte es den Grünen gelingen, Nationalratswahlergebnisse auch auf kommunaler Ebene umzulegen, hätte dies den ersten Grünen Bürgermeister einer Landeshauptstadt Österreichs zur Folge. Hoffnungen auf die Nummer Eins machen sich Amtsinhaberin Hilde Zach (Für Innsbruck) und VP-Stadtparteichef Eugen Sprenger. Auch SP-Kandidatin Marie Luise Pokorny-Reitter ging mit diesem Anspruch in die Wahl.

Zach erstmals als Bürgermeisterin zur Wahl
Für die Bürgermeisterin ist es die erste Wahl, bei der sie sich als Stadtchefin stellen muss. Sie löste im Jahr 2002 Herwig van Staa ab, der damals zum Landeshauptmann gewählt wurde. Vizebürgermeister Eugen Sprenger hoffte, mit der bei der letzten Wahl auf 11,5 Prozent abgesackten VP-Stadtpartei dieses Mal "Für Innsbruck" überholen zu können, die vor sechs Jahren auf 36,3 Prozent oder 16 der 40 Mandate gekommen war.

Grüne hoffen auf Mehrheit
Eine Hochburg ist Innsbruck traditionell auch für die Grünen, die im Jahr 2000 auf 12,6 Prozent kamen und sich derzeit in Umfragen weit vorne sehen. Sie setzen bei dieser Wahl auf eine ungewöhnliche Konstruktion: Spitzenkandidatin ist die LAbg. Uschi Schwarzl. Sollten die Grünen allerdings die relative Mehrheit schaffen und damit Anspruch auf das Bürgermeisteramt anmelden können, wurde für diesen Fall Landeschef und Landtags-Klubobmann, LAbg. Georg Willi nominiert.

Federspiel könnte Mehrheitsbeschaffer werden
"Zünglein an der Waage" könnte die "Freie Liste" des VP-LAbg. Rudi Federspiel werden, die 2000 6,7 Prozent oder zwei Mandate schaffte. Der Van Staa-Vertraute setzte stark auf Sicherheitsthemen, Freibier und "mehr 6 für Innsbruck", wie auf Plakaten zu lesen war. Die Federspiel-Mandatare könnten zum Mehrheitsbeschaffer für den einen oder anderen Bürgermeisterkandidaten aus dem "bürgerlichen Lager" werden.

Schon 2000 dreizehn Listen angetreten
84.482 Wahlberechtigte können über die Verteilung der 40 Mandate entscheiden. Bei der letzten Gemeinderatswahl im Jahr 2000 waren 13 Listen angetreten. Neun schafften den Sprung in den Gemeinderat. (APA/Red)